Dual Use: das iranische Atomprogramm (2/2)

Im ersten Teil bewerteten wir die Notwendigkeit der Kernenergie für den Iran, suchten Gründe für ein solch ambitioniertes Atomprogramm und betrachteten den Zeitraum der transparenteren bzw. kooperativeren Phase mit der IAEA etwas detaillierter. Im zweiten Teil suchen wir nach einer Eklärung für das Bestreben des Irans Uran auf 19,75% anzureichern, betrachten den momentanen Stand der iranischen Nukleartechnologie und ziehen ein abschliessendes Fazit.

Produktion ohne zivilen Nutzen

Unterirdische Urananreicherungsanlage in Fordow (12.09.2011, zum Vergrössern auf das Bild klicken)

Unterirdische Urananreicherungsanlage in Fordow (12.09.2011, zum Vergrössern auf das Bild klicken)

2004 überreichten die USA der IAEA eine über tausende Seiten umfassende Dokumentensammlung, welche aufzeigen soll, dass der Iran an für die Entwicklung und den Einsatz von Nuklearwaffen essentiellen Technologien forschte (vgl.: “Briefing notes from February 2008 IAEA meeting regarding Iran’s nuclear program“, ISIS Report, 11.04.2008). Auch wenn die Authentizität der Dokumente nicht unumstritten ist, gibt es trotzdem einige Entwicklungen im iranischen Atomprogramm, die bei einer rein zivilen Ausrichtung wenig Sinn ergeben: beispielsweise die Bestrebungen Uran bis auf 19,75% anzureichern. Der am 3. September 2011 ans Netz gegangene Bushehr-Reaktor benötigt zum Betrieb auf 3,5% angereichertes Uran. Das auf 19,75% angereicherte Uran sei für die Herstellung von Brennelementen für den medizinischen Forschungsreaktor in Tehran (Tehran Research Reactor, TRR) bestimmt, so die offizielle iranische Rechtfertigung.

Die Anreicherung bis 19,75% wurde im Februar 2010 in Natanz mit einer Pilotanlage begonnen. Im Januar 2012 wurde zusätzlich die Anreicherungsanlage “Fordow” in der Nähe von Qom in Betrieb genommen (vgl.: James Reynolds, “Iran Enriching Uranium at Fordo Plant near Qom“, BBC, 10.01.2012). Mit der Anlage “Fordow” sollen monatlich rund 5 kg 19,75%iges Uran hergestellt werden, wobei der TRR bei voller Leistung monatlich nur rund 1,5 kg benötigen würde (Quelle: International Crisis Group, “In Heavy Waters: Iran’s Nuclear Program, the Risk of War and Lessons from Turkey“, Middle East and Europe Report N°116, 23.02.2012, p. 7, Fussnote 43). Ende Mai 2012 verfügte der Iran schätzungsweise über rund 120 kg 19,75%iges Uran. (Quelle: International Crisis Group, “The P5+1, Iran and the Perils of Nuclear Brinkmanship“, Middle East Briefing N°34, 15.06.2012, p.13). Sollte das Ziel verfolgt werden, möglichst schnell und überraschend eine Atombombe herzustellen, so würde die Anreicherung von 90%igem hochangereichertem Uran mit der Einspeisung von 19,75%igem Uran in die Anreicherungszentrifugen Sinn machen. Wird ein solches Szenario angenommen, so wären zur Herstellung zweier Atombomben im optimistischsten Fall mindestens 370 kg 19,75%iges Uran notwendig – eine Menge, die frühestens im Jahr 2016 hergestellt wäre. Würde der Iran nur eine Atombombe bauen wollen, was jedoch wegen Effizienzgründen, dem wiederverwendbaren Abfall, eines notwendigen Tests sowie dessen Möglichkeit zu misslingen und zwecks Abschreckung bei harschen internationalen Reaktion sehr unwahrscheinlich ist, wäre die notwendige Menge 19,75%igem Uran frühestens Ende 2013 hergestellt. (Update vom 04.09.2012: Mit der Veröffentlichung des Berichts der IAEA vom 30. August 2012 haben sich die Berechnungsgrundlagen geändert –> siehe Kommentar). Bei genügendem Ausgangsmaterial würde die Herstellung der ersten Atombombe rund 6 Monate und jede weitere je 4 Monate dauern. Da sich dieses Szenario auf verschiedenste idealisierten Annahmen stützt (konstante Produktionsraten, optimale Produktionsbedingungen und erfolgreiche Ingenieurleistung) ist der Unsicherheitsfaktor hoch. Bereits die Annahme, dass der Iran tatsächlich eine Atombombe herzustellen beabsichtigt, ist bis dato nicht bewiesen (Quelle: “Iran’s nuclear, chemical and biological capabilities“, International Institute for Strategic Studies, Februar 2011, p. 62f,66,68-75,83f,120ff).

