Große Staaten und der Kampf um kleine Inseln – Teil 1

Von Danny Chahbouni. Danny Chahbouni studiert Geschichte und Politikwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg.

Der Inselstreit zwischen China und Japan muss für viele Menschen grotesk wirken: Große Staaten streiten sich um kleine, vermeintlich bedeutungslose Inseln im Meer und riskieren dadurch eine offene, militärische Konfrontation. Mit dem vorliegenden Artikel sollen die Hintergründe dieses Konflikts beleuchtet werden. Dazu wird in Teil 1 ein ähnlicher “Inselstreit” aus der jüngsten Geschichte als Beispiel herangezogen – der Falkland-Krieg. Der Konflikt um die Eilande im Südatlantik zog 1982 Argentinien und Großbritannien in den Krieg gegeneinander. In Teil 2 wird anhand der historischen Ereignisse ein Blick auf die Hintergründe der Krise im ostchinesischen Meer geworfen.

Senkaku / Diaoyu Inseln. Quelle: Wikipedia

Senkaku / Diaoyu Inseln. Quelle: Wikipedia

Momentan ist es ruhig geworden in der deutschen Presselandschaft mit Berichten über die Krise zwischen Japan und China, um die unbewohnte Inselgruppe, die von den Japanern als Senkaku und von den Chinesen als Diaoyu bezeichnet wird. Das Orkantief Xaver, der Tod Nelson Mandelas und nicht zuletzt die Konstituierung der neuen Bundesregierung haben den historisch gewachsenen Konflikt zwischen beiden Staaten vorerst in den Hintergrund treten lassen. Vorüber ist die Krise allerdings keineswegs: Die unilaterale Erklärung des Luftraums über der Inselgruppe zur chinesischen Luftverteidigungszone (ADIZ) markiert nur einen neuen Höhepunkt in dem Konflikt, der seit der Ramm-Attacke eines chinesischen Fischerboots gegen die japanische Küstenwache im Jahr 2010, immer weitere Eskalationsstufen überschritten hat.

Bereits kurz nach diesem Vorfall bekräftigte die damalige US-Außenministerin Hillary Clinton, dass die USA ihren Bündnisverpflichtungen Japan gegenüber nachkommen würden. Die Situation entspannte dieser Schritt freilich nicht. Im Gegenteil: Die Zwischenfälle um die Inseln nahmen an Intensität noch zu, wobei keineswegs nur China und Japan im Wettstreit miteinander stehen: Auch Taiwan beansprucht die Eilande für sich. Zwischen den Küstenwachen Japans und Taiwans kam es deshalb Ende September 2012 zu einem “Wassergefecht“, bei dem beide Seiten versuchten ihre Patrouillen-Boote mit Wasserkanonen abzudrängen.

Der Auslöser für diese Konfrontation war die Ankündigung der japanischen Regierung, die bisher in Privatbesitz befindlichen Inseln, kaufen zu wollen. Die VR China sah in diesem Schritt eine Verletzung ihrer Souveränität, die es mit verstärkter Präsenz im Seegebiet um die Inseln beantwortete. Ungleich heftiger war die Reaktion der chinesischen Bevölkerung, die in gewaltsamen Ausschreitungen gegen japanische Fabriken und Unternehmen endete. Die USA antworteten auf diese Zuspitzung der Krise mit der Verlegung des Flugzeugträgers USS George Washington (CVN-73).

Die Schlafwandler
Die jüngste Eskalation, die durch die chinesische Ausrufung der ADIZ erreicht wurde, besitzt jedoch eine andere Qualität, als die vorhergegangenen Zwischenfälle. Die Reaktionen, vor allem der USA, waren entsprechend schärfer. Der US-Außenminister John Kerry verurteilte das chinesische Vorgehen in einer offiziellen Erklärung ungewohnt scharf:

The United States is deeply concerned about China’s announcement that they’ve established an “East China Sea Air Defense Identification Zone.” This unilateral action constitutes an attempt to change the status quo in the East China Sea. Escalatory action will only increase tensions in the region and create risks of an incident.

Die militärische Interpretation dieser diplomatischen Note folgte umgehend mit dem Überflug zweier, von der Andersen Air Force Base auf Guam gestarteter, B52-Bomber, die die Luftverteidigungszone der Chinesen einfach ignorierten. Nachdem ernsthafte Reaktionen zunächst ausblieben, wagten Japan und Südkorea ähnliche Manöver. China begann indessen damit, seine selbst gesteckte Luftverteidigungszone mit Kampfflugzeugen zu kontrollieren und drohte notfalls auch, unangemeldet eindringende Flugzeuge, abzufangen. An diesen scharfen Tönen änderte auch der Besuch von US-Vize Präsident Joe Biden in Peking nichts. Die Situation bleibt gespannt und die zunehmende Militärpräsenz in der Region, birgt die Gefahr einer ungewollten Eskalation, die aus Unfällen, Missverständnissen und Fehleinschätzungen, erwachsen könnte.

