Rückblick: Krieg in der Ostukraine 2014/15 – Invasionsangst, Mobilmachung und Eskalation ab April 2014 (Teil 1/4)

von Dr.Phil. Fritz Kälin, Militärhistoriker, Stab MND. Dieser Artikel wurde zuvor auf dem Blog der OG Panzer veröffentlicht — ich danke dem Autor und der OG Panzer für die Erlaubnis einer Zweitveröffentlichung.

Diese Artikelserie schildert den Kriegsverlauf in der Ostukraine mit Fokus auf die intensivsten Kampfhandlungen der Jahre 2014 und 2015. Grundlage bilden in deutscher und englischer Sprache online verfügbare Ausführungen von Fachleuten und/oder Augenzeugen, wovon die Expertisen von Dr. Phillip A. Karber eine Klasse für sich darstellen. Unparteiische Faktendarstellungen existieren jedoch noch nicht in dem Ausmasse, wie es sich ein (Militär-)Historiker wünschen würde. Allein schon aus sprachlichen Gründen überwiegen in dieser Artikelserie Quellen aus westlicher bzw. eher pro-ukrainischer Sicht. Bei der Quellenauswahl wurde jedoch darauf geachtet, dass trotz erkennbarer Parteilichkeit auch über die favorisierte Seite kritisch berichtetet wurde. Über den gesicherten Ereignisverlauf lässt sich dadurch mehr berichten, als der militärisch Interessierte aus hiesigen Medien und Fachzeitschriften bislang entnehmen konnte — diese Artikelserie will hier nachliefern! Nicht behandelt werden die medial anderweitig ausreichend geschilderten politischen Vorgänge (z.B. Wahlen), das humanitäre Leid und der MH-17-Abschuss.

Nach einem Kampf um den Internationalen Flughafen Donezk im Mai 2014, welcher von den Ukrainischen Streitkräften entschieden wurde, kam es Ende September 2014 trotz eines Waffenstillstandsabkommens zu einem weiteren Schlagabtausch. Zu diesem Zeitpunkt war der Internationale Flughafen der letzte Bereich von Donetsk, welcher noch von den Regierungstruppen gehalten werden konnte und schliesslich Ende Januar 2015 ebenfalls aufgegeben werden musste (Foto: Sergey Loiko).

Nach einem Kampf um den Internationalen Flughafen Donezk im Mai 2014, welcher von den Ukrainischen Streitkräften entschieden wurde, kam es Ende September 2014 trotz eines Waffenstillstandsabkommens zu einem weiteren Schlagabtausch. Zu diesem Zeitpunkt war der Internationale Flughafen der letzte Bereich von Donetsk, welcher noch von den Regierungstruppen gehalten werden konnte und schliesslich Ende Januar 2015 ebenfalls aufgegeben werden musste (Foto: Sergey Loiko).

 
Vorgeschichte und mögliche geostrategische Hintergründe des Ukraine-Konflikts
Einmal mehr ist in einem befriedet wirkenden Europa entlang einer innergesellschaftlichen Bruchlinie durch geopolitische Kraftproben ein Krieg ausgebrochen. Noch 2012 war die Ukraine (zusammen mit Polen) das Austragungsland einer Fussballeuropameisterschaft. Zwei Jahre später war ihr östlichster Landesteil Schauplatz der intensivsten Kriegshandlungen in Europa seit 1945. Primär innenpolitische und gesellschaftliche Probleme aber auch die Weigerung des damaligen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch ein Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union zu unterzeichnen führten zu den Maidan-Proteste Ende 2013. Im Februar 2014 folgte dann die Krim-Besetzung durch Russland. Schliesslich im März 2014 kam es in der Ostukraine in zahlreichen Städten zur Besetzung von öffentlichen Gebäuden durch schwer bewaffnete Personen, welche die neue pro-westliche Regierung in Kiew ablehnten.