Die iranischen Nuklearanlagen (Quelle: “Iran’s nuclear, chemical and biological capabilities“, International Institute for Strategic Studies, Februar 2011, p. 50)

Die iranischen Nuklearanlagen (Quelle: “Iran’s nuclear, chemical and biological capabilities“, International Institute for Strategic Studies, Februar 2011, p. 50)

Gemäss US-Präsident Barack Obama steht die Grösse und Konfiguration der Urananreicherungsanlage “Fordow” im Widerspruch zu einem friedlichen Programm. Darüber hinaus befindet sich die Anlage auf einem Gelände der Iranische Revolutionsgarde, welches früher zum Abschuss von Raketen benutzt wurde (Quelle: Trita Parsi, “A Single Roll of the Dice: Obama’s Diplomacy with Iran“, Yale University Press, 24.01.2012, p. 125). Um den TRR mit neuen Brennstäben auszustatten, wäre theoretisch keine eigene Produktion von 19,75%igem Uran notwendig, denn bereits 1987 beauftragte der Iran die argentinische “Staatliche Gesellschaft für angewandte Forschung” (Investigaciones Aplicadas Sociedad del Estado, INVAP SE) zur Produktion der Brennstäbe für den TRR, welche 1993 eingesetzt wurden. Nachdem der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad am 9. August 2009 Ahmad Vahidi zum Verteidigungsminister ernannt hatte, wird Argentinien jedoch kaum mehr bereit sein Brennstäbe für den Iran herzustellen. Ahmad Vahidi wurde von der Interpol international ausgeschrieben – er soll beim Anschlags auf die “Asociación Mutual Israelita Argentina” (AMIA) 1994 in Buenos Aires beteiligt gewesen sein. Mit 85 Toten und über 300 Verletzten war dies der gewalttätigste Anschlag in Argentinien (vgl.: Eli Lake, “Iran defense minister a terror suspect“, The Washington Times, 21.08.2009). US-Präsident Barack Obama regte im September 2009 einen Austausch von nuklearem Material an. Vorgesehen war, dass der Iran 1’200 kg des vermuteten 1’500 kg 3,5%igen Urans an Russland abgibt, wo es auf 19,75% angereichert werden sollte. Das angereicherte Uran wäre anschliessend in Frankreich zu Brennelementen verarbeitet worden, die wieder an den Iran zurückgeliefert werden hätten sollen. Gemäss einem früheren iranischen Unterhändler war der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad ein Befürworter dieses Vorschlags, doch die voreilige Publizierung eines möglichen Übereinkommens gab ihm zu wenig Zeit um den konservativen iranischen Supreme National Security Council für sich zu gewinnen (Quelle: International Crisis Group, “In Heavy Waters: Iran’s Nuclear Program, the Risk of War and Lessons from Turkey“, Middle East and Europe Report N°116, 23.02.2012, p. 6, Fussnote 41; US-Botschaft in Ankara, “Turkey: A/S Gordon presses FM Davutoglu on Iran“, 17.11.2009). Ausgerechnet Mir Hossein Mussawi, Präsidentschaftskandidat der Opposition, drückte sich gegen eine solche Abmachung aus, denn – gemäss Mussawi – würden damit Rechte des iranischen Volkes aufgegeben (Quelle: Trita Parsi, “A Single Roll of the Dice: Obama’s Diplomacy with Iran“, Yale University Press, 24.01.2012, p. 147f; “Iran’s nuclear, chemical and biological capabilities“, International Institute for Strategic Studies, Februar 2011, p. 40). Der Abschluss des Übereinkommens scheiterte schliesslich und bedeutete ein frühes Ende der neuen diplomatischen Herangehensweise von US-Präsident Barack Obama.

