Beschaffung Kampfflugzeug Saab Gripen E

Gripen vor MatterhornAm 18. Mai 2014 stimmt die Schweizer Stimmbevölkerung über den Fonds zur Beschaffung des Kampfflugzeugs Gripen E in Höhe von 3,126 Milliarden SFr ab. Wird das Gripen-Fondsgesetz angenommen, so können 22 Gripen E Kampfflugzeuge des schwedischen Herstellers Saab beschafft werden, welche zwischen 2018-2021 an die Schweizer Luftwaffe ausgeliefert werden. Die Armee erhält jedoch nicht zusätzlich 3,126 Milliarden Franken, sondern finanziert die Jets aus ihrem ordentlichen Budget. Trotzdem ist die Abstimmung entscheidend: sollte das Gripen-Fondsgesetz abgelehnt werden, so würde die notwendige rechtliche Grundlage fehlen, um jährlich 300 Millionen SFr des Armeebudgets über einen Fonds anzusparen. Bei einem Punkt jedoch streuen die Gripe-Gegner bewusst Falschinformationen: da die Armee auch bei einer Ablehnung ab 2016 über einen Ausgabeplafonds von 5 Milliarden SFr verfügen wird, führt die Ablehnung des Gripen-Fondsgesetz zu keinen Einsparungen bei den Bundesausgaben. Im Gegenteil würde dies dazu führen, dass die Armee ihre Finanzen nicht dort einsetzen kann, wo es am notwendigsten ist (vgl. dazu auch “Blogtreffen Teil 2: Der sicherheitspolitische Diskurs in der Schweiz“, offiziere.ch, 23.04.2014).

Fakt: Die Ablehnung des Gripen-Fondsgesetz spart kein Geld.

Im Rahmen der Typenwahl kritisierte offiziere.ch in einigen Artikeln den Gripen (meistens die Vorgängerversion C/D) im Vergleich zu seinen Mitbewerbern. Diese Kritikpunkte wurden in den letzten Jahren systematisch ausgeräumt. Leistungsmässig bietet der Gripen E mehr als der ursprünglich evaluierte Gripen C/D. Bezüglich des Risikos der Anschaffung eines noch in der Entwicklung stehenden Kampfflugzeuges, reduziert der mit Schweden abgeschlossene Staatsvertrag die Risiken für die Schweiz auf ein akzeptables Minimum. Die Phase der Typenwahl ist vorbei – entweder wird der Gripen E beschafft oder die Schweizer Luftwaffe wird kein dringend benötigtes neues Kampfflugzeug erhalten. Stimmbürger, welche das Gripen-Fondsgesetz am 18. Mai 2014 ablehnen, weil sie sich ein anderes Kampfflugzeug wünschen, schaden der Armee als Gesamtsystem und damit der Sicherheit der Schweiz.

Fakt: Die Typenwahl ist vorbei – nur die Annahme des Gripen-Fondsgesetz garantiert in den nächsten 15-20 Jahren einen angemessenen Schutz des Schweizer Luftraums und somit die Sicherheit der Schweiz.

 
Weshalb die Beschaffung eines neuen Kampfflugzeuges notwendig ist?
Die Schweizer Luftwaffe verfügt für den Luftpolizeidienst, den Schutz des Luftraumes und für die Luftverteidigung über 32 McDonnell Douglas F/A-18 C/D Hornet (ursprünglich wurde 34 beschafft, eine Maschine stürzte 1998 bei Crans-sur-Sierre im Kanton Wallis, eine zweite Maschine am 23. Oktober 2013 in der Nähe von Alpnachstad am Lopper im Kanton Obwalden ab) und über 54 Northrop F-5 Tiger. Die 32 F/A-18 C/D sind seit 1997 im Einsatz und wurden laufend modernisiert. Sie werden voraussichtlich bis 2030 im Einsatz stehen. Die 54 F-5 Tiger wurde mit der Rüstungsbotschaft 1975 und und dem Rüstungsprogramm 1981 beschafft, die Technologie stammt jedoch aus den Sechzigerjahren und genügt den heutigen Anforderungen für den Luftpolizeidienst und die Luftverteidigung nicht mehr. Der F-5 Tiger kann wegen seines veralteten Radars weder bei Nacht noch bei allen Wetterlagen eingesetzt werden, das Bordradar erfasst tiefer fliegende Objekte nicht, er hat bei der Bekämpfung von modernen Flugzeug und Lenkwaffen keine Überlebenschance und an der Flugzeugzelle treten vermehrt Strukturschäden auf.