In diesem Konflikt spielen die geostrategischen Interessen internationaler Mächte eine wichtige Rolle. Wie auch das Beispiel des Kaukasuskrieges 2008 bzw. Russlands Einfluss in Südossetien und Abchasien aufzeigten, ist der Kreml gewillt, den Nato-Beitritt weiterer Nachbarländer auch mit gewaltsamen Mitteln zu verhindern. Ein “eingefrorener” Konflikt im Donbass erfüllt diesen Zweck hinsichtlich der Ukraine. Zwar hatte die Ukraine – im Gegensatz zu den westlichen Ländern – infolge des Kaukasuskrieges 2008 einen Reformbedarf für die eigenen Streitkräfte erkannt, die Finanzkrise entzog diesem Ansinnen jedoch die finanzielle Grundlage. Die ukrainischen Streitkräften blieben in Essenz ein unterfinanzierter Überrest ihrer Vorgängerverbände in der Roten Armee. Derweil wurde Russlands Armee anhand der Lehren aus dem kurzen Krieg gegen Georgien reformiert.

Who rules East Europe commands the Heartland; who rules the Heartland commands the World-Island; who rules the World-Island commands the world. — Sir Halford John Mackinder, “Democratic Ideals and Reality: A Study in the Politics of Reconstruction“, 1919.

Auf Seite der USA sind zwei Haltungen gegenüber dem eskalierten Ukrainekonflikt vorstellbar, die zueinander jedoch im Widerspruch stehen. Gemäss einer in den USA prominenten strategischen Denkschule (die “Heartland Theorie” von Sir Halford John Mackinder) könnte der Konflikt um die Ukraine – ob beabsichtigt oder nicht – für die USA eine Versicherung darstellen, dass auf absehbare Zeit keine eurasische Interessensgemeinschaft der transatlantischen Sicherheitsarchitektur den Rang abläuft. Allerdings zwingt das verschlechterte Ost-West-Verhältnis die USA gleichzeitig, in Europa wieder mehr militärische Last zu schultern. Dabei hatte die Obama-Administration erst 2012 die Losung “Pivot to Asia” ausgegeben. Der amerikanischen Mehranstrengungen zur See und in der Luft in Ostasien hätte naheliegender Weise einen weiteren Abbau der militärischen Präsenz im scheinbar befriedeten Europa gegenübergestanden. Jedenfalls fällt auf, dass die USA verbal hinter den pro-westlichen Kräften in Kiew stehen, sich jedoch bis Ende 2017 substantieller militärischer Hilfe enthielten.

Die Verhältnisse von Zeit, Kräfte und Raum bei Beginn des Konflikts
Seit dem 13. März 2014 zog Russland bei Manövern rund 90’000 Mann aus dem ganzen Land nahe der Grenze zur Ukraine zusammen, die Hälfte davon Kampftruppen (siehe Graphik unten, sowie Michael Kofman et al., “Lessons from Russia’s Operations in Crimea and Eastern Ukraine“, RAND Corporation, 2017, S. 65). Kombiniert mit der Militärpräsenz Russlands auf der Krim und in Transnistrien bedeutet dieser Aufmarsch für Kiew eine strategische (beinahe) Rundumbedrohung. Nach Einschätzung von Clark und Karber stellte dies im Vergleich mit der Mobilisierungskapazität der Ukrainischen Streitkräften eine dreimal zu lange Front dar (Wesley K. Clark und Phillip A. Karber, “Immediate Improvements Needed in Rapidly Implementing ‘Non-­Lethal’ US Military Assistance for Defense of Ukraine“, 08.04.2014, S.1).

Seit dem 13. März 2014 führte Russland mit rund 45'000 Kampftruppen (mit Unterstützungstruppen rund 90'000) militärische Übungen an der Ostgrenze der Ukraine durch, destabilisierte den östlichen Teil des Landes und schürte in Kiew die Angst vor einer bevorstehenden Invasion. Die Karte basiert auf einem Papier, das vom Royal United Services Institute im April 2014 veröffentlicht wurde und aus dem hervorgeht, welche russischen Einheiten mobilisiert wurden und wo sie operierten.

Seit dem 13. März 2014 führte Russland mit rund 45’000 Kampftruppen (mit Unterstützungstruppen rund 90’000) militärische Übungen an der Ostgrenze der Ukraine durch, destabilisierte den östlichen Teil des Landes und schürte in Kiew die Angst vor einer bevorstehenden Invasion. Die Karte basiert auf einem Papier, das vom Royal United Services Institute im April 2014 veröffentlicht wurde und aus dem hervorgeht, welche russischen Einheiten mobilisiert wurden und wo sie operierten.

