EUFOR-Mission für die Zentralafrikanische Republik verzögert sich

von Peter Dörrie. If you don’t understand German, then check out “Europe in No Hurry to Stop Ethnic Cleansing in Central Africa” about the same topic, also written by Peter Dörrie, published on “War is Boring“.

EU Soldaten während einer früheren EUFOR-Mission im Tschad und der Zentralafrikanischen Republik. Ministry of Defence and Armed Forces of the Czech Republic

EU Soldaten während einer früheren EUFOR-Mission im Tschad und der Zentralafrikanischen Republik. Ministry of Defence and Armed Forces of the Czech Republic

Die Krise in der Zentralafrikanischen Republik ist mittlerweile von den Titelblättern und Startseiten verschwunden, die internationale Aufmerksamkeit konzentriert sich auf die Situation in der Ukraine. Erledigt hat sich der Konflikt in der ehemaligen französischen Kolonie deshalb noch lange nicht: nach tausenden Toten und hundertausenden Vertriebenen ist das Land im Gegenteil jetzt besonders auf internationale Unterstützung angewiesen. Aber die EU zögert noch.

In der Hauptstadt Bangui ist es inzwischen etwas friedlicher geworden. Die Stadt war der Schauplatz großer Teile der schlimmsten Gewalt. Zuerst verübten hier Rebellen der hauptsächlich muslimischen Séléka-Rebellen Gräueltaten an möglichen Unterstützern des abgesetzten Präsidenten François Bozizé, dann rächten sich anti-Balaka genannte Selbstverteidigungsmilizen brutal an der muslimischen Zivilbevölkerung.

Frankreich schickte 2.000 Soldaten und behauptet dadurch und in Zusammenarbeit mit einem größeren Kontingent afrikanischer Truppen in Bangui inzwischen für Ruhe gesorgt zu haben. Doch Tatsache ist, dass praktisch alle Muslime Bangui inzwischen verlassen haben, die ethnische Säuberung war erfolgreich. Große Teile der muslimischen Population der Zentralafrikanischen Republik sind inzwischen in die Nachbarländer Kamerun und Tschad geflohen.

Eigentlich müssten die Peacekeeper jetzt ihre Aktivitäten über das aktuelle Operationsgebiet hinweg ausdehnen. Bewaffnete Gruppen wie die anti-Balaka, Überreste der Bozizé-treuen Streitkräfte und der Séléka-Rebellen müssten identifiziert, entwaffnet und demobilisiert werden. Nach dem kompletten Kollaps des ohnehin schon immer schwachen Staates ist die Zentralafrikanische Republik auf absehbare Zeit auf ausländische Kräfte angewiesen, die hier auf der Fläche Frankreichs die Sicherheit der Bevölkerung garantieren müssten. Idealerweise würde das die sichere Rückkehr aller Vertriebenen einschließen.

Afrikanische Peacekeeper in Bangui (Foto: U.S. Army Africa).

Afrikanische Peacekeeper in Bangui (Foto: U.S. Army Africa).

Die Truppen stehen bereit, was fehlt sind Flugzeuge, Ärzte, Fahrer
Frankreich aber kann und will diese Mammutaufgabe nicht alleine angehen und auch die in Frage kommenden afrikanischen Partner, wie Ruanda, Uganda Südafrika haben ihre Streitkräfte durch Interventionen und Friedenseinsätze in Darfur, Südsudan, Somalia und der DR Kongo schon gut ausgelastet. Deshalb will die Europäische Union einen EUFOR-Einsatz starten und 1’000 Soldaten in die Zentralafrikanische Republik entsenden, um Frankreich zu entlasten.

Aber die Vorbereitungen der Mission sind ins Stocken geraten. Das bestätigte auch ein Sprecher der Hohen Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Catherine Ashton, in einer Email gegenüber von Offiziere.ch: “Die Logistik steht noch nicht: die Operation braucht mehr Krankenschwestern, Ärzte, Fahrer etc., um gestartet zu werden.”

Der Kommandeur der geplanten Mission, der französische General Philippe Pontiès, machte gegenüber der Jeune Afrique ähnliche Angaben: “Der Start [der Mission] ist auf die Schaffung einer logistischen Struktur angewiesen. Etwa einhundert Soldaten fehlen noch für Aufgaben wie medizinische Unterstützung, Transport und Entsendung.” Der Rest der Truppe, gestellt von sieben europäischen Regierungen, wartet nach Angaben der Hohen Vertreterin Ashton nur auf das grüne Licht aus Brüssel.

Schuld ist Russland
Die Verzögerungen werden von manchen Kommentatoren mit der Situation in der Ukraine in Verbindung gebracht. Besonders osteuropäische Regierungen konzentrieren sich demnach zur Zeit eher auf die wahrgenommen Aggression Russlands vor der Haustür als auf ethnische Säuberungen in einem Land auf der anderen Seite der Welt.

Sicherheitspolitischen Zynikern dürfte ein entspannterer Umgang mit der Krise in Zentralafrika mittlerweile ohnehin genehm sein. Immerhin hat die offene Gewalt hier tatsächlich inzwischen abgenommen, denn ein Großteil der Muslime ist ja schon komplett vertrieben worden, Eile ist also nicht mehr zwingend angebracht. Die Erfahrung aus anderen Ländern der Region zeigt jedoch, dass eine so weitreichende Krise wie in der Zentralafrikanischen Republik nur durch massives Engagement von außen unter Kontrolle gebracht werden kann. Halbherzige und verzögerte Aktionen werden dazu führen, dass der Konflikt auch nach Jahrzehnten immer wieder zur Oberfläche durchbrechen wird.

Flüchtlinge in Bangui (Foto: UNHCR).

Flüchtlinge in Bangui (Foto: UNHCR).

 
Weitere Informationen

The European Union wants to deploy troops to Central African Republic by the end of April, the general picked to lead the proposed mission said on Wednesday, adding the crisis in Ukraine had delayed its launch. — “EU aims to deploy Central Africa mission by end-April“, Reuters, 19.03.2014.

 

This entry was posted in Central African Republic, International, Peter Dörrie.

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