Plakatkampagne der Befürworter des Gripen-FondsgesetzDie Beschaffung der 22 Gripen E ist notwendig, um mittel- bis langfristig wieder eine 24/365 Interventionsfähigkeit der Schweizer Luftwaffe aufzubauen (vgl.: “Aufgeschnappt: Intervention nur zu Bürozeiten“, offiziere.ch, 18.02.2014). Muss der Luftraum permanent geschützt werden (dauernder Wahrung der Lufthoheit mittels Luftpolizeidienst), wie es beispielsweise beim World Economic Forum in Davos oder bei einigen internationalen Konferenzen in der Schweiz der Fall ist, werden die Ansprüche an die Verfügbarkeit von Kampfflugzeugen noch weiter gesteigert. Bei einer Einsatzdauer von jeweils einer Stunde über dem zu schützenden Luftraum und unter Einbezug von Anflug- und Rückflugzeiten von gesamthaft rund einer halben Stunde werden permanent 12 bis 16 Kampfflugzeuge benötigt. Während vier Kampfjets im Einsatzraum operieren, haben die nächsten vier für die überlappende Ablösung bereit zu sein, und wenn diese ihren Auftrag erfüllen, haben sich bereits wieder vier neue für diesen Auftrag vorzusehen. Wegen Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten sinkt die Kapazität innert kurzer Zeit. Mit den derzeitigen 32 F/A-18C/D Kampfflugzeugen der Schweizer Luftwaffe wäre nach rund einem Monat permanenten Einsatzes keine Flugzeuge für den Schutz des Luftraumes (inkl. Luftpolizeidienst) mehr zur Verfügung. Mit den zusätzlichen 22 Gripen könnte die Durchhaltefähigkeit auf rund 4 Monaten ausgedehnt werden. Diese Durchhaltefähigkeit gilt für einen 24h-Betrieb bei normaler Lage und wird bei einer ausserordentlichen Lagen, welche mehr Flugstunden generiert, noch einmal drastisch reduziert: bei 32 Kampfflugzeugen rund 2,5 Wochen, bei 54 Kampfflugzeugen rund 5 Wochen (Quelle: Michael Grünenfelder, “Weiterentwicklung der Luftwaffe bis 2015 – eine Strategie“, Air Power Revue der Luftwaffe Nr. 1, Beilage zur ASMZ 10 (2003), 21-30; “Kleiner Luftraum – kurze Reaktionszeiten“, NZZ, 16.07.2007; “Fakten zum Luftpolizeidienst (LPD)“, Schweizer Armee).

Momentan verfügt die Schweizer Luftwaffe nicht mehr über die Kompetenz mit Kampfflugzeugen die Luftaufklärung sicherzustellen oder operatives Feuers (Luft-Boden) einzusetzen. Diese beiden Fähigkeiten wurden mit der Ausserdienststellung der Dassault Mirage IIIRS ab 2004 (Luftaufklärung) und der Hawker Hunter ab 1995 (Erdkampf) vorübergehend aufgegeben. Mit der Beschaffung der 22 Gripen E kann in diesen beiden Bereichen die Kernkompetenz wieder aufgebaut werden, was essentiell für eine glaubwürdige Luftwaffe ist.

Fakt: Ohne neues Kampfflugzeug keine Durchhaltefähigkeit und keine glaubwürdige Schweizer Luftwaffe.