Bei Kriegsbeginn umfassten die Ukrainischen Streitkräften rund 130’000 aktive Soldaten, davon rund 60% Wehrpflichtige (die Wehrpflicht wurde 2013 abgeschafft). Aus den 15 Brigaden konnten jedoch höchstens 6’000 kampfbereite Truppen generiert werden. Gemäss der “Military Balance” von 2014 waren etwas mehr als 200 Kampfflugzeuge kampftauglich. Trotzdem vollzog die Ukraine im März 2014 die grösste Mobilmachung und Truppenverschiebung in Mittel- und Osteuropa seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Insbesondere im Norden bildeten die Ukrainischen Streitkräften Gegenkonzentrationen zu den russischen Aufmärschen. Dazu musste das Gros aus ihrer aus der Sowjetzeit geerbten Infrastruktur westlich des Dnjepr nach Osten disloziert werden. Eine Hypothese lautet, dass Moskau angesichts dieses ukrainischen Kraftaktes einer eher subversiven Kampagne im Donbass den Vorzug gegenüber einer direkten Grossinvasion gab. Erst allmählich wagte es Kiew, Kräfte aus der eigenen Gegenkonzentration im Norden für Operationen im Donbass freizugeben. Dadurch verlor Kiew die Kontrolle über viele Städte im östlichsten Landesteil. Laut Karber vermochten die staatlichen Ordnungsorgane nicht so rasch und konsequent gegen die militanten Häuserbesetzer im Donbass vorzugehen, wie sie es gewollt und gekonnt hätten. Die Regierung habe sich lieber auf westliche Versicherungen verlassen, dass die Krise diplomatisch entschärft werden würde (Phillip Karber, “The Russian Military Forum: Russia’s Hybrid War Campaign: Implications for Ukraine and Beyond“, Center for Strategic & International Studies, 2015, 18′-23′).

In den umkämpften ostukrainischen Oblasten Donezk und Luhansk leben gegen sieben Millionen Menschen. Zu den grössten Städten in den beiden Oblasten gehören Donezk, Mariupol, Luhansk, Makijiwka, Horliwka, Kramatorsk, Sjewjerodonezk und Slowjansk (alle haben mehr als 100’000 Einwohner). Die von Separatisten kontrollierten Teile der Ostukraine entsprechen in der Fläche und Einwohnerzahl grob den Dimensionen des Schweizer Mittellands. Das Städtedreieck Mariupol – Donezk – Luhansk passt auf der Schweizer Karte auf die Räume Genf – Nordwestschweiz – Zürich West.

Auch im 21. Jahrhundert behindert in der Ukraine Schlamm in den Frühlings- und Herbstmonaten die Mobilität von Truppen. Das deckungsarme Steppengelände bietet für einen Verteidiger kaum ideales Gelände. Umso bedeutsamer müsste die Beherrschung des Luftraumes sein. Doch auch wenn die Luftkriegsmittel fast ausschliesslich auf Seiten des Ukrainischen Staates liegen, hat dieser nach gängiger Logik entscheidende Trumpf Kiews nicht gestochen. Darauf wird der vierte Teil dieser Artikelserie näher eingehen.

Ukrainische Soldaten und pro-russische Demonstranten nahe Kramatorsk, Mitte April 2014.

Ukrainische Soldaten und pro-russische Demonstranten nahe Kramatorsk, Mitte April 2014.

Ukrainische “ATO”-Rückeroberungskampagne April – August 2014
Mitte April 2014 gab die damalige Regierung in Kiew grünes Licht für eine sogenannte “Antiterror-Operation” gegen die Separatisten im Donbass. Im Folgenden soll dafür die in der Ukraine gebräuchliche, knappe Abkürzung “ATO” verwendet werden, auch wenn die Bezeichnung gemessen an der Intensität der Kämpfe eine Untertreibung darstellt. Diese vom Innenministerium geführte Operation sollte die Separatisten zuerst aus den Gegenden verdrängen, in denen sie kaum Rückhalt in der Bevölkerung fanden. Das restliche verlorene Gebiet im Donbass sollte dann vom angrenzenden Russland isoliert und anschliessend zwischen Donezk und Luhansk gespalten werden. Für die ATO sollen insgesamt zwölf Brigaden und mehr als 25 selbständige Bataillone eingesetzt worden sein. Die Stärke der Separatisten lässt sich schwerlich beziffern, aber insgesamt dürften sie den Regierungskräften bis in den August hinein militärisch klar unterlegen gewesen sein.

