Markt-Rundschau: Bodengestützte Luftverteidigung

Die bodengestützte Luftverteidigung (BODLUV) der Schweizer Armee ist in die Jahre gekommen: Die Wirkungshöhe ist mit rund 3’000 m über Boden zu gering, das Gleiche gilt für die Reichweite und auch die Unwirksamkeit gegenüber Lenkflugkörpern sowie Artilleriegeschossen ist heutzutage kaum mehr akzeptierbar. Ein neues System sollte jegliche Flugobjekt – also auch Drohnen, Lenkflugkörper und Artilleriegeschosse – bei Tag und bei Nacht sowie bei jedem Wetter bis auf eine Höhe von rund 15 km und einer Reichweite von rund 50 km erfolgreich bekämpfen können. Die flächenmässige Abdeckung eines solchen Systems sollte bei rund 6’000 km2 liegen. Ausserdem sollte es problemlos in den momentan bereits bestehenden Systemverbund aus Sensoren, Effektoren, Führungssystemen, Flugplätzen, Kommunikationsmitteln und Luftfahrzeugen integriert werden können, mobil einsetzbar und nicht bloss transportabel, möglichst günstig zu beschaffen (max. 800 Millionen SFr) und politisch unverfänglich sein.

Der Anforderungskatalog der Schweizer Armee ist sehr hoch gesteckt. Momentan erfüllt kaum ein einziges System all diese Auflagen, was schliesslich ein Faktor bei der Sistierung des Projektes BOLDUV 2020 durch den Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), Bundesrat Gut Parmelin darstellte. Nach der Sistierung, im Juli 2017, gab Parmelin bekannt, dass das Projekt für die bodengestützte Luftverteidigung neu initiiert werden soll. Deshalb wollen wir in diesem Artikel eine kleine Markt-Rundschau durchführen: Welche moderne bodengestützten Luftverteidigungssysteme gibt es, welche Charakteristiken weisen sie auf und welche Systeme könnten es in eine Auswahlliste der Schweizer Armee schaffen?

MANTIS von Rheinmetall Defense

MANTIS von Rheinmetall Defense

MANTIS von Rheinmetall Defense
Bei MANTIS von Rheinmetall handelt es sich um eine Weiterentwicklung des Skyshield (mit GDF-007 Geschützen), welches wiederum eine Weiterentwicklung der auch in der Schweiz im Einsatz stehenden Oerlikon 35-mm-Zwillingskanone (GDF-005) darstellt. Wie der Name MANTIS (Modular, Automatic and Network capable Targeting and Interception System) bereits suggeriert, wurden Verbesserungen insbesondere im Bereich der Vernetzung mit externen Sensoren erzielt. Neben Flugzeugen und Hubschraubern soll MANTIS auch gegen Drohnen, Lenkflugkörpern und Artilleriegeschossen wirksam sein. Standardmässig ist das System für die Zielbekämpfung im Nahbereich ausgelegt; die Erfassungsreichweite von Zielen könnte jedoch mit einer Vernetzung mit Mittel- und Weitbereichsradars bedeutend ausgedehnt werden. Ebenfalls neu ist der Einsatz von AHEAD-Munition, welche aus 152 Subprojektilen einer Wolframlegierung besteht (je 3,3g pro Subprojektil), die rund 10-30 m vor dem Ziel freigegeben werden und eine “Wolke” bilden. Damit kann ein Ziel bereits durch Annäherung vernichtet werden, was die Effektivität erhöht.

Ein System umfasst eine Bedien- und Feuerleitzentrale (BFZ), zwei Radar-Sensoren sowie bis zu vier GDF-020-Geschütze je Sensor (die Deutsche Bundeswehr scheint jedoch nur immer drei Geschütze pro Sensor einzusetzen). Für einen 24/7 Einsatz werden 16 Soldaten in der BFZ benötigt und weitere 20 Soldaten sind für die Instandhaltung und die Beladung zuständig. Die mitgelieferten Radar-Sensoren sollen in der Lage sein, ein Ziele von einer Grösse eines Tennisballs auf eine Entfernung von maximal 20 km zu erfassen. Auch wenn MANTIS in der Nahbekämpfung sehr effektiv erscheint, können damit die Bedürfnisse der Schweizer Armee bei weitem nicht abgedeckt werden: Langsame bzw. nicht deutlich den Kurs ändernde Luftfahrzeuge sollen bis 5 km, die restlichen Ziele bis rund 3 km erfolgreich bekämpft werden können. Die flächenmässige Abdeckung fällt mit rund 1 km2 bescheiden aus; MANTIS ist somit für die Punktziel- jedoch nicht Flächenverteidigung geeignet. Ausserdem sind die System-Komponenten zwar transportabel, aber nicht mobil. Der Preis eines Systems soll bei rund 138 Millionen Euro liegen.

Eigentlich war MANTIS ab 2011 für den Schutz der deutschen Feldlager in Afghanistan vorgesehen. Daraus wurde schliesslich nichts. Offiziell hiess es im September 2011, dass der Raketenbeschuss abgenommen habe und die Schutzmassnahmen wie Bunkerbauten stark verbessert worden seien. Ausschlaggebend könnte jedoch auch die zu dieser Zeit noch fehlende Präzision des Systems und Probleme mit der Zerlege-Rate der AHEAD-Munition gewesen sein. Schliesslich Ende November 2012 wurde MANTIS an die Flugabwehrraketengruppe 61 des Flugabwehrraketengeschwader 1 übergeben (Ulrich Rapreger, “MANTIS übergeben und einsatzbereit“, Europäische Sicherheit & Technik, Januar 2013, S. 44-45). Gemäss Angaben von Military Balance 2017 verfügt die Deutsche Bundeswehr momentan über zwei MANTIS-Systeme — exportiert wurden bis jetzt keine Systeme. Ab kommendem November soll eines der Systeme — bzw. dessen Sensoren und die BFZ, jedoch nicht die Geschütze — in Mali als Warn-Einrichtung zum Einsatz kommen, so dass sich die Truppe bei einem Beschuss rechtzeitig in Sicherheit begeben kann (“Germany Deploying MANTIS C-RAM System to Mali“, DefenceWeb, 22.08.2017.)