 
Verteidigungsausgaben 1850-2012Weshalb die Wahl des Gripen E richtig ist
Ein wichtiger Faktor bei der Typenwahl waren finanzielle Faktoren als Folge enger finanzieller Rahmenbedingungen (siehe Diagramm rechts). Der Gripen C/D ist das kostengünstigste Kampfflugzeug in der Evaluierung, wobei Ankauf und Betrieb über die nächsten 30 Jahre berücksichtigt wurden. Der Gripen C/D ist jedoch auch das Schwächste der evaluierten Kampfflugzeuge. Diese Schwächen wurden beim Gripen E behoben, doch da der Gripen E bis Mitte Mai 2012 nicht getestet werden konnte und im Rahmen der Entwicklung auch stetig weiterverbessert wurde, waren die Leistungen des Gripen E lange unklar. Durch Testflüge zeigt sich mittlerweile, dass der Gripen E den Anforderungen der Schweizer Luftwaffe genügt. Ausserdem ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Gripen hervorragend. Im Vergleich zu den Mitbewerbern kostet der Gripen E in der Anschaffung und im Betrieb rund 1 Milliarde SFr weniger.

Im Vergleich zum Gripen C/D werden beim Gripen E 98 technische Verbesserungen integriert. Die wichtigsten sind:

  • Einbau eines leistungsstärkeren Triebwerks (General Electric F414G Mantelstromtriebwerk mit max. 98 kN Schub). Das neue Triebwerk soll nicht nur 25% mehr Schub produzieren, sondern auch über Supercruise-Fähigkeit verfügen. Das Triebwerk soll aber auch mehr Gewicht auf die Waage bringen.
  • Zusätzlicher interner Treibstoffbehälter (40% mehr Platz für Treibstoff, aber ebenfalls mehr Gewicht).
  • Neues Radarsystem mit einem Active Electronically Scanned Array (Raven AESA) von SELEX Galileo.
  • Infrarot-Zielsuch- und Verfolgungssensor.
  • Neue Avionik, inklusive Missionscomputer und Cockpit.
  • Neues System für die Elektronische Kriegsführung.
  • Zwei zusätzliche Waffenstationen.
  • Neues Fahrwerk.

Ein Artikel der Aviation Week Mitte März 2014 unterstreicht noch einmal die Vorzüge des Gripen E. Nicht nur wurde die Leistungsfähigkeit gegenüber dem Gripen C/D verbessert, sondern auch der Radarquerschnitt verringert. Gemäss dem Artikel braucht der Gripen E demnach auch die Konfrontation mit fortgeschrittene Kampfflugzeuge, wie beispielsweise mit dem Sukhoi T-50 nicht zu fürchten.

Bei der Bewaffnung (im Kaufpreis enthalten) sind zwei Arten von Luft-Luft-Lenkwaffen vorgesehen: die Infrarot Lenkwaffe AIM-2000 IRIS-T und die Radar-Lenkwaffe MBDA Meteor. Im Gegensatz zur Radar-Lenkwaffe AMRAAM AIM-120 soll die Meteor eine deutlich gesteigerte Einsatzreichweite aufweisen. Wenn sie 2014 bei der Deutschen Luftwaffe in Dienst gestellt wird, wird sie die erste Luft-Luft Rakete mit einem Staustrahltriebwerk sein. Zur Luftaufklärung sollen 4 RecceLite (Multi-spectral, visual und IR) und für die Laser-Zielbeleuchtung bei Luft-Boden-Einsätzen 8 Litening (beide Systeme stammen von der israelischen Rafael Advanced Defense Systems) zum Einsatz kommen. Als Lenkbomben sind 220 kg schwere Sprengbomben mit vor dem Abwurf wählbarer Laser- oder GPS-Lenkung vorgesehen.

Fakt: Der Gripen E repräsentiert ein modernes Kampfflugzeug zu einem unschlagbar günstigen Preis.