Wiederum zeigte sich, dass der Iran zu keiner Kooperation bereit war. Die kostspielige Anreicherung von 19,75%igem Uran macht keinen Sinn, denn für den einzigen stromerzeugenden Kernreaktor im Iran, Bushehr, ist keine solche Anreicherung notwendig. Für den TRR wiederum ist die Produktionskapazität der Urananreicherungsanlagen deutlich zu hoch und die notwendigen Brennstäbe für den TRR könnten im Ausland beschafft werden.

Stand der iranischen Nukleartechnologie

Nuklearer Brennstoffkreislauf (zum Vergrössern auf das Bild klicken)Auch hinsichtlich des nuklearen Brennstoffkreislaufes gibt es einige Ungereimtheiten, sollte der Iran ausschliesslich an einer zivilen Nutzung interessiert sein. Das beginnt beim Uranabbau, welcher die Nachfrage eines zivilen Atomprogramms bei weitem nicht abdecken kann. Der Iran verfügt über zwei Uranminen in Gchine bzw. Saghand. In Gchine wird jährlich rund 24 Tonnen Yellowcake hergestellt; in Saghand war bis 2010 keine Produktion festzustellen. Zum Vergleich: Um den einen Reaktor in Bushehr am Laufen zu halten, wird jährlich 25 Tonnen 3,5 %iges LEU oder umgerechnet 269 Tonnen Yellowcake benötigt (Quelle: “Iran’s nuclear, chemical and biological capabilities“, International Institute for Strategic Studies, Februar 2011, p. 52). Der für Bushehr notwendige Nachschub an Brennelementen wird durch Russland sichergestellt, denn weder stellt der Iran genügend LEU her, noch verfügen iranische Ingenieure im Fall von Bushehr über das technologische Know-How und die technischen Mittel zur Brennelementeherstellung. Auch bezüglich des TRR fehlt dem Iran die Technologie zur Herstellung der Brennelemente aus dem angereicherten Uran. Eine entsprechende Fabrikationsanlage wird zwar in Esfahan gebaut, der Zeitpunkt ihrer Fertigstellung ist jedoch offen (vgl.: Institute for Science and International Security, “Uranium Conversion and Fuel Fabrication“; The Nuclear Threat Initiative, “Isfahan (Esfahan) Nuclear Fuel Research and Production Center (NFRPC)“, 2011). Bei den beschränkten Uranvorkommen verblüfft es, dass die Wiederaufbereitung der Brennelemente kein Thema darstellt.

Von den rund 8’000 Zentrifugen in Natanz waren im November 2011 6’208 Zentrifugen in Betrieb und mit Uranhexafluorid gespiesen (Quelle: “Implementation of the NPT Safeguards Agreement and relevant provisions of Security Council resolutions in the Islamic Republic of Iran“, IAEA – Board of Governors, GOV/2011/65, Restricted Distribution, 08.11.2011, p.3). Geplant ist die Inbetriebnahme von 48’000 Zentrifugen, was optimistisch betrachtet ausreichen würde um rund 20 Tonnen 3,5%iges Uran herzustellen und damit kaum um den jährlichen Uranverbrauch des Bushehr-Reaktors auszugleichen.

