Informatik


Informatik02 Jan 2010 07:38 pm

Nach ausgiebigem Schlaf war ich am 4. Tag wieder fit. Die Berichterstattung trifft etwas verspätet ein, weil ich mich am letzten Tag auf das Anhören der restlichen Vorträge konzentriert habe und am 31.12.09 zurück in die Schweiz fahren musste. Zuvor startete ich jedoch mit dem Vortrag “Wikipedia – wegen Irrelevanz gelöscht“. Es handelte sich dabei um eine Podiumsdiskussion über das Phänomen, dass in der deutschsprachigen Wikipedia die Löschanträge wegen Irrelevanz zunehmen. Schnell zeigte sich, dass es eigentlich mehr um die Frage geht, was in der Wikipedia stehen darf und was nicht. Eine gewisse Leitlinie sollten die Relevanzkriterien aufzeigen. Der Umfang dieser Relevanzkriterien (74-75 kb bei der deutschsprachigen im Gegensatz zu 15-16 kb bei der englischsprachigen Wikipedia) lässt jedoch vermuten, dass in der deutschsprachigen Wikipedia scheinbar ein regelrechter Regulierungswahn ausgebrochen ist. Auch vom Inhalt her sind die englischsprachigen Relevanzkriterien bedeutend liberaler gehalten.

Bei dieser Auseinandersetzung kann grob zwischen “Exkludisten” und “Inkludisten” unterschieden werden. Die “Exkludisten” befürworten eine strenge Auslegung der Relevanzkriterien, um mit der Löschung irrelevanter Artikelinhalte die Qualität der Wikipedia als Enzyklopädie zu steigern. Ihnen gegenüber stehen die “Inkludisten”, welche eine grosszügiger Haltung fordern und die Wikipedia nicht nur als eine Enzyklopädie sehen, sondern vielmehr als eine Omnipedia. Auf dem Podium wurde Kurt Jansson als Vertreter der “Exkludisten” und Mathias Schindler als Vertreter der “Inkludisten” vorgestellt. Jansson vertrat wie erwartet eine restriktive Handhabung der Relevanzkriterien auf Grund der inhaltlichen Qualität, welche die Wikipedia zwingen sicherstellen müsse. Die Gegner dieses Ansatzes argumentierten, dass es zur Qualitätskontrolle andere Instrumente gäbe (gesichtete und geprüfte Versionen, lesenswerte und exzellente Prädikate, die Qualitätsoffensive usw.). Der Erfolg der Wikipedia basiert unter anderem darauf, dass jeder ein – vielleicht anfänglich irrelevanter – Artikel einfügen kann, welcher mit der Zeit stetig verbessert wird. Ausserdem wird Wikipedia von vielen Leuten wegen ihrer unglaubliche Vielfalt geschätzt. Eigentlich sollte es dem Benutzer überlassen werden zu entscheiden, was für ihn relevant ist oder nicht. Diesem Ansatz will sich das Projekt Levitation von Tim Weber stärker widmen: anhand eines verteilten Versionskontrollsystems kann jeder die Wikipedia so zusammenstellen, wie er sie gerne hätte (mit oder ohne “irrelevanten” Themen, verschiedene Artikel zum gleichen Thema aber mit verschiedenen Ansichten usw.). Levitation steht erst in den Kinderschuhen und überzeugt mich (noch) nicht – mal sehen, was daraus wird. Auch Martin Haase formulierte einige interessante Verbesserungsansätze: aus Relevanzgründen gelöschte Artikel sollten beispielsweise für alle Nutzer in einem besonderen Namensraum zugänglich bleiben. Ein Beispiel dafür ist die Deletionpedia, in welcher jeder gelöschte Artikel der englischsprachigen Wikipedia automatisch hineingestellt wird. Gemäss Haase muss auch darüber diskutiert werden, ob der Administrator-Status nicht einfach abgeschafft werden sollte. Trotz diesen Vorschlägen lief die Diskussion für meinen Geschmack etwas ins Leere.

