Statistik: Geleistete Diensttage 2012

Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) veröffentlichte anfangs Monat die detaillierte Statistik der geleisteten Diensttage 2012, welche sich seit Jahren zwischen 6,2 Millionen und 6,4 Millionen Tagen eingependelt haben. Pro Tag standen dabei durchschnittlich 17’300 Angehörige der Armee (AdA) im Dienst (inkl Rekruten und ein Teil des Berufspersonals, ohne Piloten).

Foto: Geb Inf Bat 85

Nur grad 246’614 Tage (3,9%) der 6,3 Millionen Diensttage wurden in Einsätzen geleistet. Die restlichen Diensttage entfielen auf Aus- und Weiterbildungskurse. Damit hat der Umfang der Einsätze seit 2001 einen neuen Tiefstand erreicht. Das liegt daran, dass nur 54 Tage Katastrophenhilfe geleistet werden mussten (beim Waldbrand in Chamoson im August 2012), dass die Unterstützungsleistung an das Grenzwachtkorps (“LITHOS“) reduziert und schliesslich Ende 2012 abgeschlossen wurde (-9’000 Diensttage) sowie dass die Einsätze für zivile und ausserdienstliche Tätigkeiten (VEMZ) gegenüber den letzten zwei Jahren auf 22’117 Diensttage verringert werden konnten. Bei den VEMZ-Einsätzen wurden insbesondere 5 Skiweltcuprennen unterstützt (9’639 Diensttagen bzw.46% der VEMZ-Einsätze); die restlichen VEMZ-Einsätze teilten sich mehrheitlich auf andere Sportanlässe auf. 19 Einsätze (1200 Diensttage) wurden im Rahmen des militärischen Ehrendienstes für Empfänge des Bundes geleistet. Mit beinahe 9% Anteil an den Einsätzen ist der Umfang der VEMZ immer noch zu hoch. Alle nicht sicherheitsrelevanten Tätigkeiten sollten konsequenterweise von der Armee abgelehnt und entweder vom Zivildienst oder von den Veranstalter selber erbracht werden. Mit 102’769 Diensttagen in der Friedensförderung wurde 2012 ein neuer Rekord erreicht, wobei dieser auf die temporäre Aufstockung des SWISSCOY Kontingents im Kosovo zurückzuführen ist. Zur Verlegung der SWISSCOY, sowie für den Abbau und die Schliessung des Camps Casablanca wurden zusätzlich für vier Monate 40 Personen eingesetzt. Insgesamt leisteten durchschnittlich 676 AdA (Vorjahr: 700) ihren Dienst in Einsätzen, davon 394 im Inland (58%) und 282 im Ausland (42%). Es handelte sich dabei um 69% Milizangehörige und 31% Berufspersonal – auch diese Aufteilung blieb gegenüber dem letzten Jahr konstant.

Übersicht: Geleistete Diensttage in Armee-Einsätzen 2001 bis 2012

Im Bereich der subsidiären Sicherungseinsätzen teilten sich die Dienstage auf vier Bereiche auf. Mit 60’021 Diensttagen (49,3% der subsidiären Sicherungseinsätze) umfasste der Schutz ausländischer Vertretungen (“AMBA CENTRO“) den grössten Anteil. Die leichte Zunahme gegenüber dem letzten Jahr (52’581 Diensttage) ist primär auf ein höheres Leistungsbedürfnis in Zürich zurückzuführen. Im Rahmen von “AMBA CENTRO” waren täglich durchschnittlich 164 AdA (128 Militärpolizisten und 36 Infanterie-Durchdiener) beschäftigt. Ende 2014 dürfen in diesem Bereich noch maximal 80 AdA zum Einsatz kommen, so dass die Armee unter Beibehaltung des heutigen Schutzniveaus die Leistungen sukzessive senken muss. Der Leistungsausgleich erfolgt durch Aufstockung ziviler Polizeikräfte mit entsprechender finanzieller Entschädigung des Bundes. Mit 51’592 Diensttagen (42,4%) besetzte der Einsatz zu Gunsten des World Economic Forum (WEF) in Davos (“ALPA ECO DODICI“) Platz zwei. Zwei Drittel der Diensttage fielen beim Einsatzverband Luft, ein Drittel beim Einsatzverband Boden an. Mit 5’401 Diensttagen (4,4%) findet sich auf Platz 3 die Unterstützung des Grenzwachtkorps (“LITHOS”) dieses Jahr zum letzten Mal wieder (siehe weiter oben). Hier standen während des Jahres täglich durchschnittlich 14 Angehörige der Militärischen Sicherheit im Einsatz. Die Luftaufklärung zu Gunsten des Grenzwachtkorps umfasste mit den Drohnen ADS 95 33 Einsätzen (91 Stunden) und mit dem FLIR des Superpuma acht Einsätzen (22 Stunden). Die Flugsicherheitsmassnahmen im Luftverkehr (“TIGER/FOX“) bildeten mit 4’660 Diensttage (3,8%) das Schlusslicht der subsidiären Sicherungseinsätzen. Hier standen täglich durchschnittlich 13 Angehörige der Militärischen Sicherheit im Einsatz, welche jedoch ab 01.01.2013 auf maximal 10 AdA reduziert werden mussten.

Angehörige des Schweizer Liaison and Monitoring Team (LMT) mit dem deutschen Kommandanten der KFOR 2011/2012, Generalmajor Erhard Drews.