Zusätzlich zum Gripen E erhält die Schweiz ein interessantes Gesamtpaket, welches eine Partnerschaft mit Schweden in den Bereichen Ausbildung, Unterhalt, Ersatzteilmanagement und Kampfwertsteigerung beinhaltet. So wird die Schweizer Luftwaffe jährlich während drei Monaten (einschliesslich Juni, Juli und August zur Reduktion der Lärmbelastung in der Schweiz während der Sommerferienzeit) mit einem Verband von bis zu 8 Kampfflugzeugen auf einer Basis der Schwedischen Luftwaffe trainieren können. Ausserdem werden die Schweizer und die Schwedische Luftwaffe ihr Ersatzmaterial für den Gripen E in einem gemeinsamen Pool zusammenlegen. Darüber hinaus wollen die Schweiz und Schweden in einen engen und regelmässigen sicherheitspolitischen Dialog treten, intensiven Informationsaustausch über operationelle militärische und technische Fragen pflegen und weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen (beispielsweise im Bevölkerungsschutz) ausloten. Dabei ist es nicht ganz nebensächlich, dass Schweden als neutraler Staat nicht Teil der NATO ist.

Ebenfalls nicht zu vernachlässigen sind die Kompensationsgeschäfte Saab’s in der Schweiz. So wurde beispielsweise Ende März bekannt gegeben, dass im Falle einer Gripen-Beschaffung Saab und die Pilatus Flugzeugwerke AG miteinander kooperieren werden. Dabei werden rund 100 neue Arbeitsplätze geschaffen (“Absichtserklärung bestätigt Gripen-Pilatus-Deal“, Tagesanzeiger, 28.03.2014). Das gesamte Kompensationsvolumen wird auf rund 2,5 Milliarden SFr bzw. 10’000 Mannjahre geschätzt. Damit verbunden ist ein für die Schweiz interessanter Know-How-Aufbau und einer Wertschöpfung in technologisch hochstehenden Industriezweigen. Im Gegensatz dazu würde eine Ablehnung des Gripen-Fondsgesetz dem aussenpolitische Ansehen der Schweiz ein weiteres Mal schaden, da der Staatsvertrag zwischen der Schweiz und Schweden über die Gripenbeschaffung nicht umgesetzt werden könnte.

Ja zum Gripen-Fondsgesetz - Ja zu einem modernen Kampfflugzeug - Ja zu einer glaubwürdigen Luftwaffe - Ja zur Sicherheit der Schweiz

 
Alternativlos
Immer wieder wurden in den Kommentaren zu den Gripen-Artikeln auf offiziere.ch von Lesern auf vermeintliche Alternativen hingewiesen. Diese Vorschläge basieren meist auf fehlendem Wissen oder dem Ausblenden von geopolitischen Entwicklungen.

  • Anstatt Gripen F/A-18x/y kaufen: Am Anfang der Evaluierung offerierte Boeing den F/A-18E/F, zog sich jedoch später aus der Evaluierung zurück. Problem: der F/A-18E/F hat keine Ähnlichkeit zum FA/A-18C/D. Es können also keine Synergien genutzt werden. Ausserdem ist der F/A-18E/F dermassen wuchtig, dass Anpassungen in den Kavernen wahrscheinlich wären (siehe Patrick Truffer, “Tiger Teilersatz: F/A-18E/F“, offiziere.ch, 04.08.2007). Betreffend der Beschaffung von weiteren F/A-18C/D stellt sich das Problem, dass keine verkauft werden (siehe diesen Kommentar).
  • Russische Kampfflugzeuge: Wer heute noch diese Frage stellt, dem empfehle ich den Blick nach Osten. Ausserdem wird Russland nicht als zuverlässiger Partner betrachtet, was sich insbesondere bei der schlechten Ersatzteilversorgung und den hohen Instandhaltungskosten bemerkbar macht (siehe hier).
  • Drohnen: Drohnen haben einige Vorteile. Sie sind leise, können lange in der Luft bleiben und präzise Informationen liefern. Ein Nachteil ist: Sie fliegen nicht schnell genug. Das heisst, man kann sie nur zur Aufklärung oder, wenn sie gross genug sind, allenfalls für den Waffeneinsatz brauchen. Heute existierende Kampfdrohnen liegen kostenmässig im Bereich von Kampfflugzeugen. Für Luftpolizeidienst- und Luftkampfeinsätze sind Drohnen heute und auch in absehbarer Zukunft nicht oder nur bedingt geeignet.
  • Kampfhelikopter: Bewaffnete Helikopter sind zu langsam und können nicht genügend hoch eingesetzt werden, weil sie keine Druckkabine haben. Schliesslich sind sie auch nicht mit Luft-Luft-Radar ausgestattet.
  • Boden-Luft-Raketen: Sie können ein in den Luftraum eingedrungenes Flugzeug weder vor Ort identifizieren, noch warnen, abdrängen oder zur Landung zwingen. Boden-Luft-Raketen können nur bei einem Abschuss eingesetzt werden. Sie sind damit für den Luftpolizeidienst unbrauchbar. Ein unkooperatives Flugobjekts einfach abzuschiessen, wäre – ausser im Krieg – keine akzeptable Option.