Fazit
Der National Intelligence Estimate (NIE) 2007 des NIC stellte die Situation rund um das iranische Atomprogramm positiver dar, als sie in Wirklichkeit war. Der NIE verfolgte ein politisches Ziel – darauf lässt nur schon die Veröffentlichung schliessen, was nicht der Regelfall darstellt. Beispielsweise wurde der komplett überarbeitete NIE im Jahre 2010 nicht mehr veröffentlicht. Da mit dem NIE 2002 die Begründung für den unpopulären Irakkrieg geschaffen wurde, ist anzunehmen, dass die US-amerikanischen Nachrichtendienste gegen Ende der zweiten Amtszeit von US-Präsident George W. Bush nicht noch einmal die Begründung für einen Krieg liefern wollten. Mit der Dokumentensammlung, welche die IAEA 2004 erhalten hatte und mit dem Ende der Kooperationsphase zwischen dem Iran und der IAEA Ende 2005 hätte das NIC die Wiederaufnahme des iranischen Atomwaffenprogramms als ernsthafte Möglichkeit in Betracht ziehen müssen (es ist natürlich möglich, dass dies in der klassifizierten Variante des NIE auch tatsächlich der Fall war).

Nobody had been paying attention to the older NIE [from 2007]. A few people on the outside focused on it because they didn’t want us to go down the sanctions route but neither the administration nor the Congress paid it much attention. I thought the NIE estimate then was a faulty one because it focused on some aspects of weaponization – even as Iran was continuing to enrich. — Howard Berman (D-CA), zitiert in Josh Rogin, “Exclusive: New National Intelligence Estimate on Iran complete“, Foreign Policy, The Cable, 15.02.2011.

Aufgrund der zugenommenen Bedrohungsauffassung durch die Invasion in den Irak setzte der Iran 2003 die Urananreicherung temporär aus und war vordergründig zu einer Kooperation mit der IAEA bereit. Der Iran hatte jedoch nie die Absicht permanent auf die Urananreicherung zu verzichten. Untermauert wird diese Feststellung durch die gleichzeitig aufgenommene Verlagerung der Urananreicherungsanlagen unter den Boden, wo sie (womöglich) nicht mittels Bomben aus der Luft zerstört werden können. Dementsprechend blieben auch diplomatischen Bemühungen erfolglos. Verhandlungen werden auf iranischer Seite in die Länge gezogen und mögliche bzw. bereits verhandelte Zusagen werden schrittweise verwässert, indem immer mehr Ausnahmen definiert werden oder ein Gegenvorschlag präsentiert wird, welcher die eigentlichen Ziele der Abmachung unterwandert. Scheitert ein Abkommen, präsentiert sich der Iran als Opfer, welches im Gegensatz zu den anderen Staaten zu Zugeständ-nissen und zu einer Kooperation bereit gewesen wäre. Auch die Verhandlungen der P5+1 (die ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und Deutschland) mit dem Iran in Istanbul Mitte April und in Baghdad gegen Ende Mai 2012 verliefen nach diesem Muster (vgl.: Scott Peterson, “Hopes fade for progress at Iran nuclear talks in Baghdad“, The Christian Science Monitor, 23.05.2012).

They [Iranian negostiators] are world champions in making very long negotiations lead nowhere. — Villy Søvndal, dänischer Aussenminister und Vorsitzender im Rat der Europäischen Union zwischen dem 01.01.-31.06.2012, zitiert in International Crisis Group, “The P5+1, Iran and the Perils of Nuclear Brinkmanship“, Middle East Briefing N°34, 15.06.2012, p.7, Fussnote 35.

Militärische Drohungen erweisen sich als kontraproduktiv, begründen sie doch eine nukleare Aufrüstung um sich mit der Option von Vergeltungsmassnahmen vor einem militärischen Angriff zu schützen. Ausserdem wird durch diese externe Bedrohung verhindert, dass sich der Iran sowohl innen- wie aussenpolitisch einer Diskussion über den Sinn seines Atomprogramms stellen muss. Energiepolitisch würde ein massiver Ausbau der Kernenergie durchaus Sinn machen, denn damit würde nicht nur die Abhängigkeit der Stromversorgung von der Erdgas- bzw. Erdölproduktion verringert werden, sondern auch mehr Erdgas bzw. Erdöl für den Export zur Verfügung stehen. Irans Bestrebungen konzentrieren sich jedoch nicht auf essentielle Projekte eines zivilen Atomprogramms, sondern auf Projekte, welche bei einer rein zivilen Nutzung wenig Sinn machen. Beispielsweise macht die Urananreicherung auf 19,75% keinen Sinn. Ausserdem verfügen die iranischen Uranminen über zu wenig Kapazität und die Herstellung von 3,5%igem Uran würde quantitativ nicht einmal für den momentan Betrieb des Reaktors in Bushehr reichen. Die Herstellung von Brennelementen ist derzeit (und in absehbarer Zukunft) nicht möglich und an einer Wiederaufarbeitung besteht kein Interesse.

