Gold und Gewalt in Darfur

George Clooney, Angelina Jolie und Bono: alle haben sie sich für das Ende des Darfur-Konflikts eingesetzt. In letzter Zeit ist es allerdings ruhig geworden um die Region im Westen des Sudans. Zu unrecht: in diesem Jahr sind hier schon mehr Menschen zu Flüchtlingen geworden, als zu den Zeiten, als Stars und Sternchen den Konflikt vor amerikanischen Untersuchungsausschüssen kommentieren durften.

Ruandischer Offizier der UNAMID Mission in Darfur (Foto: Gonzáles Farran / UN).

Ruandischer Offizier der UNAMID Mission in Darfur (Foto: Gonzáles Farran / UN).

300’000 Menschen mussten in Darfur zwischen Januar und Mai ihr Zuhause wegen der anhaltenden Gewalt verlassen, inzwischen dürften es erheblich mehr sein. Insgesamt hat der Konflikt seit 2003 etwa 2,5 Millionen Menschen heimatlos gemacht, die aktuelle Welle der Gewalt kann also durchaus als ein weiterer Höhepunkt des Bürgerkriegs gewertet werden. Das haben auch die in der Region präsenten Blauhelme zu spüren bekommen: Seit Anfang des Jahres wurden mindestens 11 Soldaten der UNAMID-Truppe getötet, vier davon in zwei voneinander unabhängigen Zwischenfällen erst vor wenigen Tagen. Darfur ist damit einer der gefährlichsten Einsatzorte für Blauhelme weltweit, die hier vor allem von afrikanischen Ländern gestellt werden.

Teilweise passt die Gewalt in das gewohnte Schema des Konflikts: Regierungstruppen und alliierte arabische Stämme kämpfen gegen Rebellen-Milizen, die sich als “afrikanisch” identifizieren um territoriale Kontrolle, Zugang zu Acker- und Weideflächen und politischen Einfluss. Die Gründe für diesen Konflikt liegen in der systematischen Marginalisierung der “afrikanischen” Bevölkerung Darfurs durch die “arabisierte” politische Elite des Niltals um die Hauptstadt Khartoum und findet seine Entsprechung in den zahlreichen anderen Bürgerkriegen des Landes, etwa in Süd-Kordofan und Blue Nile.

Die Eskalation der letzten Monate in Darfur hat aber noch andere Gründe. Zunehmend wenden sich hier auch arabische Milizen gegeneinander, die zuvor zusammen auf der Seite der Regierung gekämpft haben. Diese Gruppen sind nach Jahren der Aufrüstung durch die Armee im Besitz von reichlich Waffen und Munition – aktuelle Berichte von Kampfhandlungen sprechen von großkalibrigen Maschinengewehren und Mörsern, die auf Pick-Up Trucks montiert wurden.

Das Gold führt zum Streit
Zum Zankapfel wurden in den letzten Monaten vor allem die Goldvorkommen Darfurs und hier schließt sich der Kreis zu den anderen Konflikten des Landes: Durch die Abspaltung des Südsudans im Jahr 2011 hat die Regierung in Khartoum die Kontrolle über 75 Prozent der Erdölreserven des Landes verloren. Das hatte erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen, denn das Ölgeld machte die hohen Subventionen auf Benzin und den enormen Militäretat (auf 50 Prozent des Haushalts geschätzt), den sich das Land leistet, erst möglich.

Goldsucher mit Metalldetektoren in der Wüste in der Nähe des nordsudanesischen Dorfes al-Shirik.

Goldsucher mit Metalldetektoren in der Wüste in der Nähe des nordsudanesischen Dorfes al-Shirik.

Auf der Suche nach alternativen Einnahmequellen stieß die Regierung auf das Potenzial des Goldbergbaus, nachdem die Goldpreise am Weltmarkt in den letzten Jahren Rekordsummen erreicht haben. Inzwischen ist der Export von Gold für 60 Prozent der Exporteinnahmen des Sudans verantwortlich, umgerechnet etwa 2,2 Milliarden Dollar. Diese Zahlen basieren auf offiziellen Angaben, ein erheblicher Teil der Ausbeute wird aber wohl am Zoll vorbei in Nachbarländer und von dort aus weiter in die Vereinigten Arabischen Emirate, sowie China und Indien geschmuggelt. Schätzungen der britischen Zeitung the Guardian zufolge belaufen sich die daraus entstehenden Verluste für die sudanesische Regierung auf 700 Millionen Dollar (“Sudan’s Darfur gold rush brings death and displacement to Jebel Amer“, The Guardian, 15.10.2013).

Bisher war dies aufgrund des hohen Goldpreises zu verkraften, seit einigen Monaten sinken die Preise für das Edelmetall allerdings stetig. Die sudanesische Regierung soll daraufhin Teile des Rizeigat-Stammes ermutigt haben, die Kontrolle über Jebel Amer, die größte Goldmine Darfurs, zu übernehmen. Diese wurde bis dahin von einer anderen arabischen Miliz mit Verbindungen zum Stamm Bani Hussein kontrolliert, die folgenden Kämpfe haben mehreren hundert Menschen das Leben gekostet.

Inzwischen tragen Auseinandersetzungen über Ressourcen wohl erheblich zur Unsicherheit in Darfur bei, auch wenn es für Medien und unabhängige Organisationen kaum möglich ist, sich ein eigenes Bild von der Lage in der Krisenregion zu machen. Für Regierung, Zivilbevölkerung und alle anderen Beteiligten birgt die aktuelle Entwicklung aber in jedem Fall enorme Risiken. Sollte der Kampf um Ressourcen tatsächlich zu einer Zersplitterung der bisherigen Allianzen führen, so werden die daraus entstehenden Konfrontationen den Konflikt wohl noch auf absehbare Zeit weiter anheizen. Schon gibt es Stimmen in der Regierung, die ein Vorgehen der Armee gegen die eigentlich verbündeten arabischen Stämme fordern, weil diese über den Kampf ums Gold unkontrollierbar geworden sind. Dabei fehlt weiterhin ein vielversprechender Lösungsansatz für den ursprünglichen Konflikt – eine neue Konfliktebene wird Frieden für Darfur in noch weitere Ferne rücken lassen.

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