RAPIDfire von Thales

RAPIDfire von Thales

RAPIDFire von Thales
Bei RAPIDFire von Thales handelt es sich um ein neueres System, welches 2011 bei der französischen Armee getestet und der Öffentlichkeit 2012 an der Eurosatory vorgestellt wurde. 2016 zeigte Thales an der Euronaval 2016 eine seegestützte Variante des Systems: den RAPIDSeaGuardian.

Ähnlich wie MANTIS gehört RAPIDFire in die Kategorie der Nächstbereichschutzsystem und eignet sich vor allem für die Punktzielverteidigung. Neben den herkömmlichen Flugobjekten, wie auch Drohnen, Lenkflugkörper, Artilleriegeschosse kann das System auch gegen Bodenziele eingesetzt werden. Gegen Ziele in der Luft wird AHEAD-Munition mit 200 Subprojektilen (je 3,3g pro Projektil) einer Wolframlegierung eingesetzt (Einsatzdistanz: max. 4 km). Gegen umgepanzerte Bodenziele wird Explosiv-Munition (General Purpose Round-Air Burst) Munition (Einsatzdistanz: max. 2,5 km), gegen gepanzerte Bodenziele Pfeilmunition (Armour-piercing fin-stabilized discarding-sabot) eingesetzt (Einsatzdistanz max. 1,5 km). Mit dem System sollen auch separat anzuschaffende STARStreak Lenkflugkörper eingesetzt werden können, mit denen Luft- und Bodenziele bis zu maximal 7 km bekämpft werden können. Zum kompletten System gehört nebst maximal vier Feuereinheiten auch ein CONTROLMaster 60 als Kommando- und Kontrolleinheit sowie ein 3D GROUNDMaster 60 Radar, welcher potentielle Luftziele zwischen max. 40-80 km Entfernung erkennen kann.

Alle Komponenten von RAPIDFire sind nicht nur mobil, sondern sind für einen Einsatz während der Verschiebung ausgelegt (beispielsweise zum Selbstschutz). Für einen 24/7 Einsatz werden 6 Soldaten benötigt. Bezüglich der Reichweite erfüllt das System die Anforderungen der Schweizer Armee nicht.

SAMP/T von Eurosam

SAMP/T von Eurosam

SAMP/T von Eurosam
Bei SAMP/T (Surface-to-Air Missile Platform/Terrain) von Eurosam (66% MBDA und 33% Thales) handelt es sich ebenfalls um ein neueres, europäisches Produkt, welches neben herkömmliche Flugobjekte, auch Drohnen, Lenkflugkörper und Artilleriegeschosse abwehren kann. Die französische Armee testete SAMP/T im Februar 2011 und setzte es anschliessend am G8-Gipfeltreffen (26–27 May 2011) in Deauville ein. Seit Juni 2012 ist das erste italienische Regiment mit dem System ausgerüstet und am 6. März 2013 wurden sowohl die französische wie auch italienische Systeme im Verbund der NATO eingesetzt (“SAMP/T Mamba Aster 30 surface-to-air defense missile system technical data sheet pictures video“, Army Recognition, 08.04.2013). Gemäss Angaben von Military Balance 2017 verfügt die Französische Luftwaffe über 9, Italien über 16 Systeme.

Als bodengestütztes Luftverteidigungssystem mittlerer Reichweite werden zum Abschuss eines Ziels standardmässig Flugabwehrraketen des Typs Aster 30 Block 1 eingesetzt. Es handelt sich dabei um eine zwei-stufige Feststoff-Rakete von 4,9 m Länge und 450 kg Gewicht, wobei der Splittersprengkopf 15 kg ausmacht und über einen Aufschlag- und Näherungszünder verfügt. Damit kann ein herkömmliches Flugobjekt auf eine Distanz von min. 3 km und max. rund 120 km (inoffiziell 160 km) Entfernung und bis zu einer Höhe von 20 km bekämpft werden — es scheint jedoch, dass ballistische Lenkwaffen und radargeschützte Ziele nur bis auf eine Maximaldistanz von 15 km zerstört werden können. Die Aster 30 soll mit dem Block 1 NT (New Technology) modernisiert und damit die Reichweite vergrössert werden. Damit sollen ballistische Lenkwaffen innerhalb einer Entfernung von 1,5-600 km abgefangen werden können. Die Entwicklung wird jedoch nicht vor 2023 abgeschlossen sein — die Auslieferung könnte 2024 erfolgen.

Das System umfasst neben vier bis sechs Starterfahrzeugen mit je acht Aster 30 auch mindestens eine Kommando- und Kontrolleinheit, ein Fahrzeug mit einem “Arabel” Radar (der Einsatz anderer Radar-Typen ist möglich) und ein Fahrzeug mit einem elektrischen Generator. Soll es möglich sein, die Starterfahrzeuge nach einem Einsatz mit neuen Abwehrraketen zu bestücken, so sind noch weitere Fahrzeuge mit hydraulischen Kränen und mit Reserveraketen notwendig. Das System ist mobil — für den Einsatz müssen die hydraulischen Stabilisatoren jedoch ausgefahren sein. Für den Betrieb sind 14 Soldaten notwendig.