Kaum gestartet, wurde die ATO wegen der Sorge um die russischen Truppenkonzentrationen im russischen Grenzgebiet unterbrochen und erst am 22. April wieder fortgesetzt (“Senior Security Official: Anti-Terror Operation Suspended as Russian Troops Amass on Border“, Kyiv Post, 24.04.2014). Je weiter die ukrainischen Truppen sich in die Ostukraine hineinwagten, desto abweisender war die lokale Bevölkerung eingestellt. Zuweilen behinderten Zivilpersonen die Truppenbewegungen aktiv. Am 16. April sollen den ukrainischen Luftlandetruppen sogar sechs gepanzerte Fahrzeuge von Separatisten bzw. aufgebrachten Zivilisten abgenommen worden sein (siehe auch: Andrew E. Kramer, “Ukraine Push Against Rebels Grinds to Halt“, The New York Times, 16.04.2014). Bewaffnete Aufständische hatten sich insbesondere in den Städten und auf Barrikaden entlang der Zufahrtsstrassen postiert.

Im Mai/Juni gerieten die ukrainischen Sicherheitskräfte bei ihren Vorstössen öfters in Hinterhalte, ab Juni gelangte Kriegsgerät aus russischen Armeebeständen zu den Separatisten und die Ukrainischen Luftstreitkräften erlitten empfindliche Verluste. Trotz aller Schwierigkeiten schien die ATO im Juli/August ihre Ziele allmählich zu erreichen (siehe Video unten).

Per Flugzeug und Helikopter herangeführte Luftlandetruppen behaupteten bereits seit Mitte April in der Region die Flugplätze Kramatorsk, Luhansk und Donezk. Deren Versorgung erfolgte grösstenteils auf dem Luftweg. Am 28. Juni wurden dafür sogar Suchoi Su-25 Frogfoot Bodenkampfflugzeuge eingesetzt (Alexander Mladenov, “Su-25 ‘Frogfoot’ Units In Combat“, Osprey Combat Aircraft, Band 109, Bloomsbury Publishing, 20.04.2015, S.89). Die meisten ihrer aus mittlerer Höhe abgeworfenen improvisierten Fallschirmcontainer drifteten jedoch mit dem Wind ins Rebellengebiet. Dieser Versuch war mehr ein Ausdruck von Verzweiflung als von Kreativität und ein Symptom für den damals zunehmend ungleichen Kampf um die dritte Dimension.

Separatisten hatten am 16. April die beim Flugfeld Kramatorsk gelegene Stadt Slowjansk unter ihre Kontrolle gebracht. Die Rückeroberung gelang den Ukrainern Anfang Juli geradezu mustergültig. 60 Teams ukrainischer Spezialeinheiten infiltrierten die Stadt und besetzten das Stadtzentrum. Die dadurch überraschten Separatisten traten den Rückzug nach Südosten an. Auf der 50 Kilometer langen Strecke wartete die ukrainischen 95. Luftlandebrigade auf sie. Der Rückzug der Separatisten wurde zur panischen Flucht unter Zurücklassung von viel Material (Sebastien Roblin, “Airborne Fighting Vehicles Rolled Through Hell in Eastern Ukraine“, War Is Boring, 22.07.2017). Doch die ukrainischen Kräfte waren vom Erfolg selbst so überrascht, dass sie – auch mangels Kräften – weder den Rückzug der Separatisten komplett unterbinden, noch rasch nachstossen konnten. Der Erfolg bei Slowjansk, und damit einhergehend die definitive Behauptung des Flugfelds bei Kramtorsk, beschränkte sich dadurch auf die taktische Ebene.