JA zum Gripen-Fondsgesetz – JA zu einem modernen Kampfflugzeug – JA zu einer glaubwürdigen Luftwaffe – JA zur Sicherheit der Schweiz

 
Epilog: Eine Würdigung an überzeugte Pazifisten
Überzeugte Pazifisten haben meinen Respekt. Die abwertende Bezeichnung “Gutmensch”, welcher in den Diskussionen oftmals von überzeugten Armeebefürworten verwendet wird, verspottet das ethische Ideal des “guten Menschen” in hämischer Weise. Deshalb wurde dieser Begriff als Unwort des Jahres 2011 auch auf den zweiten Platz gesetzt. Trotz meines Respekts, ist es jedoch Tatsache, dass die heutige Weltordnung und das gesellschaftliche System nicht für ein friedliches Zusammenleben ausgerichtet sind. Wer sich erhofft hatte, dass nach dem Ende des Kalten Kriegs das “Ende der Geschichte” angebrochen sei, wurde in den letzten 20 Jahren auf’s bitterste enttäuscht (siehe Diagramme unten, welche eine unvollständige Auswahl gewalttätiger Konflikte aufzeigt – wer hätte dies vor 20 Jahren vorausgesagt?). Genauso wenig wie die letzten 20 Jahre voraussehbar waren, werden es die nächsten 20 Jahre sein. Im Bereich der Verteidigung (gemeint ist ein umfassender Begriff der Verteidigung und nicht bloss die klassische Landesverteidigung) dauert der Aufbau einer verloren gegangenen Kompetenz mindestens 10 Jahre – für Experimente gibt es keinen Spielraum. Die Krimkrise und die Unruhen in der Ostukraine zeigen ein weiteres Mal auf, dass ein Sicherheitsvakuum zwangsläufig ausgefüllt wird: ein Staat hat immer eine Armee – entweder seine eigene oder die eines anderen Staates. Die Überzeugung bei einer gehauenen Backe die andere hinzustrecken, stellt eine respektable Leistung für eine einzelne Person dar; die Überzeugung jedoch, dass alle anderen ebenfalls die andere Backe hinstrecken müssten, wäre nicht nur realitätfern, sondern gesellschaftlich unverantwortlich – und zwar generationsüberschreitend.

1990-2000

2000-2014

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4 Responses to Beschaffung Kampfflugzeug Saab Gripen E

  1. Gotthard Frick says:

    11.05. 2014 Anbei meine 9 Leserkommentare, die vom BLICK.CH zwischen dem 6. bis 9. veröffentlicht wurden. Sie geben ihnen vielleicht noch zusätzliche Argumente, obschon die meisten Leute wohl schon abgestimmt haben.

    Um das Bild des “Papierfliegers” zu bekämpfen habe ich auch einen Kurzartikel geschrieben, in dem ich den Artikel aus AVIATION WEEK & SPACE TECHNOLOGY und den Videofilm der FINANCIAL TIMES (siehe unten) zusammenfasste und an fast alle deutschsprachigen Tageszeitungen verschickte. Der wird aber kaum veröffentlicht werden. Also hier meine vom BLICK.CH publizierten Leserkommentare. Da sie auf 500 Zeichen beschränkt sind, enthalten sie nur die jeweils wichtigsten Argumenten.