Auf den ersten Blick scheint SAMP/T die Anforderungen der Schweizer Armee mit wenigen Abstrichen zu genügen. Für einen nahezu flächendeckenden Schutz der Schweiz wären mindestens drei Systeme notwendig (Abdeckung von 30’000 km2 pro System). Optional könnten auch Lenkwaffen des Vorgängermodels Aster 15 eingesetzt werden, welche jedoch mit einer Reichweite von 1,7-30 km (inoffiziell 50 km) eine deutlich geringere flächenmässige Abdeckung aufweist. Dass während dem Flug zum Ziel der Booster abgeworfen wird, ist bei überbautem Gelände jedoch nicht unproblematisch. Der Preis einer Rakete beträgt rund 1,7 Millionen SFr — für das Gesamtsystem wäre rund eine halbe Milliarde SFr einzuplanen.

 
IRIS-T SLM von Diehl Defence
Bei IRIS-T SLM von Diehl Defence handelt es sich um ein auf der Lenkwaffe IRIS-T SL beruhendes Luftverteidigungssystem, welches kurz vor seiner operationellen Einführung steht. Die Lenkwaffe IRIS-T SL stellt die Boden-Luft Variante der IRIS-T dar, welche über einen stärkeren Raketenmotor verfügt und deshalb bis zu 40 km zurücklegen und eine Höhe von 25 km erreichen kann. Dadurch soll eine flächenmässige Abdeckung von 5’000 km2 pro System möglich sein. Die Lenkwaffe IRIS-T SL soll zukünftig auch noch in anderen Projekten, wie beispielsweise bei der Weiterentwicklung des Patriot System eingesetzt werden (siehe weiter unten).

IRIS-T SLM von Diehl Defence

IRIS-T SLM von Diehl Defence

Alle Komponenten des Systems sind in standardisierten 20-Fuss-ISO-Containerrahmen integriert und können somit unabhängig von der Art des Trägerfahrzeuges verschoben werden. Standardmässig soll IRIS-T SLM mit einem 3D-Multifunktionsradar CEAFAR von CEA Technologies ausgeliefert werden, der Einsatz von anderen Sensoren ist möglich. Ebenfalls zum System gehört ein taktisches Operationszentrum, welches durch zwei Soldaten bediehnt werden kann. Die Feuereinheit kann 8 Lenkwaffen aufnehmen und soll nach Einfahrt in 10 Minuten vollautomatisch aufgebaut, ausnivelliert und feuerbereit sein. Wird auf ein Ziel gefreut, so erhält die Lenkwaffe die Zieldaten vom Radar, welche während des Fluges über Datenlink aktualisiert werden. Die Endphasenlenkung ins Ziel wird durch einen Infrarot-Suchkopf sichergestellt. Dies führte beim Projekt BODLUV 2020 zu einer Kontroverse zwischen Diehl Defence und der Schweizer Luftwaffe, welche der Lenkwaffe IRIS-T SL die Allwettertauglichkeit nicht bescheinigen wollte (Kurt Grüter, “Administrativuntersuchung Im VBS: BODLUV 2020“, 21.09.2016, S. 55ff). Abgesehen davon scheint das System die Anforderungen der Schweizer Armee mit wenigen Abstrichen zu genügen — jedenfalls auf dem Papier.

CAMM-ER von MBDA
Auch beim CAMM-ER von MBDA handelt es sich um ein in Entwicklung befindliches, europäisches, bodengestütztes Luftverteidigungssystem, welches um eine Lenkwaffe herum aufgebaut wurde. Die CAMM (Common Anti-Air Modular Missile) existiert in vier Varianten: Luft-Luft (CAMM(A)), Boden-Luft (CAMM(L)), See-Luft (CAMM(M)) und in einer “extended reach”-Version (CAMM-ER). “Extended reach” heisst, dass mindestens 45 km anstatt bloss 25 km Wirkungsdistanz erreicht werden sollen — momentan ist dies jedoch noch nicht der Fall. Genau dies wurde im Rahmen des Projekt BODLUV 2020 bemängelt: Die momentane Lenkwaffe legt zwar die Angegebenen 45 km zurück, besitzt dann aber zur Zerstörung des Ziels zu wenig Energie (Kurt Grüter, “Administrativuntersuchung im VBS: BODLUV 2020“, 21.09.2016, S. 56). Auch die maximal erreichbare Höhe von 10 km überzeugt hinsichtlich den Anforderungen der Schweizer Armee nicht.

Iron Dome von Rafael Advanced Defense Systems

Iron Dome von Rafael Advanced Defense Systems

Iron Dome und David’s Sling von Rafael Advanced Defense Systems
Vermutlich kein anderes Luftverteidigungssystem wurde seit seiner operationellen Inbetriebnahme (2011) im Echteinsatz so intensiv auf die Probe gestellt wie Iron Dome von Rafael Advanced Defense Systems. Bis Ende Oktober 2014 sollen die in Israel eingesetzten Systeme rund 1’200 Raketen abgeschossen haben. Dabei soll Iron Dome eine Erfolgsrate von annähernd 90% aufweisen (“Israeli Firm Adapts Iron Dome for Intercepts at Sea“, DefenseNews, 27.10.2014) — eine Erfolgsrate, welche unter Experten nicht unbestritten ist.

Bei Iron Dome handelt es sich um ein bodengestütztes Luftverteidigungssystem kurzer Reichweite, welches primär zur Abwehr von Kurzdistanz-Lenkflugkörpern und Artilleriegeschossen entwickelt wurde, aber mittlerweile auch auch andere Flugkörper zwischen einer Entfernung von 4-70 km und einer Höhe von bis zu 10 km vernichten kann. Die flächenmässige Abdeckung eines Systems beträgt 150 km2.

Das System besteht aus drei Komponenten: ein EL/M-2084-Multi-Mode-Radar produziert von Elta und Israel Aerospace Industries, eine Kommando- und Kontrolleinheit produziert von mPrest Systems und eine Feuereinheit mit 20 Abfangraketen des Typs “Tamir”. Die einzelnen Komponenten können zwar relativ rasch verlegt werden, sie müssen jedoch vor ihrem Einsatz auf dem Boden abgesetzt werden.

