Zurück an der Tastatur und 28C3 Vorbereitungen

Im März 2011 informierte ich über das Pausieren meiner Tätigkeit auf offiziere.ch bis mindestens Ende Oktober. Das Jahr 2011 stellte sich beruflich als recht turbulente dar, was sich durch meine lange Abwesenheit und durch die geringe Anzahl (deutschsprachiger) Artikel widerspiegelte. Aber keine Angst, offiziere.ch wird nicht verweisen – ich bin wieder zurück an der Tastatur und mein Ziel ist es, 2012 wieder die übliche Anzahl Artikel zu generieren. Zusätzlich suche ich etwas Unterstützung, um bei ungeplanten Abwesenheiten die Anzahl deutschsprachiger Artikel hoch halten zu können. Deshalb folgender Suchaufruf:

Offiziere.ch sucht einen deutschsprachigen Autor, der gegen ein bescheidenes Honorar 1-2 sicherheitspolitische Artikel pro Monat beisteuern würde. Interessenten melden sich beim Administrator, reichen einen Lebenslauf und ein Artikel-Beispiel ein.

Für das Jahr 2012 sind bereits folgende Artikel in der Pipeline:

  • Eine Reihe von Buchtips sind in Vorbereitung: Little Bunch of Madmen von Mort Rosenblum, Globales Rapa Nui von Steffen W. Allhoff, Sebastian K. Buciak und Achim Maas sowie möglicherweise auch noch das Sammelband “Private Militär- und Sicherheitsfirmen und die Entstaatlichung der Gewalt im 21. Jahrhundert” der Arbeitsgemeinschaft Sicherheitspolitik an der Universität Zürich.
  • Ein Artikel über die Bedeutung der politischen Partizipation für die abnehmende Radikalisierung von sozialen Bewegungen am Beispiel der Hamas. Der Artikel wurde für die University of At Andrews geschrieben und ist deshalb in Englisch verfasst.
  • Wie vor meiner Abwesenheit üblich sollte pro Monat ein sicherheitspolitischer Artikel über ein Krisengebiet erscheinen. Schon seit längerem ist ein Artikel über die Situation in der Demokratische Republik Kongo geplant – vielleicht wird dies 2012 klappen. Ganz oben auf der Liste steht ein Artikel über die Situation im Iran. Im April ist ein Trip durch den Balkan geplant, wobei hier die Details noch offen sind.
  • Im Bereich der Militärtechnologie ist letztes Jahr einiges gelaufen: geplant sind die Vorstellung neuer Kampfflugzeuge, neuer Drohnen und auch die Raumfahrt sollte 2012 etwas stärker thematisiert werden.
  • Die Reihe der Sessionsrückblicke wird unter der Leitung von H. Ebert weitergeführt. Der Rückblick auf die Wintersession sollte anfangs Januar veröffentlicht werden.
  • Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: immer noch hoffe ich Zeit zu finden, um einen Artikel über Counter Insurgency (COIN) zu verfassen, was von einer Leserin schon seit längerem gewünscht wurde. Ebenfalls schon länger geplant ist ein Artikel über “Responsibility to Protect” (R2P). Für weitere Themenwünsche bin ich offen –> Mail.

Vor der Veröffentlichung der oben erwähnten Artikeln, werde ich zusammen mit einem Team wie üblich zwischen Weihnachten und Neujahr vom 28. Chaos Communication Congress (28C3) berichten. Seit 14 Jahren nehmen wir an diesem Kongress teil um uns über Informatik im Allgemeinen bzw. Computersicherheit im Speziellen, sozial- sowie sicherheitspolitische Themen informieren zu lassen und das Gespräch zu suchen. Der Kongress-Fahrplan ist in der momentanen Version 0.91 schon recht komplett und bereits jetzt sind einige interessanten Vorträge auszumachen. Wer übrigens jetzt noch am Kongress teilnehmen will, der hat Pech, denn die 3200 Tickets sind mehr oder weniger ausverkauft. Es ist jedoch möglich von zu Hause den Kongress über Vortragsstreams mitzuverfolgen und sich über Twitter zu beteiligen (vgl.: No nerd left behind).

Schon seit Jahren analysiert Martin Haase politische Texte auf ihren sprachlichen Inhalt sowie Reden und Interviews auf den Einsatz rhetorischer Mittel. Er überzeugte mit “Neusprech im Überwachungsstaat” (Videomitschnitt vom 25C3), “Leyen-Rhetorik” (Videomitschnitt vom 26C3) und “Ich sehe nicht, dass wir nicht zustimmen werden” (Videomitschnitt vom 27C3). Dieses Mal wird Haase in seinem Vortrag “Die Koalition setzt sich aber aktiv und ernsthaft dafür ein” Texte zum “Atomausstieg”, zur “Vorratsdatenspeicherung” und zu weiteren aktuellen Themen, vor allem aus der Netzpolitik, analysieren.