Wieviel sich der Iran sein Atomprogramm kosten lässt, ist unklar. Neben den jährlichen Kosten – welche von dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadi-nedschad mit rund 270 Millionen US-Dollar beziffert wurde (die Richtigkeit seiner Angabe ist jedoch nicht prüfbar) – müssen auch die internationale Isolation und die indirekten Kosten der Wirtschaftssanktionen berücksichtigt werden. Das von den USA und Europa Mitte 2012 durchgesetzte Ölembargo und das Verbot iranische Tanker zu versichern, soll den Iran monatlich 4 Milliarden US-Dollar kosten (Quelle: Paul Richter Ramin Mostaghim, “Iran sanctions are about to get tougher“, Los Angeles Times, 28.06.2012). Die Beschaffung der Brennelemente im Ausland – wie es für Bushehr der Fall ist – wäre mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht nur finanziell günstiger, sondern würde den Iran international in ein besseres Licht stellen und keine Wirtschaftssanktionen nach sich ziehen. Offen bleibt die Frage, was diese negativen Konsequenzen des Atomprogramms aufzuwiegen vermag. Eine autarke Stromversorgung basierend auf Kernreaktoren oder doch eher regionale Dominanz und militärische Unantastbarkeit durch den Besitz von Atomwaffen?

Die technischen Möglichkeiten weissen eher auf letzteres hin. Nebst dem technischen Know-how besitzt der Iran die notwendige Infrastruktur zur Herstellung von waffenfähigem Uran. Offen bleibt, ob der Iran momentan 19,75%iges Uran mit der Absicht produziert, bei genügendem Ausgangsmaterial verdeckt und möglichst rasch zwei oder mehr Atombomben herzustellen und die internationale Staatengemeinschaft so vor vollendeten Tatsachen zu stellen. Bei zwei Atombomben könnte dies 2016 2014 der Fall sein, wobei es sich wegen den getroffenen Annahmen (gleichbleibende Produktionskapazität, keine Rückschläge usw.) um eine sehr grobe Schätzung handelt.

Doch eine Atombombe alleine genügt noch nicht für regionale Dominanz. Bei einem solchen Szenario bräuchte der Iran zusätzlich auch die Fähigkeit einen nuklearen Sprengkopf mittels einer Rakete in den Einsatz bringen zu können. Um die Absicht hinter dem Atomprogramm umfassend zu analysieren, darf dieser Aspekt nicht vernachlässigt werden und wäre ein interessantes Folgethema für eine weitere Abhandlung (vgl.: “Irans ballistisches Raketenprogramm“, offiziere.ch, 28.07.2012).

Hauptquellen

Weitere Informationen

  • Das Misstrauen der iranischen Regierung gegenüber Abkommen mit westlichen Staaten ist nicht unbegründet, wie der Brief des iranischen Botschafters an den Generalsekretär der IAEA zeigt (Ali Asghar Solatanieh, “The root causes of Iran’s confidence deficit vis-à-vis some Western countries on assurances of nuclear fuel supply”, IAEA, INFCIR 785, Brief a den Generalsekretär der IAEA, 02.03.2010). Trotzdem rechtfertigt dieses Misstrauen das Scheitern des vorgeschlagenen Austauschs nuklearen Materials 2009 nicht, denn in der Endfassung des Abkommens hätte sich der Iran nur mit Russland als Vertragspartner befassen müssen. Frankreich wäre nicht als Vertragspartner des Irans, sondern nur als Beauftragter Russlands im Abkommen eingebunden gewesen. Beim Betrieb des Kernreaktors in Bushehr ist der Iran komplett von Russland abhängig.
  • Thomas J. Buonomo, “Changing Iran’s Cost-Benefit Analysis of Its Nuclear Program“, Small Wars Journal 8, No. 4, 25.04.2012
This entry was posted in Iran, Patrick Truffer, Proliferation.