Bei Iron Dome kann zwischen geschütztes und ungeschütztes Gebiet unterschieden werden kann. Damit können Flächen bei denen ein Einschlag einer Rakete keinen Schaden verursacht explizit vom Schutz ausgeklammert werden. Je nach Gelände kann dies die Kosten reduzieren, denn eine Abfangrakete schlägt mit rund 70‘000 US-Dollar zu Buche. Im Gegensatz dazu verschiessen die Israelis pro Ziel in der Regel gleich zwei Abfangraketen um den Abschuss zu garantieren. Eine Batterie kostet insgesamt rund 50 Millionen US-Dollars. Alles in allem werden die Anforderungen der Schweizer Armee mit dem System nicht erfüllt. Ausserdem ist bei der Beschaffung eines israelischen Systems mit zusätzlichen politischen Diskussionen zu rechnen.

Es ist kaum zu erwarten, dass die Reichweite von Iron Dome durch die Weiterentwicklung der Abfangraketen vergrössert wird, denn als bodengestützten Luftverteidigungssystem mittlerer Reichweite wird Israel ein anderes, neu entwickeltes System des gleichen Herstellers einsetzen, welches die Systeme MIM-23 Hawk und MIM-104 Patriot ersetzen soll: David’s Sling. Das System soll herkömmliche Flugobjekte, Drohnen, Lenkflugkörper und Artilleriegeschosse in einer Reichweite zwischen 40 km und 300 km abwehren — Iron Dome wird also nicht ersetzt, sondern ergänzt. Die standardmässigen Abfangraketen von David’s Sling (“Stunner”) sind für rund einer Million US-Dollar pro Stück zu haben.

David’s Sling basiert wie Iron Dome auf dem selben EL/M-2084-Multi-Mode-Radar, wartet jedoch zusätzlich mit einem “Golden Almond Battle Management Center” sowie einer Anzahl Feuereinheiten auf, welche jeweils mit maximal zwölf “Stunner”-Raketen bestückt werden können. Das System ist seit April 2017 operationell — Kinderkrankheiten sind also nicht auszuschliessen.

SPYDER von Rafael Advanced Defense Systems
SPYDER ist der kleine, günstigere Bruder des Iron Domes. Der Produktname Surface-to-air PYthon and DERby steht für die beiden Varianten des Systems: kurze und mittlere Reichweite. Bei der kurzen Reichweite wird die Python-5-Lenkwaffe mit einer Einsatzdistanz von rund 20 km und eine Einsatzhöhe von 9 km eingesetzt — das System ist seit 2004 operationell. Bei der mittleren Reichweite kommt die Derby-Lenkwaffe mit einer Einsatzdistanz von rund 50 km und einer Einsatzhöhe von 16 km zum Einsatz — dieses System ist seit 2011 operationell. Sowohl die Python-5 wie auch die Derby wurden ursprünglich als Luft-Luft-Lenkwaffen konzipiert und später zur Boden-Luft-Variante weiterentwickelt. Sie unterscheiden sich auch in der Endphasensteuerung: Bei der Python-5 geschieht dies über einen Infrarot-Sensor, was sie womöglich empfindlich auf Wettereinflüsse macht; bei der Derby über Radar. Beide Varianten des SPYDER-Systems unterscheiden sich auch in der Art des eingesetzten Radars: ein EL/M-2106 ATAR bei der kurzen, ein EL/M-2084-Multi-Mode-Radar bei der mittleren Reichweite (dieser Radar wird auch bei Iron Dome eingesetzt). Neben dem Radar und der Feuereinheit, welche acht Raketen aufnehmen kann, beinhaltet das System auch noch eine Kommando- und Kontrolleinheit von Israel Aerospace Industries.

Neben dem IRIS-T SLM und dem CAMM-ER war SPYDER (mittlere Reichweite) das dritte System, dessen Effektoren auf der Shortlist des Projekt BODLUV 2020 stand. Rafael Advanced Defense Systems war jedoch nicht bereit die von den Schweizer Rüstungsbeschaffern eingeforderten klassifizierten Informationen zu liefern, weshalb es schliesslich von der Liste gestrichen wurde. Sämtliche Erprobungen hätten in Israel durchgeführt werden müssen. Ausserdem fehlte eine Preisaufschlüsselung auf die einzelnen Komponenten und das Gesamtsystem war zu teuer (Kurt Grüter, “Administrativuntersuchung Im VBS: BODLUV 2020“, 21.09.2016, S. 40, 90).

MIM-104F (PAC-3) Patriot von Raytheon

MIM-104F (PAC-3) Patriot von Raytheon

MIM-104 Patriot von Raytheon
Beim MIM-104 Patriot von Raytheon handelt es sich vermutlich um das bekannteste bodengestützte Luftverteidigungssystem. Es gehört jedoch auch zu den älteren Systemen, was sich unter anderem darin zeigt, dass es im Gegensatz zu den anderen aktuellen Systemen nur einen Bereich von 120° abdeckt (jedenfalls bis jetzt — mit diesem Jahr soll ein neuer verbesserter Radar ausgeliefert werden, welcher eine 360° Abdeckung ermöglichen soll). Die erste Basisversion (MIM-104A) ging 1984 operationelle in den Einsatz. Eine verbesserte Version (MIM-104C) mit PAC-1 Abfangraketen wurde im Golfkrieg von 1991 als Schutz vor irakischen Scud-Raketen eingesetzt. Damit wurde gleichzeitig der erfolgreiche Einsatz eines Anti-Ballistic Missile Systems unter Beweis gestellt, auch wenn dessen Effektivität umstritten blieb.