Die 95. Luftlandebrigade zeigte eine weitere eindrückliche Leistung im frühen August. Im wahrscheinlich längsten “Raid” der Militärgeschichte legte sie, durch mechanisierte Elemente verstärkt, insgesamt 450 Kilometer hinter feindlichen Linien zurück. Abgeschnittene ukrainische Truppenteile im östlichen Grenzraum konnten so entsetzt werden. Auf der Vorbeifahrt wurden auch die bedrängten Verteidiger des Flughafens bei Luhansk versorgt und das Rebellengebiet vorübergehend durchschnitten (The Ellis Group, “21st Century Maneuver“, Marine Corps Gazette 101, Nr. 2, 28.02.2017).

Der Einsatz ukrainischer Feuerkraft
Die ukrainischen Streitkräfte sollen aus Rücksicht auf die Zivilbevölkerung weitgehend auf den Einsatz schwere Waffen wie z.B. Artillerie verzichtet haben. Dies bedeutet jedoch nicht, dass komplett auf schwere Waffen verzichtet wurde: Gegen Ende April setzten die Ukrainischen Streitkräfte aus 2S9 Nona-S Selbstfahrlafetten 120mm Mörsergranaten gegen Stellungen der Separatisten ein, was einer der ersten Einsätze der Artillerie in diesem Konflikt darstellte. Auch in und um Slowjansk wurde im Juni durch die Ukrainischen Streitkräfte Artillerie eingesetzt (siehe auch: Joe Pappalardo, “The Right (and Wrong) Way to Use Artillery: Ukraine Edition“, Popular Mechanics, 18.09.2014). Ebenfalls im Juni setzten die Ukrainischen Luftstreitkräfte Suchoi Su-25 Bodenkampfflugzeuge ein, um Ziele in Luhansk, Slowjansk und Kramatorsk mit S-8 Raketen zu bekämpfen, was zu Kollateralschäden und zivilen Opfern führte (Mladenov, S.89).

Karber vertritt die Ansicht, dass ein weitgehender Verzicht auf überlegene Feuerkraft die Durchführung der Operation stark verzögerte, was wiederum Russland mehr Zeit gab, seine regulären Streitkräfte in Stellung zu bringen, auch wenn die russische Armee bereits seit März/April für ein direktes Eingreifen bereitstand (Phillip A. Karber, “‘Lessons Learned’ from the Russo-Ukrainian War“, The Potomac Foundation, 08.07.2015, S.36). Eine beklemmende Widersprüchlichkeit zwischen politisch-humanitären Motiven (Rücksicht auf die Zivilbevölkerung), militärischen Notwendigkeiten (Schutz der eigenen Truppen) sowie den gesamtstrategischen Zielen (möglichst rasche Isolierung der Separatisten von russischer Hilfe) lässt sich nicht bestreiten, zumal Kiew bald die Kontrolle darüber entglitt, mit welcher Intensität die Kämpfe ausgetragen wurden — mehr dazu im zweiten Teil.

• • •

Die ergiebigste Informationsquelle dieser Artikelserie
Dr. Phillip A. Karber ist ein ehemaliger US-Marine und früherer Strategieberater des US-Verteidigungsministers Caspar Weinberger. Mit US-General Donn A. Starry und dem U.S. Army Training and Doctrine Command erarbeitete er die “Lessons Learned from the 1973 Yom Kippur War”. Heute ist er u.a. Präsident der Potomac Foundation. Vom März 2014 bis Juni 2015 weilte er regelmässig in der Ukraine. Darüber erstattete er dem US-Kongress mehrfach Bericht. Er traf Minister und Generäle in Kiew und besuchte Truppen an der umkämpften Front. Seine Frontbesuche heben ihn von den anderen ausländischen Experten ab, auch wenn diese zu ähnlichen Schlüssen wie Karber gelangen. Bei Lebedyn (nicht an der “Donbass-Front”, sondern nordwestlich von Charkow, mindestens 15 km von der Grenze entfernt) wurde er durch russischen Raketenbeschuss verletzt. Seine persönlichen Beobachtungen hielt er 2015 in den “‘Lessons Learned’ from the Russo-Ukrainian War” für die Potomac Foundation fest. Auf Youtube finden sich dazu mehrere öffentliche Vorträge von ihm (beispielsweise beim Modern War Institute oder beim Institute of World Politics).

• • •

This entry was posted in Armed Forces, Fritz Kälin, International, Ukraine.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *