Blackwater Xe anyway

Anfangs April titelte der Tagesanzeiger: “Privatarmeen: Blackwater & Co. haben ausgeschossen“. Dies wird kaum der Fall sein. Was Blackwater betrifft, so versucht die Firma ihr altes Image mit einem neuen Namen (Xe) abzuschütteln, um weiterhin erfolgreich ihren Geschäften nachgehen zu können. Einen riesigen Imageschaden und ungewolltes Medieninteresse verursachte am 16. September 2007 eine 20-minütige Schiesserei in Bagdad, bei welcher 17 Zivilisten getötet und 24 schwer verletzt wurden. Die tödlichen Schüsse gaben nicht etwa Extremisten ab, sondern Blackwater-Mitarbeiter beim Eskortieren eines US Diplomaten-Konvoi.

There was not shooting against the convoy. There was no fire from anyone in the square. [...] The traffic policeman was trying to open the road for them. It was a crowded square. But one small car did not stop. It was moving very slowly. They shot against the couple and their child. They started shooting randomly. — Ali al-Dabbagh, irakischer Regierungssprecher zitiert in Sabrina Tavernise und James Glanz, “Iraqi Report Says Blackwater Guards Fired First“, The New York Times, 19.09.2007.

Als Folge dieser Aktion, entzog die irakische Regierung Blackwater die vermutlich gar nicht existierende Lizenz, um in Irak operieren zu können. Jedenfalls meldete die BaZ, dass die irakische Regierung im Januar 2009 angekündigt hätte, sie werde Blackwaters Lizenz zum Schutz von Diplomaten im Irak nach ihrem Ablauf im Mai 2009 nicht erneuern. Zukünftig werden Diplomaten von Triple Canopy geschützt – Umfang des Auftrags: 977 Millionen US-Dollar für die nächsten fünf Jahre. Gemäss Associated Press bleibt das Xe-Personal jedoch länger als ursprünglich geplant in Irak. Sie werden nach wie vor die Sicherheit der US Diplomaten aus der Luft und in al Hillah, Najaf und Karbala garantieren.

Ex-Blackwater head Erik Prince testifying before Congress.Xe will nach eigenen Angaben ihre bewaffneten Operationen in Kriegsgebiete reduzieren und sich wieder stärker auf logistische Leistungen und Training konzentrieren. So war es auch die Ausbildung von Sicherheits- und Söldnerpersonal, welche Blackwater in den frühen Tagen gross gemacht hatte. Dieses Geschäftsgebiet wird bei Xe unter dem Namen US Training Center (vorher Blackwater Lodge and Training Center; sogar der Domainname lautet noch “blackwaterusa.com”) unverändert weitergeführt bzw. weiter ausgebaut. Die Trainingsgelände bilden dabei das Rückgrad der Firma. Sie besitzt in Moyock, North Carolina ein Gelände von 28 km² (zum Vergleich: der gesamte Waffenplatz Thun umfasst 5,84 km²), westlich von Chicago in Mount Carroll, Illinois eine 0,8 km² grosse Anlage schwergewichtig für polizeiliche Ausbildung und versucht in Portrero, ca. 70 km östlich von San Diego ein 3,33 km² grosses Trainingsgelände für Sicherheits- und Militärfirmen zu eröffnen. Die Verlagerung des Geschäftsfeldes von Xe basiert jedoch weniger auf eine Änderung der Firmenstrategie, sondern mehr auf der Tatsache, dass sie keine Verträge für bewaffnete Operationen in Irak und Afghanistan mehr erhält. Low-cost, low altitude Airdrops in Afghanistan, durchgeführt von Blackwater/XeTatsächlich versuchte Xe in den gleichen Gebieten tätig zu werden, wie Blackwater und im Rahmen des Worldwide Personal Protection Services Programm der US-Behörden an neue Aufträge in Kriegs- und Krisengebieten zu gelangen. Blackwater erhielt ursprünglich über dieses Programm die Aufträge in Irak und Afghanistan. Nach der Absage durch die US-Behörden bot Xe den Konkurrenzfirmen in Irak und Afghanistan (DynCorp und Triple Canopy) Ausbildungs- und Trainingsleistungen an, was beide Firmen jedoch ablehnten. (Quelle: Jody Ray Bennett, “Blackwater Metamorphoses“, ISN Security Watch, 02.04.2009). Gemäss Associated Press wird Xe unter dem Namen Presidential Airways noch bis mindestens September mit ihren Helikoptern die Sicherheit von US Diplomatenkonvois aus der Luft sicherstellen. Der Vertrag dazu wurde im Februar 2009 für mindestens 22,2 Millionen US-Dollar zwischen dem US Departement of State und Xe abegschlossen. In Afghanistan führt Xe low-cost, low altitude Airdrops zur logistischen Versorgung von US Truppen durch.

McArthurXe will sich in Zukunft anderen lukrativen Gebieten widmen und versucht Aufträge im Rahmen der Africa Contingency Operations Training Assistance (ACOTA) des US Department of State zu erhalten. Vorsorglich hat Xe in Nairobi, Kenia bereits ein Büro eröffnet. Mitte Oktober 2008 gab Blackwater/Xe bekannt, dass sie auch im Bereich der maritimen Sicherheit tätig werden will und dazu mit einem Schiff (McArthur) inklusive Helikopter anti-Piraten-Aktivitäten vor der Küste Somalias unterstützen will. Um die Abhängigkeit vom US Departement of State zu lösen, gab Xe bekannt, Selbstverteidigungskurse für erfolgreiche US Sportathleten anzubieten. Darin versteckt sich vorallem eine Marketing-Offensive, denn gemäss des US Training Centers werden die Grundkurse jedem Interessierten angeboten.

Beim Personal wird sich bei der Führung des Blackwater-Nachfolgers Xe wenig ändern. Auch wenn Erik Prince im März 2009 als CEO der Firma zurückgetreten ist, so bleibt er immer noch Chairman und schlussendlich Besitzer. Unter dem Namen Total Intelligence Solutions werden weiterhin nachrichtendienstliche Dienstleistungen, unter anderem für die CIA angeboten. Sie steht nach wie vor unter der Führung von Cofer Black, ehemaliger Direktor des CIA Counterterrorist Centers (CTC) und im Range eines Botschafters früherer Koordinator der Counter-Terrorismus-Aktivitäten des US Department of State. Auch beim eingesetzten Personal in den Krisengebieten ändert sich wenig. Ob Blackwater, Xe, DynCorp oder Triple Canopy ist ziemlich egal – die “Uniform” ändert, die Söldner bleiben. Wenn Blackwater/Xe Aufträge in Irak verliert und damit Sicherheitspersonal entlässt, dann werden diese Leute anschliessend für die genau gleichen Aufträge von den nachfolgenden Firmen wieder angestellt – alles in allem also alter Wein in neuen Schläuchen.

As Triple Canopy’s work expands, the logical place to start looking and interviewing and evaluating employees will be those who are already there, those who have some skills and are already employed by Blackwater. — Alan Chvotkin, Senior Vice President und Berater des Professional Services Council.

Auch wenn Triple Canopy bis jetzt im Irak nicht negativ aufgefallen war, so hat diese Firma auch ihre Leichen im Keller. Auf der Lohnliste von Triple Canopy stehen beispielsweise salvadorianische Ex-Militärs, Peruaner, Honduraner, Nicaraguaner und Chilenen, welche von einem ehemaligen Pinochet-Offizier rekrutiert werden. Die Bezahlung dieser Leute ist lausig: im Irak verdienen sie rund 1000 US-Dollar monatlich, für englischsprechende gibt es noch 500 US-Dollar zusätzlich (Quelle: Cesar Uco, “Latin American mercenaries guarding Baghdad’s Green Zone“, World Socialist Web Site, 26.12.2005).

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Bildverzeichnis
Mitte links: Auch wenn Erik Prince als CEO von Xe zurücktritt, ist er immer noch Chairman und schlussendlich Besitzer der Firma (Photo by Mark Wilson, Getty Images).
Mitte rechts: Low-cost, low altitude airdrops in Afghanistan, durchgeführt von Blackwater/Xe.
Unten links: Mit der McArthur will Xe auch in den Geschäftsbereich der maritimen Sicherheit einsteigen.

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