Mit der MIM-104F ist seit 2001 eine komplett überarbeitet Version im Einsatz. Damit können zwei Typen von Abfangraketen eingesetzt werden:

  • Die PAC-2 Abfangrakete von Raytheon ist auf den Abschuss von herkömmliche Flugobjekte spezialisiert, kann jedoch auch gewisse ballistische Lenkwaffen abschiessen. Eine Feuereinheit kann vier PAC-2 aufnehmen; die Reichweite beträgt 3-160 km und die maximale Einsatzhöhe 24 km. Eine Rakete kostet rund 2 Millionen US-Dollar.
  • Die PAC-3 Abfangrakete von Lockheed Martin weist eine höhere Effektivität gegenüber ballistischen Lenkwaffen auf, was jedoch auf Kosten der maximalen Einsatzdistanz geht, welche nur noch zwischen 15-45 km liegt. Die maximale Einsatzhöhe beträgt 15 km. Die PAC-3 kann das Ziel durch einen direkten Treffer oder durch Annäherung zerstören, wobei bei letzteren Variante 24 Subprojektilen einer Wolframlegierung ausgestossen werden. Die Kosten pro Abfangrakete belaufen sich auf rund 3 Millionen US-Dollar.

That quadcopter that cost 200 bucks from Amazon.com did not stand a chance against a Patriot. […] Now, that worked, they got it, OK, and we love Patriot missiles, […] [but] I’m not sure that’s a good economic exchange ratio. — US Army General David Gerard Perkins an der 2017 Konferenz der Association of the United States Army, 15’00”.

Bei der Deutschen Bundeswehr verfügt eine Patriot-Staffel über einen Multifunktionsradar, acht Feuereinheiten, einen Feuerleitstand, eine Stromversorgungsanlage und einen Richtfunktrupp mit Generatoren und Antennenmastanlage, welcher mehrere Patriot-Einheiten mit bis zu vier Richtfunkstrecken über weite Distanz mit hoher Redundanz und Störfestigkeit verbinden kann. Alle Teilkomponenten sind auf Lastwagen verladen und mobil einsatzfähig, doch der Aufwand zum Betrieb ist im Vergleich zu anderen Systemen relativ hoch, personalintensiv (unterbruchsfreien Betrieb einer Batterie sind bis zu 100 Soldaten notwendig) und teuer. Polen will acht Patriot-Systeme anschaffen, was 7,6 Milliarden US-Dollar kosten soll. Damit folgt Polen dem Beispiel von Rumänien, welches sieben Systeme zu einem Preis von 3,9 Milliarden US-Dollar anschafft — das erste System soll noch Ende dieses Jahres einsatzfähig sein. In der Auslieferung befinden sich die zehn Patriot PAC-3 Systeme für Katar, welche gemäss SIPRI’s Trade Register 7,6 Milliarden US-Dollar kosten — die Auslieferung soll bis 2019 abgeschlossen sein.

Mit einer flächenmässigen Abdeckung von rund 5’000 km2 müsste auch die Schweiz bei der Anschaffung mehrerer Systeme tief in die Geldbörse greifen. Abgesehen davon werden auch hier die Anforderungen der Schweizer Armee nicht komplett abgedeckt. Der Abschuss eines Billig-Quadrokopter mit einer 3 Millionen US-Dollar Rakete würde zwangsläufig auch in der Schweiz eine heftige Diskussion auslösen. Auch sonst steht Aufwand und Ertrag für die Schweiz bei diesem in die Jahre gekommenen Systems in keinem Verhältnis. Ausserdem wird die Schweiz bei der Beschaffung kaum von einem Technologietransfer profitieren können, da die kritischen Komponenten des Systems — wie üblich bei den US-Systemen — als abgeschlossene “Black Boxes” ausgeliefert werden.

Momentan existieren zwei Nachfolge-Projekte, welche das Patriot-System langfristig ablösen sollen:

  • Bei der Patriot Advanced Affordable Capability-4 (PAAC-4) handelt es sich um eine Variante des israelischen “David’s Sling” bei dem neben Rafael Advanced Defense Systems auch Raytheon an der Entwicklung beteiligt ist (zum System siehe weiter oben).
  • Beim Medium Extended Air Defense System (MEADS) arbeiten die USA, Deutschland und Italien zusammen. MEADS soll einen 360° Schutz gegen herkömmliche Flugobjekte, Drohnen, Lenkwaffen aller Art und grosskalibrige Raketen- und Artilleriegeschosse bieten. Es soll in seiner Minimalkonfiguration über einen Multifunktions- und Feuerleitradar, eine Kommando- und Kontrolleinheit und mindestens zwei Feuereinheiten aufweisen. Das System kann jedoch zusätzlich durch einen Überwachungsradar, maximal vier Feuereinheiten und drei Nachladefahrzeuge ergänzt werden. Von der Reichweite entspricht es dem MIM-104F (PAC-3) weil es sich standardmässig auf denselben Abfangraketen abstützt. Damit wird auch MEADS wohl zu den teureren Systemen gehören. Die Deutschen haben jedoch durchblicken lassen, dass sie zusätzlich zur PAC-3 auch die IRIS-T SL als Lenkwaffe einsetzen möchten.
S-350E Vityaz von Almaz-Antey