Ein anderer alter Bekannter am Chaos Communication Congress ist Mark Fonseca Rendeiro aka Bicyclemark. Seine Beiträge konzentrierten sich weniger auf die Informatik, dafür mehr auf seine Tätigkeit als Citizen Journalist, Blogger und Podcaster. In den vergangenen Kongressen befasste er sich mit der Auseinandersetzung zwischen den USA, Kanada, Russland, Dänemark und Norwegen über die territoriale Aufteilung der Arktis (Videomitschnitt vom 24C3), mit den zerstörerischen Effekten der Sojaproduktion und der Rolle von Monsanto (Videomitschnitt 25C3) sowie in seinem Vortrag “Exciting Tales of Journalists Getting Spied on, Arrested and Deported” mit den Berichten von Journalisten wie sie bei ihren Recherchen behindert, ausspioniert und sogar verhaftet wurden (Videomitschnitt 26C3). Während des letzten Kongresses berichtete er über seine Erfahrungen als Wahlbeobachter in Afghanistan und über den Einsatz der Software Ushahidi während der afghanischen Parlamentswahl im September 2010 (Videomitschnitt 27C3). Er produzierte in den sieben Jahren seines Wirkens ca. 400 Podcasts. Im diesjährigen Vortrag will er von dieser Arbeit und von teilweise verblüffenden Stories, Personen und Kulturen berichten, welche er die letzten sieben Jahre erfahren durfte.

Die Keynote zum 28C3 (“Marriage From Hell: On the Secret Love Affair Between Dictators and Western Technology Companies“) des Internetskeptikers Evgeny Morozov dürfte äusserst interessant werden. Aus Weissrussland (aus der letzten Diktatur Europas) stammend, kann er uns sicherlich aus erster Hand zu diesem Thema berichten. Zur Einstimmung: Morozov’s interessanten Kurzvortrag “How the Net aids dictatorships” an der TED:

Sowohl in Spielfilmen, Massenmedien und einigen sicherheitspolitischen Veranstaltungen wird das Bild vermittelt, dass die zivile Infrastruktur anfällig auf Hackerangriffen sei. Das Beispiel Stuxnet zeigte, dass ein destruktiver Hack von Industrieanlagen (und somit auch von ziviler Infrastruktur) tatsächlich möglich ist. Das dazu Wissen, die notwendige Planung und Vorbereitung darf dabei nicht unterschätzt werden, weshalb ich eher skeptisch gegenüber einem “Hacker schalten die Zivilisation ab”-Szenario bin. Prof. Dr. Stefan Katzenbeisser wird in seinem Vortrag “Can trains be hacked?” der Sicherheit moderner Eisenbahnsicherungsanlagen nachgehen. Während mechanische und elektrische Eisenbahnsicherungsanlagen in sich geschlossene Systeme sind, nutzen künftige Anlagen zunehmend drahtlose Kommunikation. Dadurch hängt die Sicherheit der Fahrgäste auch von der Sicherheit der zugrundeliegenden Kommunikationsinfrastruktur ab. Womöglich eröffnet dies neue Bedrohungsszenarien und ich werde meine skeptische Einstellung noch einmal überdenken müssen.

Gemäss Cory Doctorow war der nun schon über 20 Jahre andauernde Krieg mit den Copyright-Gesetzgebungen erst der Anfang. Computersysteme sind heute so stark verbreitet, insbesondere auch in kritischen Infrastrukturen, dass die Systeme selber zunehmend vor Schadsoftware und Hackern abgesichert werden müssen. Der Weg führt von offenen Systemen zu geschlossenen Infrastrukturen, wie beispielsweise Trusted Computing. Ein Beispiel für ein solches abgeschottetes System ist iOS, das nur auf bestimmter Hardware läuft und nur bestimmte Software (ohne Jailbreak ausschliesslich über den Apple App Store erhältlich) zulässt. Damit erhält Apple eine uneingeschränkte macht über Programme und Inhalte auf iOS-Geräten und kann beispielsweise den Vertrieb der Software von Konkurrenten (oder Konkurrenten von Geschäftspartnern) in ihrem App Store unterbinden. Apple kann (theoretisch) sogar bereits installierte Software vom iPhone bzw. iPad löschen (vgl.: Ingo Pakalski, “Apple bestätigt Fernlöschfunktion auf dem iPhone“, Golem, 11.08.2008). Doctorow glaubt, dass die Benutzer zukünftig sich stärker gegen solche geschlossene (regulierten) Systeme zur Wehr setzen müssen und somit bin ich bereits jetzt auf seine Ausführungen im Vortrag “The coming war on general computation” gespannt.

Wer übrigens bei Stratfor einen “Zahl-Account” besitzt, sollte sein Kreditkarteninstitut kontaktieren, denn Stratfor wurde am 24. Dezember 2011 von Anonymous gehackt. Daraufhin tauchte im Netz eine Liste mit Firmen bzw. Organisationen auf, die bei Stratfor einen Account besitzen (davon lässt sich jedoch nichts ableiten). Bedenklicher ist jedoch, dass dabei auch Emails, persönliche Informationen und die Daten von 90’000 Kreditkarten abgezapft wurden. Das Eindringen in einen Webserver ist per se nicht sehr schwierig, wird ein Webserver doch dazu ins Netz gestellt um Daten auszuliefern. Der eigentliche Skandal ist eher, dass Startfor persönliche Informationen seiner Kunden unverschlüsselt auf einen von aussen zugänglichen Server aufbewahrt (vgl.: Nicole Perlroth, “Hackers Breach the Web Site of Stratfor Global Intelligence“, The New York Times, 25.12.2011).

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