    Mit freundlichen Grüssen Gotthard Frick

    • • •

    Blick.ch am 8.5.2014
    “GRIPEN E jagt “SCHOCKWELLEN DURCH DIE FLUGZEUG-INDUSTRIE UND REGIERUNGEN”,
    so wörtlich die heutige FINANCIAL TIMES on-line.
    Nachdem die AVIATION WEEK den GRIPEN zum Standard künftiger Kampfflugzeuge kürte, meinte heute die FINANCIAL TIMES on-line aus denselben Gründen (günstig in Anschaffung- und Betrieb, Spitzenavionik & Bewaffnung, doppelte Schallgeschwindigkeit, aber auch sehr langsamer Flug möglich), er sei ein sehr gefährlicher Konkurrent der bisher den Weltmarkt dominierende US Industrie.”
    (Bemerkung für OFFIZIERE.CH: Ich habe in meinem Artikel u.a. erwähnt, dass der Langsamflug auch in den Alpentälern wichtig sei.)

    Blick.ch 8.5.2014
    “Die Medien weltweit spotteten nach dem Fall des entführten Flugzeuges, die reiche, bisher “uneinnehmbare Alpenfestung” habe kein Geld für die Armee, und der zum Schliessen der Lücken vorgesehene GRIPEN könnte in der Abstimmung durchfallen. Die FINANCIAL TIMES meinte, der GRIPEN jage wegen seiner einmaligen Qualitäten “Schockwellen durch die Industrie”, und wies dann auch auf die Abstimmung hin.
    Falls das Volk NEIN sagt, wird in der Welt das Bild einer wehrhaften Schweiz endgültig zerstört”.
    (Nachträglicher für OFFIZIERE.CH: Der Begriff der bisher als – so wörtlich – als “uneinnehmbare Alpenfestung” wahrgenommenen Schweiz, erschien in fast allen Artikeln in den Medien, auch in Asien, einschliesslich Chinas und on-line Zeitungen. Dazu hier von mir übersetzte Auszüge mit Quellen, die ich in einem meiner Artikel meines BLOG’s auf vimentis.ch publizierte.

    “Sich über die Schweiz lustig zu machen ist derart leicht, dass es fast unsportlich ist. …Jede Zeitung dieser Welt hat einen hämischen Artikel über die Schweiz veröffentlicht…. Wisst ihr, F-18 und F-5 und Piloten wachsen nicht auf Bäumen“. (Quelle: Business Standard, Indien, 21.02.2014).

    “Der Ruf der Schweiz als einer uneinnehmbaren Festung erlebte diese Wochen einen Rückschlag.“ (Quelle: Press of Atlantic City, USA, 23.02.2014).

    „Alle und jeder aufstrebende grössenwahnsinnige europäische Diktator, der hofft, den Kontinent zu übernehmen, will sicherlich wissen, wann er mit seiner gesamten Luftwaffe ungestört in der Schweiz landen kann“. (Quelle: zerohedge.com, eine Plattform internationaler Finanzexperten, 24.02.2014. 2013 insgesamt eine Milliarde mal angeklickt))

    Blick.ch 9.5.2014 Antwort an Leser, der den Fall des äthiopischen Flugzeuges bagatellisierte.
    “Das entführten äthiopischen Flugzeuges hat in den Medien weltweit hämische Kommentare über die reiche Schweiz ausgelöst, die kein Geld für ihre Armee habe. Eine Indische Zeitung fing so an: SICH ÜBER DIE SCHWEIZ LUSTIG ZU MACHEN, IST SO LEICHT, DASS ES FAST UNSPORTLICH IST. Gleichzeitig haben alle auf den GRIPEN zum Schliessen der Lücken hingewiesen, der aber in der Abstimmung durchfallen könnte. Deren Resultat wird deshalb weltweites Aufsehen erregen: Positiv bei einen JA. sonst sehr negativ.”

    Blick.ch 9.5.2014. Kommentar zu Artikel über 4 Parteipräsidenten in Bern.
    “FRIEDEN FÜR UNSERE ZEIT. Das sagte die englischen und französische Premierminister nachdem sie 1938 mit Hitler das Abkommen von München unterzeichnet hatten. Es erlaubte Hitler , die Tschechoslowakei zu zerschlagen. Dann hat er noch, vor dem Krieg, Österreich einverleibt. All die Armeeabschaffer und GRIPEN-Gegner, die an den ewigen Frieden glauben, sind also in allerbester Gesellschaft. Nur 1 Jahr später begann der II.WK. Ich sage nur, es KANN wieder Krieg geben, nicht es wird.”