Die ehemalige Staatssekretärin des Auswärtigen Amtes, Emily Haber, verglich die Situation im ostchinesischen Meer kürzlich vor dem Deutsch-Japanischen Forum in Tokio, mit der krisenhaften Situation Europas vor dem Ersten Weltkrieg. In Anlehnung an Christopher Clarks Meisterwerk “Die Schlafwandler“, veröffentliche Die Zeit einen Artikel mit der Überschrift: “Wer weckt die Schlafwandler China und Japan auf?”.

Die Gemeinsamkeiten der Krise im Ostchinesischen Meer, mit den Entwicklungen und Mechanismen, die 1914 zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges geführt haben, sind nicht zu leugnen. Die Gefahr einer großen Krise, die sich an den unbewohnten Felsen entzünden könnte, wirkt real. Realistisch erscheint aber auch ein begrenzter Krieg um die vermeintlich vernachlässigbaren Eilande: Ein historisches Beispiel birgt die jüngste Geschichte.

Argentinische Marineinfanterie während der Invasion auf den Falklands am 02. April 1982. Quelle: Wikipedia.

Argentinische Marineinfanterie während der Invasion auf den Falklands am 02. April 1982. Quelle: Wikipedia.

Falklands oder Malvinas?
Für die deutsche Erinnerungskultur spielt der Krieg, der vor 31 Jahren im Südatlantik tobte, so gut wie keine Rolle. Den meisten jüngeren Deutschen wird der Inselstreit zwischen Argentinien und Großbritannien vielleicht eher durch den Song “Back in control“, der schwedischen Metal-Band Sabaton, bekannt sein (vorausgesetzt sie mögen Heavy Metal). Dabei schwelte der Konflikt um die Falkland-Inseln (oder spanisch Malvinas), den die argentinische Militär-Junta im Frühjahr 1982 durch einen Handstreich unilateral zu lösen gedachte, seit Jahrhunderten. Nicht nur diese historische Kontinuität weck die Erinnerungen an die aktuelle Situation im Ostchinesischen Meer: Die militärische Eroberung der Falkland-Inseln sollte vor allem von innenpolitischen Problemen ablenken und die Macht, des erst im Vorjahr ernannten Präsidenten, Leopoldo Galtieri, konsolidieren. Diese Form der innenpolitischen Profilierung könnte ebenso das eigentliche Motiv für die plötzliche Ausrufung der ADIZ sein. Auch der chinesische Staatschef Xi Jinping ist erst kurz im Amt und muss seine Position festigen.

Für die aktuelle Krise spielen außerdem die Rohstoffvorkommen und der Fischfang im Seegebiet um die Inseln eine große Rolle. Im Falle des Falkland-Krieges mag man dies nicht sofort vermuten, aber die Ressourcenfrage spielte auch hier im Vorfeld der Invasion, die in den frühen Morgenstunden des 02. April 1982 begann, eine Rolle. Bereits seit März 1982 kam es zu verstärkten Spannungen, die durch argentinische Schrotthändler, welche die ehemalige Walfangstation Leith Harbour auf Südgeorgien besetzten und die argentinische Flagge hissten, weiter verstärkt wurden. Aufgrund dieser Vorfälle wurde das Antarktis-Patrouillen Schiff HMS Endurance mit einer kleinen Einheit Royal Marines in die Region entsandt. Nach allerlei diplomatischem Geplänkel erhielt der britische Gouverneur der Falkland-Inseln, Sir Rex Hunt, die Warnung aus London, dass eine argentinische Invasion in den nächsten Stunden zu erwarten sei. Letzte Versuche einer diplomatischen Lösung, die auch einen Vermittlungsversuch durch US-Präsident Reagan einschlossen, endeten ergebnislos – die Ereignisse waren nicht mehr aufzuhalten. Das einzige, was derweil dem Gouverneur der Inseln übrig blieb, war die Bevölkerung anzuweisen, ruhig zu bleiben und nicht in die Nähe der Strände zu gehen. Die 69 Royal Marines, die zum Schutz der Inseln abkommandiert waren, verließen ihre Kaserne und nahmen Verteidigungsstellungen ein, u.a. um den Gouverneurssitz in der Hauptstadt Stanley zu verteidigen. Außerdem wurden die Start- und Landebahnen des Flughafens mit Fahrzeugen blockiert, um die Landung argentinischer Flugzeuge zu verhindern.