S-350E Vityaz von Almaz-Antey

S-350E Vityaz und S-400 von Almaz-Antey
Beim S-350E Vityaz von Almaz-Antey handelt es sich um ein russisches System, was hinsichtlich einem Einsatz in der Schweizer Armee einige politische und technische Risiken mitbringen würde. Wie sensibel insbesondere die USA auf den Kauf russischer Systeme durch NATO-Mitgliedsstaaten reagieren, zeigte sich im Falle der Türkei, welche anfangs September den Erwerb zweier russischer S-400 Triumf Systeme vereinbart hatte. Dadurch wurden die bereits angespannten US-türkischen Beziehungen weiter belastet. Natürlich ist die Schweiz nicht in der NATO und grundsätzlich steht es ihr frei auch russische und chinesische Systeme zu erwerben, doch genauso frei sind die USA zu entscheiden, wem sie zukünftig ihre Systeme verkaufen — und von diesen hat die Schweiz momentan einige im Einsatz. Nicht nur ist die Schweiz kein NATO-Mitgliedsstaat, im Gegensatz zur Türkei ist ihre geopolitische Bedeutung für die USA unbedeutend — rüstungspolitisch könnte die Schweiz bei einem offensichtlichen Affront deshalb stark unter Druck geraten. Mit den momentanen Spannungen zwischen den westliche Staaten und Russland stellt die Beschaffung eines russischen Systems, welches mindestens die nächsten 30 Jahre unterhalten werden muss (inklusive Nachschub von Ersatzteilen) ein unötig hohes Risiko dar. Nicht zu vernachlässigen sind ausserdem die Risiken einer erfolgreichen Integration in den bereits bestehenden Systemverbund, welche momentan durch die im Westen geltenden Standards (wie beispielsweise Link 16 oder “Plug and Fight“) definiert ist (siehe auch http://www.al-monitor.com/pulse/originals/2017/07/turkey-russia-west-missile-defense-system-crisis.html).

Als Ersatz für die älteren S-300PS geisterte das S-350E Vityaz System bereits gegen Ende der Sowjetunion als Konzept herum. Doch erst nach dem Südkorea 2007 sein Interesse an dem System bekundete und die Entwicklung einer speziell auf die Bedürfnisse Südkoreas abgestimmte Variante (KM-SAM bzw. Cheolmae II) mitfinanzierte, wurde an im Feuerleitstand, den eingesetzten Radarkomponenten und in den Trägerfahrzeugen unterscheidenden südkoreanischen und russischen Prototypen gearbeitet. Der südkoreanische Prototyp wurde 2010 fertiggestellt, die ersten Feldtests erfolgten 2011 und das System erreichte seine operationelle Reife 2015. Der russische Prototyp folgte 2012; bis 2020 hofft Russland bis zu 30 Stück produzieren zu können (Defence Intelligence Agency, “Russia Military Power“, 2017, S. 80).

Die südkoreanische Variante des Systems: Cheolmae II.

Die südkoreanische Variante des Systems: Cheolmae II.

Die Leistung des S-350E Vityaz Systems hängt von der Art der eingesetzten Abfang-Lenkwaffen ab. Die maximale Einsatzdistanz liegt zwischen 60 km bei einer maximalen Einsatzhöhe von 20 km (9M96E) und 120 km Distanz bei 30 km Höhe (9M96E2). Die Endphasenlenkung geschieht bei beiden Abfang-Lenkwaffen über einen eingebauten Radarsensor. Diese Lenkwaffen können ebenfalls mit dem S-400 Triumf System eingesetzt werden, welches ebenfalls von Almaz-Antey entwickelt wurde. Das S-350E Vityaz System setzt sich aus mindestens einem 50N6A Multifunktional-Radar, einer 50K6A Kommando- und Kontrolleinheit und 1-8 50P6 Feuereinheiten zusammen, welche je 12 Lenkwaffen aufnehmen können. Das System ist mobil und soll innerhalb von 5 Minuten einsatzfähig sein.

Das S-400 Triumf System (früher auch unter der Bezeichnung S-300PMU-3 geführt) umfasst vier verschiedene Lenkwaffen: neben den beiden 9M96-Lenkwaffen kann auch 48N6 (max. 250 km Einsatzdistanz) und die 40N6 (max. 400 km Einsatzdistanz) eingesetzt werden. Das System umfasst eine auf einem Ural-5323 aufgebaute 55K6E Kommando- und Kontrolleinheit, einen auf einem MZKT-7930 montierten 91N6E Detektionsradar mit einer Reichweite von 600 km, einem zusätzlichen Multifunktional-Radar mit einer Reichweite von 400 km und bis zu 12 Feuereinheiten. Ein solches System könnte die vierfache Fläche der Schweiz abdecken, was aber bei den Nachbarstaaten der Schweiz ziemliches Missfallen erzeugen würde.

Panzir-S1 auf einem GM-352-Chassis.

Panzir-S1 auf einem GM-352-Chassis.

Panzir-S1 von KBP Instrument Design Bureau
Beim Panzir-S1 des KBP Instrument Design Bureaus handelt es sich um ein weiteres russisches System. Der erste Prototyp wurde 1994 fertiggestellt und an der MAKS in 1995 vorgestellt. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten verzögerte sich die Weiterentwicklung und so wurden praktische Erprobungen erst in den Jahren 2006/2007 durchgeführt. Operationell wurde das System erst 2012 bei den russischen Streitkräften eingeführt.

Bei der Panzir-S1 handelt es sich um ein System, welches primär zur Punktzielverteidigung konzipiert wurde und unter anderem von den russischen Streitkräften zum Nahschutz von operativen bodengestützten Luftverteidigungssystemen (S-300/S-400), Luftwaffenstützpunkten und Raketenwerferstellungen eingesetzt wird. Neben Luftzielen können damit auch Bodenziele bekämpft werden. Das System ist nicht nur mobil, sondern für einen Einsatz während der Verschiebung ausgelegt. Als Trägerfahrzeug kommen verschiedene Varianten in Frage, wie beispielsweise der KamAZ-6560 8×8 bzw. der MZKT-7930 8×8 (Reifenfahrzeuge) oder das GM-352-Chassis (Kettenfahrzeug). Die 50 von den Vereinigten Arabischen Emiraten gekauften Systemen sind teilweise auf deutschen MAN SX 45 8×8 Lastwagen montiert.