    Blick.ch 6.05.2014
    “Keiner der Millionen vergaster und sonstwie bis jetzt – wo diese Zeilen geschrieben werden – bestialisch umgebrachter Menschen, vergewaltigter Frauen hätte wenige Jahre vorher auf die Frage, ob ihnen so etwas passieren könne, geantwortet: “Selbstverständlich wird mir das in wenigen Jahren passieren.” Alle hätten auf den tiefen Frieden hingewiesen, der für immer andauern werde. Ich will eine starke Armee und Luftwaffe, die einen Krieg vom Land und diese Gräuel von unserem Volk fernhalten kann.”

    Blick.ch am 7.5.2014
    “Laut der amerikanischen Fachzeitschrift AVIATION WEEK wird der GRIPEN E wahrscheinlich weltweit zum Vorbild, weil er wegen der ungeheuren Kosten neuer Kampfflugzeuge sowohl für die Anschaffung wie auch den Betrieb bewusst kostengünstig geplant wurde. Obwohl eher klein, kann er eine hohe Waffenzuladung tragen, verfügt über eine Top-Elektronik, die allen Konkurrenten weit voraus ist.
    Die Frauen nicht mit der Annahme beleidigen, sie stimmten emotional, d.h. wegen BR UMs Spruch gegen den GRIPEN.”

    Blick.ch 7.05.2014: Antwort auf einen Kommentar eines Herrn Mathias Fothe.
    “Im Krieg geht es für Staaten um Leben und Tod. Da wird jeder Luftraum und Territorium für die eigene Armee benützt, das billig zu haben ist. Im 2. Weltkrieg haben ALLE Kriegsparteien (auch die USA!!) geprüft, ob sich die Besetzung der Schweiz lohnen würde. Aber wir waren zu stark, es lohnte sich nicht. Unsere Alpentransversalen, die Flugplätze, das Verkehrsnetz wird jede Macht kontrollieren wollen, wenn wir das nicht verhindern können. Und wenn die NATO “hilft”, sind wir Partei auf deren Seite.”

    Blick.ch 7.5.2014. Antwort an Herrn Stefan Sieber (Hatte mir auf meine vorherige Antwort an Herrn Fothe widersprochen mit der Bemerkung, die Schweizer Luftwaffe sei unnütz. Sie habe nie einen Einsatz gehabt.)
    “Kennen Sie die Geschichte Schweiz im 2. Weltkrieg nicht? Als die deutsche Luftwaffe während des Angriffes auf Frankreich bewusst über die Schweiz flog, griff die Schweizer Luftwaffe an und schoss 11 deutsche Flieger ab und verlor selber drei. Und später waren es die Alliierten Bomber, die von unseren Jagdflugzeugen abgefangen und zur Landung in Dübendorf gezwungen wurden. Dort standen dann mehr als 100 viermotorige US Bomber. Schaffhausen wurde von US Bombern irrtümlicherweise zerstört.”

    Blick.ch. 7.05.2014
    „Ein Leser meint zu meinem Beispiel aus dem II.WK: “Daß unsere Armee der Wehrmacht oder den Allierten hätte standhalten können, ist der gleiche Blödsinn wie ..”. Dieser Herr ist soviel besser informiert, als der damalige deutsche, französische, englische und US Generalstab, deren Beurteilungen unserer Armee ich wiedergab. Der deutsche Generalstabschef Halder schrieb dazu noch: “Eine Umgehung” der französischen Verteidigung “durch eine unverteidigte Schweiz wäre eine verlockende Möglichkeit.”