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  3. Der Bericht der IAEA vom 30. August 2012 hält fest, dass der Iran am 21. August 2012 über rund 189,4 kg auf 19,75% angereichertes Uran verfügt. Das heisst, dass innerhalb 3 Monaten rund 43,8 kg 19,75%iges Uran produziert wurde, was einer monatlichen Produktionsrate von rund 14,5 kg 19,75%iges Uran entspricht. Theoretisch hätte der Iran damit die notwendige Menge 19,75%iges Uran hergestellt, welches angereichert auf 90%, zur Herstellung einer Atombombe notwendig wäre (dabei wird jedoch von idealen Voraussetzungen ohne Verluste ausgegangen). Da bei der obigen Berechnung von einer monatlichen Produktionsrate von 3,5 kg 19,75%igem Uran ausgegangen wurde, verkürzt sich auch die Zeit, bei der das Material von 2 Atombomben bereitgestellt werden kann. Mit der derzeitigen Produktionsrate wäre die notwendige Menge für 2 Atombomben gegen Ende 2013 erreicht. Danach würde die Herstellung der ersten Atombombe rund 6 Monate und der zweiten weitere 4 Monate dauern.

    Zunahme der Menge an 19,75%igem Uran, über welches der Iran verfügt. Die markante Steigerung der Produktionsmenge ist auf die Inbetriebnahme der ersten (von zwei) Anreicherungskaskade in "Fordow" am 14.12.2011 zurückzuführen (Quelle: IAEA).

    Diagramm oben: Zunahme der Menge an 19,75%igem Uran, über welches der Iran verfügt. Die markante Steigerung der Produktionsmenge ist auf die Inbetriebnahme der ersten (von zwei) Anreicherungskaskade in "Fordow" am 14.12.2011 zurückzuführen (Quelle: IAEA).

  4. Zweite Ergänzung zur obigen Berechnung

    Bei der Berechnung wurde 19,75%iges Uran, welches bereits zu Brennelementen konvertiert wurde, oder dazu vorgesehen ist (96 kg), nicht berücksichtigt. Die Brennelemente haben einen Urangehalt von ebenfalls annähernd 20%. Aus ihnen lässt sich mit einem grösseren Aufwand und unter Materialverlust wieder waffenfähiges Uran zurückgewinnen, wenn sie nicht bereits bestrahlt oder in einem Atomreaktor eingefügt wurden (für eine Berechnung, welche das bereits konvertierte Material mitberücksichtigt, siehe: Jeffrey Lewis, “Where Is Israel’s Red Line for Iran?“, Arms Control Wonk, 14.09.2012).

    Für die Israelis befindet sich die nicht zu überschreitende kritische Schwelle bei 240kg 19,75%igem Uran, welche – gemäss israelischen Angaben – im Frühling 2013 erreicht sein soll. Sollte der Iran rund 50% seines 19,75%igem Uran zu Brennelementen umkonvertieren, dann soll die Schwelle im Sommer 2013 erreicht sein (Quelle: Julian Borger, “Israel’s red line on Iran: 240 kg“, The Guardian, 01.11.2012). Was Israel dann gedenkt zu unternehmen, bleibt unklar.

  5. A long-standing claim in the discussion about the Islamic Republic’s nuclear program is that Iran will never build nuclear weapons, because Supreme Leader Ayatollah Ali Khamenei has issued a fatwa banning “the bomb.” The National Interest is looking into this issue: Michael Eisenstadt, and Mehdi Khalaji, “Forget the Fatwa“, The National Interest, 14.03.2013.

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