Der integrierte Radar hat eine Reichweite von max. 20 km und einer Höhe von 15 km. Mehrere Panzir-S1-Systeme können auch untereinander, mit weiteren Radars und mit einer Kommando- und Kontrolleinheit vernetzt werden. Als Lenkwaffe werden standardmässig pro System 12 zweistufige 57E6 oder 57E6-E eingesetzt, welche maximal die gesamte Reichweite des integrierten Radars abdecken können (“The Modernization of Russian Ground Force’s Air Defense Assets”, OEWatch 6, Issue 2, Februar 2016, p. 53). Zusätzlich verfügt das System über eine 2A38M 30mm Zwillingskanonne, welche Ziele bis zu einer Distanz von 4 km und einer Höhe von 3 km bekämpfen kann. Der Betrieb kann vollautomatisch erfolgen, so dass für den Abschuss eines sich Nähendern Zieles kein Bedienungspersonal notwendig ist (Yuriy Rossolov, “Камчатка под панцирем“, Krasnaya Zvesda, 25 June 2017, übersetzt in OEWatch 7, Issue 7, August 2017, p. 9).

Haben Sie weitere potentielle Systeme als Vorschlag? Benutzen Sie die Kommentarfunktion für ihre persönlichen Ergänzungen.

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14 Responses to Markt-Rundschau: Bodengestützte Luftverteidigung

  1. Die BLN hatte schon oft alternative Rüstungsgüter aufgezeigt (zum Lesen der Ausgabe auf das Cover klicken).

  2. Martin says:

    Was sind «radargeschützte Ziele»? Ist damit «Stealth» gemeint?

    • Hallo Martin,
      mit “radargeschützten Zielen” verstehen wir Objekte, welche durch die bodengestützte Luftverteidigung abgeschossen werden sollten, welche jedoch durch technische Massnahmen einen besonders kleinen Radarquerschnitt aufweisen. Das kann durch Form, Oberflächenbeschaffenheit, Materialien usw erreicht werden. All diese Techniken werden unter dem Begriff “Stealth” zusammengefasst.

      • Lukas says:

        Sie schreiben im Artikel folgendes: “[…] es scheint jedoch, dass ballistische Lenkwaffen und radargeschützte Ziele nur bis auf eine Maximaldistanz von 15 km zerstört werden können.” In der von ihnen angegebenen englischsprachigen Quelle ist jedoch folgendes zu lesen: “Range against ballistic and anti-radiation missiles is 15 km.”. Die Übersetzung “radargeschützte Ziele” ist falsch. Mit “Anti-Radiation Missiles” sind Raketen zur Bekämpfung von Radaranlagen gemeint.

  3. Paul says:

    Wenn wir eine effektive Landesverteidigung tatsächlich noch ernst nehmen, müsste man zur effektiven Verteidigung des Luftraums russische Systeme ernsthaft in Betracht ziehen.

    Diese sind bewährt und leistungsmässig den westlichen Angeboten momentan weit überlegen. Und dies zu geringeren Kosten. Das Anbiedern an amerikanische Befindlichkeiten ist eines neutralen Landes nicht würdig – wobei anzumerken ist, dass neben Südkorea und dem NATO-Mitglied Türkei auch Griechenland Raketensysteme vom Typ S-300 betreibt.

    • Das Beispiel Griechenland habe ich schon öfters gehört. Doch wie Griechenland zu seinem S-300 PMU1 System gelangt ist, ist nicht mit der türkischen Beschaffung vergleichbar. Das System gehörte ursprünglich der Republik Zypern und wurde im Rahmen der “zypriotischen Raketenkrise” (Cyprus Missile Crisis) Ende der 1990er-Jahren den Griechischen Luftstreitkräften im Austausch für andere Waffensysteme übergeben.

  4. Paul says:

    Fakt ist, die Leistungsfähigkeit ist nicht zu verneinen. Und das sollte schliesslich das wichtigste Augenmerk sein, um unsere Unabhängigkeit zu verteidigen.

    Das Argument, dass die Amerikaner uns dann keine Rüstungsgüter mehr verkaufen würden ist – gelinde gesagt – ein Witz.

    Vor nicht mal 2 Wochen hat Saudi-Arabien einen Vetrag über mehrere russische S-400 Systeme unterzeichnet. Worauf die USA mit weiteren Milliarden-Deals für die Scheichs reagiert hat.

    Dann der Satz, es würde ” bei den Nachbarstaaten der Schweiz ziemliches Missfallen erzeugen”, wenn wir ein so starkes System besässen….

    Ich getraue mich fast nicht, dies zu beantworten, ohne die Contenance zu verlieren.

    Muss unsere Armee nun den USA und den Nachbarstaaten gefallen, oder stehen wir zu unserer Unabhängigkeit und NEUTRALITÄT – inklusive der Respektverschaffung auch gegenüber Freunden??

    Ja, dies beinhaltet auch Abschreckung. Was schliesslich die Funktion einer Armee ist.

    Ansonstens können wir besser gleich das Ganze aufgeben und uns in den “Schutz” der NATO begeben.

    Wobei wir dann im grossen Ernstfall halt auch selber zum legitimen Ziel würden.

    • Das Problem mit all den Vergleichen (Türkei, Saudi Arabien usw.) ist, dass hier ungleiche Situationen miteinander gleichgestellt werden. Ausgerechnet die Türkei und Saudi Arabien haben für die USA eine nicht zu vernachlässigende geostrategische Wichtigkeit mit der die Schweiz nicht mithalten kann. Ausserdem ist dies nur ein Faktor von mehreren, weshalb russische Systeme bei den Schweizer Rüstungsbeschaffer so gut wie keine Chance haben.