    (Diese Beispiele entnahm ich meinem Buch “Hitlers Krieg und die Selbstbehauptung der Schweiz, 1933-1945“, ISBN 9783033029484. In früheren Büchern wurden jeweils die verschiedenen deutschen Angriffspläne besprochen, das heisst, die Frage gestellt, wann und wie deutsche Katze die Schweizer Maus fressen wollte. Sie zeigten, welche beeindruckende Streitmacht jeweils vorgesehen war – und gaben damit ein völlig falsches Bild. In meinem Buch habe ich die Vorkriegszeit, den wirtschaftlichen Überlebenskampf und, am wichtigsten, den ganzen Kriegsverlauf in Europa mit einbezogen. Da sieht man dann, dass Deutschland die für die Angriffe notwendigen Truppen jeweils gar nicht verfügbar hatte. So waren z.B. 1940 fast alle die in der bekannten Angriffsplanung “TANNENBAUM” vorgesehene Truppen, darunter auch die Panzerdivision, viele andere Divisionen, die Eliteregimenter “Grossdeutschland” und SS “Adolf Hitler” für den Angriff auf England vorgesehen und waren teilweise schon in den Raum Calais verschoben worden, standen als für einen Angriff gar nicht zur Verfügung.

    • • •

    Ich bin etwas lang geworden. Leider kann man als Privatmann praktisch nichts publizieren, ausser auf meinem Blog, wo ich viele Artikel zur Unterstützung der Landesverteidigung publizierte. Es werden auch Leserbriefe kaum veröffentlicht. Die Pro-Kampagne fand ich sehr schlecht. Man hätte viel mehr Argumente bringen sollen (Wie sie z.B. der ehemalige Chef der Luftwaffe, KKdt a.D. Gygax an der gestrigen GV von GIARDINO sehr überzeugend vorlegte).

    Mit freundlichen Grüssen Gotthard Frick, Bottmingen.

  2. Am 5. Dezember 2013 bestätigte das Parlament einen Armeeplafond von 5 Milliarden Franken pro Jahr ab 2016. In diesem Armeeplafonds war auch die Beschaffung von 22 Gripen-E-Kampfflugzeugen, für total 3.126 Milliarden Franken vorgesehen. Da es nicht möglich ist, die geplanten Mittel kurzfristig vollumfänglich anderweitig einzusetzen, soll der Armeeplafond in den Jahren 2014-2016 um 800 Millionen SFr. gekürzt werden. Über die Höhe des Ausgabenplafonds in den Finanzjahren 2016 – 2018 soll dann im Rahmen der Beschlussfassung über die Weiterentwicklung der Armee entschieden werden (Quelle: Renato Kalbermatten, “Finanzen der Armee: Vorgehen nach der Abstimmung zum Gripen-Fonds-Gesetz vom 18. Mai 2014“, Bundesrat, 28.05.2014).

  3. Der Tagesanzeiger veröffentlichte heute ein sehr interessantes Interview mit Oliver Thränert, Leiter des Thinktanks am Center for Security Studies CSS der ETH Zürich. Hier einige Auszüge:

    Grenzen spielen nach wie vor eine Rolle, wie das die Grenzverschiebung Russlands auf der Halbinsel Krim zeigt. Für die Schweiz aber stellt die Verschiebung von Grenzen heute in der Tat kein Problem dar. Sie ist ja in der komfortablen Lage, von lauter Freunden umzingelt zu sein. […] Im Luftraum sieht das anders aus. Der kann durchaus verletzt werden von staatlichen oder nicht staatlichen Akteuren, die von weit her kommen – mit Flugzeugen oder auch mit Raketen oder unbemannten Drohnen. […] Denken Sie nur an die internationale Bedeutung der beiden Schauplätze Genf mit dem UNO-Sitz und Davos mit dem World Economic Forum (WEF). Das könnten durchaus Ziele nicht staatlicher Akteure sein. Wie wahrscheinlich eine terroristische Attacke ist, kann allerdings kein Mensch vorhersagen. […] Die Schweiz muss sich luftpolizeilich schützen können. […] Über Zyklen und über die Wahl der neuen Systeme kann man diskutieren. Eine Armee muss aber grundsätzlich alte durch neue Systeme ersetzen und ihre Luftwaffe à jour halten. — Oliver Thränert in Stefan von Bergen, “Drohnen könnten für die Schweiz wichtiger werden“, Tagesanzeiger, 01.06.2014.

  4. Pingback: Weiterentwicklung der Armee (WEA): Update 01 | Offiziere.ch

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