Im Vortrag “Im Herz der Bestie” von Monty Cantsin und Victor Dornberger ging es um “Medien-Hacks”, wie es beispielsweise die Yes Men mehrmals erfolgreich praktiziert hatten (siehe “Survivaball” und “Vivoleum“). Bereits 1980 gab es ein publikumswirksames Happening der Schweizer Jugendbewegung mit dem legendäre Auftritt von Herr und Frau Müller im CH-Magazin von Schweizer Fernsehen. Zum Erstaunen der anwesenden Diskussionsteilnehmer (Zürcher Politiker und der Polizeikommandanten der Stadt Zürich) nahmen die beiden Vertreter der Zürcher Jugendbewegung nicht die ihnen zugewiesenen Rollen an, sondern spielten in Anzug und Krawatte die Rolle zutiefst besorgter Bürger, welche ein Durchgreifen gegen die Krawallmacher, den Einsatz von gröberen Gummigeschossen (“wie die in Nordirland”) sowie den Einsatz der Armee forderten. (Vgl.: Daniel Weber, “Was macht eigentlich…?“, NZZ Folio 12, 2005, Absatz: Müller, Herr und Frau). Diese übertriebenen Forderungen und die dadurch unvorbereiteten Diskussionsteilnehmer führten in der Sendung zur Eskalation und schliesslich zum TV-Skandal. Dieses Spiel mit übertriebenen Forderungen wurde auch von Kriegsgegner im Jahre 2003 in der Kampagne “Mehr Krieg für alle” genutzt. Die Initianten wollten damit die Bedrohung und Absurdität des Krieges auf der Strasse für alle sichtbar machen (vgl.: “Spassguerilla wirbt Dutzende Kriegsfreiwillige in Berlin an“, Indymedia, 12.02.2003). Eine andere Methode der Medienguerilla ist die Identität einer anderen Person vorzutäuschen, wie es beispielsweise auf Twitter der falsche Franz Müntefering gemacht hatte. Da nicht alle wussten, dass es sich dabei nicht um die Aussagen des richtigen Franz Müntefering handelten (beispielsweise bei Associated Press, N-TV u.a.), war für einigen Wirbel gesorgt. Bei Wahlveranstaltung der SPD wurde als Kommunikationsplattform Twitter eingesetzt, was der falsche Müntefering ausnutzte, um Fragen via Twitter zu beantworten, bevor der richtige Müntefering zu Wort kam. Ein anderes Beispiel für den Einsatz einer falschen Identität war die Polylux-Blamasche “Die Speed-Diät”, bei welcher die Hedonistische Internationale der Polylux-Redaktion ein vermeintlicher Speed-Konsument für ein Interview unterjubeln konnte, welcher vorgab eine “Drogen-Diät” zu machen. Diese Aktion sollte aufzeigen, wie bei Einsparungen bei den Recherchen (Polylux suchte Speed-Konsumenten in Internet-Foren) selbst gewählte Inhalte in Massenmedien platziert werden können.

Bei den “Security Nightmares” thematisierten Frank Rieger und Ron die Sicherheitslöcher des vergangenen Jahres und prognostizieren die noch kommenden Sicherheitsprobleme. Im Jahr 2009 wurde E-Government regelrecht neu definiert: ein Mass wie viele Daten ein Staat verlieren kann – Spitzenreiter dabei war England. Im Gegensatz dazu war Deutschland ein fleissiger Datensammler: im im März 2009 wurde bekannt, dass der Bundesnachrichtendienst in 2500 Fällen mit Hilfe des Bundestrojaner auch im Ausland Daten beschafft hatte. Unter anderem wurde der E-Mail-Verkehr des afghanischen Wirtschaftsministers Amin Farhang mit der Spiegel-Journalistin Susanne Koelbl (2006) sowie der E-Mail-Verkehr eines von der Welthungerhilfe geleiteten Büros in Afghanistan abgehört und die Daten des pakistanische Atomwissenschaftler Abdul Kadir Khan ausgespäht. Vermutlich ein grosses Thema für 2010 wird Cloud Computing sein. Ausserdem wird im März 2010 in der Schweiz der elektronische Pass und in Deutschland im November 2010 der elektronische Personalausweis eingeführt – da sind wir auf die entsprechenden Hack-Feldversuche gespannt. Umweltschutz und Datenschutz könnten je länger desto mehr einen Zielkonflikt generieren. Das beginnt mit der Einführung von intelligenten Stromzählern, welche in Deutschland ab 2010 für Neubauten obligatorisch sind, umfasst aber auch Personal Carbon Trading – also eine Art “Carbon Credit Card“.

Am 26C3 waren rund 3000 Personen vor Ort und mit Einbezug der “Dragons everywhere” haben rund 9000 Personen den Kongress mitverfolgt. Aus dem Kongressnetz heraus wurde in den 4 Tagen rund 123 Terabyte an Daten gesaugt. Trotzdem gab es insbesondere am ersten Tag ein paar Schwierigkeiten mit dem Aufbau des Netzwerks, was auch zu grösseren Ausfällen führten und auch die Videostreams beeinträchtigten. Einen grossen Teil der Kongressmitschnitte sind bereits online zum Downloaden verfügbar. Der Kongress wurde in den letzten Jahren nicht nur internationaler, weil die meisten Vorträge auf englisch bzw. einige Streams auf englisch übersetzt wurden, sondern auch die Qualität der Vorträge waren auf einem sehr hohen Niveau. Dies liegt sicherlich auch daran, dass von den eingereichten Vorträge aus Platzgründen nur ca. 1/3 (rund 90) akzeptiert werden konnten.