      Wer das Gripen-Debakel mitverfolgt hat, weiss wie schwierig es heutzutage in der Schweiz ist, eine Rüstungsbeschaffung von mehreren hundert Millionen SFr durch die politischen Gremien und eventuell heil durch eine Volksabstimmung zu bringen. Der Blickwinkel der Befürworter einer rüstungstechnischen Modernisierung der Schweizer Armee sollte den eines Gegners einnehmen, um zu verstehen welche Faktoren ein solches Beschaffungsvorhaben zum Scheitern bringen kann — genau gleich wie der Nachrichtenoffizier die “rote” Sichtweise einnimmt, um zu antizipieren, was der Gegner als nächstes vorhaben könnte. Dazu gehört auch die Frage, wie ein benachbarter Staat reagieren könnte, wenn ein fremdes bodengestützte Luftverteidigungssystem 100-300 km in den eigenen Luftraum hineinreicht und darin absichtlich oder nicht Luftfahrzeuge abschiessen kann. Wie wird die berechtigte Empörung des Nachbarstaates die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Beschaffung hier in der Schweiz beeinflussen?

      >… Abschreckung. Was schliesslich die Funktion einer Armee ist.

      Nicht gemäss Bundesverfassung Art 58 Abs 2: “Die Armee dient der Kriegsverhinderung und trägt bei zur Erhaltung des Friedens; sie verteidigt das Land und seine Bevölkerung. Sie unterstützt die zivilen Behörden bei der Abwehr schwerwiegender Bedrohungen der inneren Sicherheit und bei der Bewältigung anderer ausserordentlicher Lagen. Das Gesetz kann weitere Aufgaben vorsehen”

  5. Paul says:

    Sie verstricken sich immer weiter in formale Scheinargumente, um ihre ideologischen Scheuklappen nicht ablegen zu müssen.

    Abgesehen von der möglichen politischen Durchsetzungsmöglichkeit einer Beschaffung: Müsste es für ein neutrales Land nicht möglich sein, wenigstens die EVALUATION von Systemen jeglicher Prominenz durchführen zu können?

    Wie schafft es ein Land wie Indien, auf dem Weltmarkt sich unabhängig für die besten Angebote für den günstigsten Preis zu entscheiden – im freien Wettbewerb?

    Argumente, welche im übrigen auch der Schweizer Steuerzahler durchaus versteht. Vielleicht wäre dies ja auch eine mögliche Lehre aus dem Gripen-Debakel.

    Dann ihre zweite Replik mit der Bundesverfassung bezüglich Abschreckung:
    Sie wollen mir erklären, dass die Funktion einer Armee nicht per Definition eine abschreckende Funktion gegenüber Angriffen möglichen Gegner beinhaltet?

    Ein Begriff, welcher im übrigen im Schweizer Armee-Jargon klar als “Dissuasion” benannt wird?

    Dann die “zu grosse Reichweite”:
    Wo wollen sie diese Reichweiten-Grenze setzen? Ihnen ist schon klar, dass eine moderner Kampfjet pro Minute mehr als 30km zurücklegt? Jegliches Luftabwehrsystem muss, entsprechend aufgestellt, einen gewissen Radius abdecken. Sonst ist es wirkungslos. Oder denken sie, dass die italienischen, französischen oder deutschen System an unserer Grenze haltmachen?

    Oder wir gehen zurück zur jetzigen Situation, wo wir nicht mal einen Segelflieger auf 5000m Meter Höhe abschiessen könnten? Weshalb dann überhaupt Luftwehr?

    Die Schweiz hätte im Übrigen exakt die richtige Grösse, damit einzelne S-400 Batterie in der Mitte aufgestellt, unseren gesamten Luftraum abdecken könnte! Und dies ohne unsere Nachbarn zu bedrohen….

    • Hehe… ich muss ehrlich gesagt über Ihre Antwort schmunzeln — es nützt nichts, wenn Sie mich versuchen zu überzeugen. Anhand ihrer Antworten könnte man meinen, ich hätte irgendwelchen Einfluss, welche Systeme evaluiert oder angeschafft würden. Ich kann Ihnen versichern, dass dies nicht der Fall ist.

      Einfach, dass ich das hier nochmals klar mache: ich persönlich habe nichts gegen russische Systeme. Mein Standpunkt ist nicht, dass man diese Systeme nicht berücksichtigen sollte — mein Standpunkt ist, dass momentan die Berücksichtigung solcher Systeme durch die Schweizer Rüstungsbeschaffer aus verschiedensten Gründen unwahrscheinlich ist. Jetzt müssen Sie mir nur noch sagen, dass sie nicht auch dieser Meinung sind….

      • Marius says:

        Ich bin auch dieser Meinung und ich nehme an das auch Paul dieser Meinung ist, aber ich kann ja nicht für Paul sprechen 😉

        Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Vormittag Administrator

  6. Marius says:

    @ Paul
    Danke Paul!!! Endlich redet einmal jemand Klartext und verdreht nicht andauernd die Fakten. An der ganzen Sache bezüglich der Beschaffung von BODLUV und den Kampfflugzeugen stört mich am meisten die Tatsache, dass die Produkte mit dem besten Preis-/Leistungsverhältnis einfach pauschal aufgrund scheinheiliger Begründungen nicht einmal in die Evaluation miteinbezogen werden… Und am Ende kaufen die mutlosen Politiker noch die F-35 von Uncle Sam der vor Problemen nur so strotzt. Und die ewige Ausrede von wegen es sei “so schwierig” russische Produkte in unser System zu integrieren kann ich nicht mehr hören…
    Ich würde liebend gern per Initiative den inkompetenten Politikern in Bern die kostengünstigste Variante vorschreiben, aber das kann ich ja leider nicht…

  7. Apropos politisch unverfängliche Rüstungsprojekte: Das Schweizer Verteidigungsdepartement gerät wegen einem Rüstungsprojekt mit einer israelischen Firma in Erklärungsnot. Dies, da die Firma für die Schweiz Drohnen auf besetztem palästinensischem Gebiet getestet hat. Beamte des Bundes inspizierten die Aufklärungsdrohnen mehrmals vor Ort. Dies steht im Widerspruch zur Neutralitäts- und zur Nahostpolitik Berns.

    Langsam habe ich den Eindruck die machen das mit Absicht….

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