Start der Testflüge zur Evaluierung eines neuen Kampfflugzeuges (NKF) für die Schweiz

Gestern, am Donnerstag, 11. April 2019, haben die Testflüge mit dem Airbus Eurofighter Typhoon in Payern begonnen. Dies stellt den Auftakt für die bis Ende Juni andauernde Flug- und Bodenerprobung der fünf zu evaluierenden Kampfflugzeuge dar (siehe Graphik unten), welche zusammen mit den Mitteln der bodengestützten Luftverteidigung (BODLUV) im Umfang von maximal 8 Milliarden Franken beschafft werden sollen. Was die Kampfflugzeuge angeht möchte der Bundesrat innerhalb dieses Pakets rund dreissig bis vierzig Maschinen anschaffen.

In der Evaluierung stehende Kampfflugzeuge in der Reihenfolge der Erprobungen (Quelle: Anja Lemcke und Eugen U. Fleckenstein, "Mögliche Kampfjets für die Schweiz", NZZ, 11.04.2019, S. 15).

In der Evaluierung stehende Kampfflugzeuge in der Reihenfolge der Erprobungen (Quelle: Anja Lemcke und Eugen U. Fleckenstein, “Mögliche Kampfjets für die Schweiz“, NZZ, 11.04.2019, S. 15).

Bereits vor der Flug- und Bodenerprobung wurden seit Februar in den Herkunftsländern der Flugzeughersteller verschiedenste Tests an den in der Evaluierung stehenden Kampfflugzeugen durchgeführt. Rund 20 Vertreter des Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) haben dabei Abklärungen zum Unterhalt und zur Logistik vorgenommen. Gleichzeitig fanden im Ausland die ersten Erprobungen in den Simulatoren der Hersteller statt. Bei diesen Simulationen wurden Flugeigenschaften erprobt, welche in den realen Flug- und Bodenerprobungen nicht durchgeführt werden können, wie zum Beispiel das Verhindern von Kollisionen sowie komplexe Szenarien mit mehreren Flugzeugen. Gemäss Bernhard Berset, Teilprojektleiter von Armasuisse konnten durch diese Simulationstests die Anzahl der in der Schweiz geflogenen Missionen stark reduziert werden. Eine Erprobung der Kampfflugzeuge in der Schweiz sei aber noch immer unabdingbar. Gehe es doch darum, die Sensoren der heimischen Topografie auszusetzen. Ein Radar funktioniere über dem Meer anders als in den Bergen (Kaj-Gunnar Sievert, “Air2030: Start der Flug- und Bodenerprobungen für ein neues Kampfflugzeug (NKF) in Payerne“, Armasuisse, 08.04.2019).

Landung der Eurofighter von Airbus, gestartet in Warton (GBR) und gelandet in Payerne am 9. April 2019. © VBS/DDPS

Die Erprobungen werden durch Experten der Schweizer Luftwaffe und der Armasuisse in Payern durchgeführt. Dabei werden die einsitzige F-35 Lightning II und der Gripen E durch Piloten der Hersteller geflogen. Gemäss Berset sei dies jedoch kein Problem, da ohnehin die Aufzeichnungen der Missionen entscheidend seien.

Wir möchten die Bevölkerung über die Grundsatzfrage abstimmen lassen: Wollen Sie noch eine Luftverteidigung, die den Namen verdient, oder nicht? Die Typenentscheidung wollen wir nachher fällen. — Oberst i Gst Peter Merz, Projektleiter bei der Luftwaffe, zitiert in Dominik Meier, “Evaluation der Kampfjets – Das Schaufliegen am Schweizer Himmel ist eröffnet“, Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), 08.04.2019.

Insgesamt sind pro Flugzeugtyp acht verschiedene Missionen geplant. Bei sieben davon wird es darum gehen, die von der Schweizer Luftwaffe beziehungsweise von der Armasuisse vorgegebenen Aufgabenstellungen im operationellen und technischen Bereich auszuführen. Dabei sind auch Nachtflüge vorgesehen; jedoch keine Waffentests. Nebst diesem herstellerunabhängigen Pflichtprogramm können die Anbieter bei der achten Mission deren Inhalt selbst bestimmen und somit die Stärken des angebotenen Flugzeugs präsentieren. Alle gewonnenen Erkentnisse werden anschliessend in Fachberichte einfliessen, jedoch erst nach dem Vorliegen der zweiten Offerte Mitte 2020 miteinander verglichen. Auf der Basis des so entstandenen Evaluationsberichts wird dann der Bundesrat Ende 2020 den Typenentscheid fällen. Noch vor diesem Typenentscheid soll das Volk abstimmen — eine wichtige Lehre aus dem Gripen-Debakel von 2014. (Michael Surber, “Nun fliegen die Kampfjets in der Schweiz“, NZZ, 09.04.2019, S. 14).

Interessantes Detail am Rande: An der Pressekonferenz vom letzte Montag sagte Botschafter Dr. Christian Catrina, Delegierten für die Erneuerung der Mittel zum Schutz des Luftraums, dass die Hauptlasten der Kosten der Flug- und Bodenerprobung, d.h. der Transfer und Betrieb der Kampfflugzeuge in der Schweiz, die Personal- sowie Materialkosten usw. durch die anbietenden Firmen und Staaten getragen werden. Die Schweiz zahlt insgesammt “nur” zehn Millionen Franken für die Tests, wobei es sich hauptsächlich um die Kosten für das Kerosin handelt.

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Air2030: Kernargumente

  • Die Armee braucht Kampfflugzuge und bodengestützte Luftverteidigung.
  • Was wir haben, ist veraltet oder wird es demnächst sein – bei BODLUV klafft gar eine Lücke.
  • Wir brauchen auch in Zukunft Kampf- flugzeuge und bodengestützte Luftverteidigung.
  • Die konzeptionellen Grundlagen liegen vor; es braucht nicht mehr Papiere.
  • Es gibt immer noch keine tauglichen Alternativen zu Kampfflugzeugen.
  • Air2030 ist bezahlbar – auch die dringenden Bedürfnisse anderer Teile der Armee.
  • Der Planungsbeschluss ist der richtige Weg; er erhöht die Planungssicherheit.
  • — Botschafter Dr. Christian Catrina zitiert in Peter Müller, “Air2030: Wie Die Hürden Meistern“, Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift, August 2018, S. 28.

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Weitere Informationen

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