Die ersten argentinischen Soldaten landeten noch vor Mitternacht: Es handelte sich um Spezialkräfte, die eigentlich die mittlerweile verlassene Kaserne der Royal Marines einnehmen sollten. Erst in den frühen Morgenstunden des 02. April begann die Landungsoperation der argentinischen Marineinfanterie in der Yorke Bay, unweit von Stanley. In Sichtweite des Flughafens kam es zu ersten Kämpfen mit Teilen der Royal Marines. Diese leisteten Widerstand, konnten den Vormarsch der Argentinier allerdings nur verlangsamen. Um 9.25 Ortszeit befahl Gouverneur Hunt, nachdem er mit den Argentiniern in Verhandlungen getreten war, die Waffen niederzulegen. Um 10. Uhr wurde die britische Flagge eingeholt und durch die argentinische ersetzt. Einen Tag später, am 03. April 1982, musste sich auch die kleine britische Garnison auf Südgeorgien ergeben.

Das Imperium schlägt zurück! Newsweek vom 19. April 1982. Quelle: Newsweek / Wikipedia

Das Imperium schlägt zurück! Newsweek vom 19. April 1982. Quelle: Newsweek / Wikipedia

The Empire Strikes Back
Die Bilder jubelnder Menschenmassen vor dem argentinischen Präsidentenpalast waren ein tiefer Schock und eine nationale Demütigung für die Regierung in London. Während in der britischen Bevölkerung die Meinung überwog, dass man sich nicht von einer Militärdiktatur einfach so ein Territorium streitig machen lassen dürfe, versuchte die argentinische Regierung Großbritannien als Kolonialmacht darzustellen, gegen die man sich nur zur Wehr gesetzt habe. Für die Regierung unter Margaret Thatcher bedeutete der Verlust der Inseln auch einen politischen Überlebenskampf. Diplomatisch konnte man diesen recht schnell für sich entscheiden, indem der UN-Sicherheitsrat die Resolution 502 verabschiedete und auch die USA – zwar mit großen Bauchschmerzen, da hier zwei verbündete Staaten miteinander im Krieg standen – ihre Unterstützung zusagten.

Rein militärisch betrachtet war eine erfolgreiche Mission zur Rückeroberung der Inseln aber eine heikle Angelegenheit: Die Royal Navy verfügte aufgrund von Sparzwängen nur noch über ein begrenztes Potenzial an Landungsschiffen und großen Truppentransportern. Auch Munitionsvorräte und Truppenteile waren nur begrenzt verfügbar, da sie größtenteils in die NATO-Planungen zur Verteidigung Westeuropas eingebunden waren. Auch nachrichtendienstlich war man nicht auf einen Konflikt mit Argentinien vorbereitet: Die wichtigsten Informationen über die argentinischen Streitkräfte mussten zunächst aus offenen Quellen bezogen werden. Im weiteren Verlauf der Kampagne dürften die wichtigsten Erkenntnisse aus amerikanischer Hand gekommen sein, was aber bis heute nicht offen zugegeben wird. Veröffentlichungen des National Security Archive machen deutlich, dass die Amerikaner aus Furcht vor einem langwierigen Krieg, der unter Umständen die Sowjetunion auf die Seite Argentiniens hätte ziehen können, die Briten mit nachrichtendienstlichen Informationen versorgten.

Der April 1982 war geprägt durch hastige Mobilisierungen, in deren Folge auch bekannte Passagierschiffe wie die Queen Mary 2 für militärische Zwecke beschlagnahmt wurden. Bereits unmittelbar nach der argentinischen Invasion liefen drei Atom-U-Boote (HMS Conquerer, HMS Spartan und HMS Splendid) in den Südatlantik aus, gefolgt von den Flugzeugträgern HMS Hermes und HMS Invincible, die beide am 05. April in See stachen. Ihnen folgte am 09. April das beschlagnahmte Passagierschiff Canberra, welches die 3rd Commando-Brigade transportierte, die ursprünglich für die Verteidigung Nord-Norwegens vorgesehen war. Weitere Verstärkungen stachen in See, sobald sie einsatzbereit waren.

Operation CORPORATE
Die Rückeroberung der besetzten Inseln begann mit dem Angriff auf das besetzte Südgeorgien (Operation PARAQUET). Die Argentinier hielten die Insel nur mit zwei kleinen Garnisonen. Nachdem eine Kommandooperation durch den SAS und SBS aufgrund schlechten Wetters abgebrochen werden musste und ein argentinisches U-Boot für weitere Verzögerungen sorgte, konnte die Insel schließlich am 25. und 26. April zurückerobert werden. Dabei wurde das argentinische U-Boot ARA Santa Fe so schwer beschädigt, dass es aufgegeben werden musste. Die Argentinier, einschließlich der U-Boot Besatzung, ergaben sich kampflos.