Angehörige des Schweizer Liaison and Monitoring Team (LMT) mit dem deutschen Kommandanten der KFOR 2011/2012, Generalmajor Erhard Drews.

Bei der militärischen Friedensförderung umfasste der Einsatz im Kosovo 81’149 Diensttage (79% der Auslandseinsätze). An zweiter Stelle standen mit 10’506 Diensttagen (10,2%) die Einsätze zu Gunsten der UNO, der OSZE und der NNSC. Nicht zu vergessen sind auch die kleineren Einsätze: beispielsweise die 4 Stabsoffiziere, und die zwei Liaison and Observation Teams (je 8 AdA) und seit Frühjahr 2011 ein unbewaffnetes Mobile Training Team (6 AdA) zu Gunsten der Ausbildung der bosnisch-herzegowinischen Streitkräfte (“ALTHEA“). Zwar nicht im Rahmen der Friedensförderung, jedoch trotzdem im Ausland sind seit Ende Januar 2012 Angehörige des Armeeaufklärungsdetachement 10 (AAD 10) und des Militärpolizei Spezialdetachement (MP Spez Det) zum Schutz der Schweizer Vertretung in Tripolis. Der Einsatz läuft erfolgreich und wurde bis Sommer 2013 verlängert. Bei Bedarf kann ihn der Bundesrat erneut um weitere sechs Monate verlängern. Mit 3’604 Dienstagen bzw. durchschnittlich 12 Experten werden UNO-Minenräumprogramme in Südsudan, Somaliland, Westsahara und in der Demokratische Republik Kongo unterstützt. Damit gehört die Schweiz zu den stärksten Truppenstellern im Gebiet der Humanitären Minenräumung.

Bei den Einsätzen nicht eingerechnet sind die Diensttage der Luftwaffe zugunsten des Grenzwachtkorps, der Polizei, der Rettungsflugwacht (Rega), des Schweizerischen Alpenclubs und des Lufttransportdienstes des Bundes. Im Bereich der Luftaufklärung wurden insgesamt 400 Einsätze mit der Drohne ADS 95 und dem FLIR des Superpumas geflogen, ein Viertel davon für die Polizei und für das Grenzwachtkorps (siehe auch weiter oben). Mit gegen 1’200 Flugstunden wurden für Dritte (Grenzwachtkorps, Polizei, Rega und Schweizerischer Alpenclub) Lufttransporte durchgeführt. Im Rahmen des Luftpolizeidienstes wurden 10 (Vorjahr: 14) “Hot Missions” (Interventionen) geflogen, 6 davon während des WEF 2012, und 207 (Vorjahr: 350) “Live Missions” (Kontrolle von Staatsluft­fahrzeugen) durchgeführt.

Bei der Gesamtanzahl der Flugstunden sind leider nur die Zahlen von 2011 öffentlich verfügbar. Sie werden jedoch auch 2012 um die 30’000 Stunden ausgemacht haben (2011: 31’384 h; 2010: 29’992 h; 2009: 29’746h). Erfahrungsgemäss werden rund 9% (2’706 h) mit F-5 E/F Tiger, rund 20% (5’188 h) mit F/A-18 C/D Hornet und die restlichen 71% mit anderen Fluggeräten durchgeführt. Von den Gesamtflugstunden vielen rund 1% auf die Patrouille Suisse und rund 10% der Gesamtflugstunden vielen im Ausland an. Zum Vergleich: als Überbrückung sollten ab September 2016 sechs und Anfang 2017 weitere fünf Saab Gripen C/D bei der Luftwaffe zum Einsatz kommen. Sie werden voraussichtlich pro Jahr 1’300 Flugstunden leisten. Im Einsatzkonzept mit den 22 Gripen E, also ab etwa 2018, werden zurzeit rund 4’000 Flugstunden pro Jahr geplant, wobei davon max. 700 Flugstunden im Ausland absolviert werden können. Die Ausserdienststellung der noch verbleibenden F-5 Tiger wird synchron mit der Inbetriebnahme der Gripen verlaufen. Beim Kerosinverbrauch zeigt sich der grössere Verbrauch der F/A-18 C/D Hornet, denn 2011 wurden von den 41’120’000 Liter rund 64% durch die F/A-18 C/D Hornet, rund 17% durch die F-5 E/F Tiger und die restlichen 19% durch andere Fluggeräte verbraucht. 2011 kostete eine Flugstunde mit der F-5 E/F Tiger durchschnittlich 17’000 SFr, mit der F/A-18 C/D Hornet durchschnittlich 29’500 SFr.

Kosten pro Diensttag in CHF / Total Kosten und Teilbeträge in Mio. CHF

Ein AdA kostete 2012 im Durchschnitt 33,84 Franken pro Tag. Auch dieser Wert blieb in den letzten Jahren konstant. Es handelt sich dabei jedoch nicht um die volkswirtschaftlichen Vollkosten, sondern um Sold, Unterkunft, Verpflegung, die Aufwendungen für Land- und Sachschaden, Telefonie sowie Postdienstleistungen. Die leichte Zunahme der Kosten von 209 Millionen SFr im Vorjahr auf 213,6 Millionen SFr rührt von der Harmonisierung der Soldzulagen und die Erhöhung der Transportpauschale für die Reisen mit dem Marschbefehl her.

Quellen

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