Die Initiative blieb in den nächsten Wochen auf britischer Seite: Am 1. Mai startete die Royal Air Force eine Luftoperation (Operation BLACK BUCK) von der Atlantik-Insel Ascension aus. Dabei sollte ein Vulcan-Bomber mit schweren Bomben den Flughafen von Stanley unbrauchbar machen und gleichzeitig die argentinische Luftwaffe, die mit 200 modernen Kampfflugzeugen vom Typ “Mirage“, “Etendard” und “Skyhawk” ausgerüstet war, dazu nötigen, ihre Geschwader ins Landesinnere zu verlegen.

Die Operation machte die Schwächen der RAF für derartige Langstreckenmissionen deutlich und hatte nur mäßigen Erfolg. Der Flugplatz wurde schließlich doch zerstört, allerdings durch Sea Harrier, die von der HMS Hermes gestartet waren. Im folgenden Luftkampf zwischen den Harrier und den argentinischen Mirage-Jägern, konnten sich die Harrier behaupten. Resultierend aus den Luftangriffen auf den Flugplatz, hatten die Argentinier nun Probleme die Truppen auf den Falklands mit Nachschub und Winterkleidung zu versorgen. Dies sollte sich in den folgenden Kampfhandlungen negativ auf die Moral und die Gesundheit, der meist jungen Wehrdienstleistenden, auswirken.

Einen Tag nach diesen ersten Luftkämpfen kam es zu einer der kontroversesten Situationen des ganzen Krieges: Am 02. Mai versenkte das Atom-U-Boot HMS Conquerer den argentinischen Kreuzer ARA General Belgrano, direkt auf Befehl des War Cabinet in Chequers. 321 argentinische Matrosen kamen bei dem Angriff ums Leben. Die Belgrano befand sich während des Angriffs nicht direkt in dem Seegebiet, welches zur Kampfzone erklärt worden war. Von Seiten der britischen Regierung wurde argumentiert, dass der Kreuzer eine Gefahr für die Schiffe Task Force darstellte. Die Gegner Margaret Thatchers behaupten hingegen, dass durch den Angriff vorsätzlich eine Friedensinitiative durch die peruanische Regierung gestört werden sollte.

Noch bevor die Offensive der britischen Hauptstreitkräfte zur Rückeroberung der Falklands begann, hatte auch die Task Force schmerzliche Verluste zu verzeichnen: Am 04. Mai wurde die HMS Sheffield, ein Zerstörer, durch argentinische Exocet-Raketen versenkt. Da die Task Force nur über 20 Harrier verfügte, die seit dem Beginn der Kämpfe am 02. Mai ebenfalls Verluste erlitten hatten, sollte es prioritäres Ziel sein, die Einsatzfähigkeit der argentinischen Luftwaffe weiter zu schwächen. Diese hatte ihrerseits erkannt, dass die Briten einem entschlossenem Angriff von Kampfflugzeugen mit Exocet-Anti-Schiffsraketen nichts entgegenzusetzen hatten. Das Gros der Luftstreitkräfte wurde deshalb in Bereitschaft gehalten, um gegen die erwartete Landunsoperation vorzugehen.

Um im Vorfeld die Gefahr von Luftangriffen auf die Landungsschiffe zu verringern, führte der SAS in der Nacht vom 14. auf den 15. Mai eine spektakuläre Kommandoaktion durch, die dem argentinischen Luftwaffenstützpunkt auf Pebble Island galt. Der Stützpunkt, elf Flugzeuge, sowie Hubschrauber wurden durch Spezialkräfte und Schiffsartillerie zerstört. In den folgenden Tagen wurde die Bewegungsfreiheit der argentinischen Truppen durch Luftangriffe der Harrier weiter eingeschränkt. Die eigentliche Landungsoperation, ebenfalls durch eine Kommandooperation eingeleitet, sollte einen argentinischen Beobachtungspunkt in der Bucht von San-Carlos ausschalten . Diese Operation fand in der Nacht vom 20. auf den 21. Mai statt und wurde gefolgt durch die Landung der 3rd Commando-Brigade. Bis zum Morgen gelang es zwar eine beträchtliche Anzahl an Truppen und Material an Land zu bringen, die einsetzenden Luftangriffe der Argentinier fügten den Briten jedoch schwere Verluste zu. In den folgenden Wochen, bis zur argentinischen Kapitulation, fielen noch diverse Kriegsschiffe und Frachter den Exocets zum Opfer. Besonder schwerwiegend für die britischen Bodentruppen war der Verlust des Frachters Atlantic Conveyor, durch den eine große Zahl Hubschrauber vernichtet wurde. Trotz dieser schmerzlichen Materialverluste gelang es den britischen Truppen weiter gegen die Argentinier vorzugehen. So konnten die Fallschirmjägern der 2nd Paras, in der erbitterten Schlacht um den Flugplatz bei Goose Green, die argentinischen Truppen nach 40 Stunden schlagen.

Währenddessen landeten weitere Truppenteile der Welsh und Scots Guards an. Dabei griff die argentinische Luftwaffe am 08. Juni ein Landungsschiff mit Soldaten der Welsh Guards an, noch bevor die Truppen ausgeschifft worden waren. Die Bilanz war verheerend: Insgesamt verloren 46 Soldaten ihr Leben und 150 weitere wurden verletzt. Nach weiteren harten Kämpfen, in deren Folge die britischen Truppen fast die gesamte vorhandene Munition verschossen hatten, endete der Krieg am 14. Juni mit der argentinischen Kapitulation. Die Lage für die argentinischen Truppen war ausweglos geworden und britische Truppen waren bereits in die Vororte von Stanley vorgedrungen. (Sir Lawrence Freedman, “The Official History of the Falklands Campaign, Vol. 1 & 2” (Routledge Chapman & Hall, 2005), außerdem sehr gute Zusammenfassung: Wolfgang Etschmann,“Vor 25 Jahren: Der Krieg um die Falkland-Inseln – ein untypischer Krieg“, in: Truppendienst 296, 2/2007).

Die brennende HMS Sheffield. Quelle: Imperial War Museum.

Die brennende HMS Sheffield. Quelle: Imperial War Museum.

Kriegsfolgen und Lessons Learned
Die argentinische Junta hatte hoch gepokert und alles verloren: Man hatte die britische Regierung als politisch unentschlossen und durch wirtschaftliche Probleme, militärisch geschwächt, eingeschätzt. Auch dies mag vielleicht eine Parallele zum gegenwärtigen Konflikt zwischen China und Japan sein. Der wichtigste Verbündete Japans, die USA, machen politisch und ökonomisch seit einigen Jahren nicht die beste Figur. Die Ursprüngliche Intention der Junta, sich innenpolitisch zu profilieren, war nur ein kurzweiliges Strohfeuer. Nach der Niederlage gegen die Briten musste die Militärregierung abdanken und Argentinien wurde wieder ein demokratischer Staat. Die Verluste im Kampf um die Inseln waren freilich gewaltig. Argentinien hatte 755 Gefallene, über 1000 Verletzte und große Materialverluste zu verzeichnen. Das Militär war in der Folge gesellschaftlich stark diskreditiert. Auf britischer Seite kamen 253 Soldaten ums Leben und knapp 800 wurden schwer verwundet. Auch die Verluste an Schiffen und sonstigem Material waren beachtlich.

Nachrichtendienstlich betrachtet war der Konflikt für Ost und West höchst interessant, verriet er doch einiges über Stärken und Schwächen des verwendeten, aus westlicher Produktion stammenden, Kriegsmaterials. In Anbetracht der Tatsache, dass in einem Konflikt zwischen NATO und Warschauer Pakt ein Großteil des Nachschubs in Geleitzügen über den Atlantik herangeführt worden wäre, reagierten vor allem die Seestreitkräfte auf die neuartige Bedrohung durch Flugkörper. So wurden u. a. Nahbereichsverteidigungssysteme für die Kriegsschiffe eingeführt und der Brandschutz verbessert.

Die Briten unterhalten bis heute eine große Garnison auf den Falkland-Inseln und erst im März diesen Jahres, stimmten die Einwohner in einem Referendum für den Erhalt des Status quo ab. Argentinien hält bis heute an seinem Anspruch auf die Gebiete fest: Der Insel-Streit geht weiter.

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1 Response to Große Staaten und der Kampf um kleine Inseln – Teil 1

  1. Felix says:

    Gute Übersicht über den Falklands-Krieg. Wenn noch nicht bekannt, empfehle ich zur Lektüre das Buch des Task Force Commanders Adm. Sandy Woodward über den Einsatz (Titel: 100 Days).

    Was mir in dem Artikel fehlt, ist der Bezug zur heutigen Lage bzw. zu China vs. Japan. Vllt. einen Folgeartikel wert?

    Ein paar Anregungen dazu vllt. hier: http://www.offiziere.ch/?p=12290

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