Pressereviews

Weitere Informationen

Bildverzeichnis
Oben links: Die 2.537 besten Artikel, so genannten “Featured Articles” der englischen Wikipedia ausgedruckt und als Buch gebunden – gefunden auf YuccaTreePost.
Mitte rechts: Am 12. November 2008 verteilten die Yes Men eine gefälschte Ausgabe der New York Times, datiert auf den 4. Juli 2009. In dieser Ausgabe zeichneten sie das Bild einer besseren Welt, in welcher der Irakkrieg beendet, George W. Bush wegen Hochverrats angeklagt und Condoleezza Rice sich öffentlich für ihre Lügen über den Irakkrieg entschuldigt hat. Nach eigenen Angaben wurden dabei über 1,2 Millionen Ausgaben gedruckt und unter die Leute gebracht. (14 seitige Ausgabe; Website zur Ausgabe).

Informatik30 Dec 2009 06:54 am

Demonstration am 17.04.2009 vor dem Presse- & Besucherzentrum der Bundesregierung in Berlin gegen die von Bundesministerin Ursula von der Leyen geplante Internetsperre gegen Kinderpornographie.Der 3. Kongresstag startete mit dem obligaten Jahresrückblick, gehalten durch Constanze Kurz, Frank Rieger, Andy Müller-Maguhn und Martin Haase. Mit 674 Neumitgliedern war das Jahr 2009 für den CCC sehr erfolgreich. Diese Anziehungskraft verdankt der Club seinem Einsatz für die digitalen Bürgerrechte. Ein grosser Erfolg war beispielsweise das Wahlcomputerurteil: am 3. März 2009 erklärte das Bundesverfassungsgericht die Bundeswahlgeräteverordnung für verfassungswidrig. Die bei der Wahl zum 16. Deutschen Bundestag eingesetzten Wahlcomputer entsprachen nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts nicht den Anforderungen des Grundgesetzes. Damit wurde zwar der Einsatz von Wahlcomputern in Deutschland nicht generell verboten, jedoch die einzuhaltenden Vorgaben vom Bundesverfassungsgerichts so hoch angesetzt, dass diese derzeit technisch kaum eingehalten werden können.
Nachdem das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung am 17. April 2009 mit fünf grossen Internetprovidern (Deutsche Telekom, Vodafone/Arcor, Telefónica O₂ Germany, Kabel Deutschland und HanseNet/Alice) die Grundlagen zum Zugangserschwerungsgesetz vertraglich eingeführt hatte, verstärkte der CCC seinen Kampf gegen dieses Gesetz mit Mahnwachen und Demonstrationen.
Beim Kampf gegen den Hackerparagraphen konnte der CCC einen Teilerfolg verbuche: die drei eingereichten Verfassungsbeschwerde wurden zwar vom Bundesverfassungsgericht als unzulässig befunden, in der Begründung des Bundesverfassungsgerichts wurde jedoch festgehalten, dass der blosse Besitz von Hackertools in Deutschland nicht unter Strafe steht:

Das Programm muss mit der Absicht entwickelt oder modifiziert worden sein, es zur Ausspähung oder zum Abfangen von Daten einzusetzen. Ausserdem muss sich diese Absicht objektiv manifestiert haben. Es reicht schon nach dem Wortlaut der Vorschrift nicht aus, dass ein Programm – wie das für das so genannte dual use tools gilt – für die Begehung der genannten Computerstraftaten lediglich geeignet oder auch besonders geeignet ist. — “Pressemitteilung Nr. 67/2009“, Bundesverfassungsgericht, 19.07.09.

Am 15. Dezember 2009 schliesslich nahm der CCC an der Anhörung über die Verfassungsbeschwerden gegen die Vorratsdatenspeicherung teil, was bereits hier behandelt wurde.

Im Bereich der Veranstaltungen fand im Mai 2009 das erste Mal die SIGINT statt (AudiomittschnitteVideomittschnitte). Bei der SIGINT geht es gemäss Aussage der Veranstalter um Mitwirkung und Veränderungen, um gesellschaftspolitische Forderungen und Utopien, um Hacktivismus, kreative Normverletzungen und Spass am Gerät. Die nächste SIGINT ist zwischen dem 22.-24. Mai 2010 in Köln geplant. Im Sommer fand die “Hacking at Random” in den Niederlanden statt. Es ist anzunehmen, dass im Jahr 2011 in Berlin das nächste Camp stattfinden wird.

Gebrüder Judica-Cordiglia Anhand der Verschwörungstheorie “The Lost Cosmonauts” zeigte Brian Dunning in seinem Vortrag wie wichtig das kritische Hinterfragen der vermeintlichen Fakten sind. Diese Verschwörungstheorie stellt die These auf, dass während in den Anfängen des sowjetischen Raumfahrtprogramms Kosmonauten ums Leben kamen und danach von der sowjetischen Geschichtsschreibung entfernt wurden. Die Grundlage dieser Verschwörungstheorie bilden von den italienischen Gebrüder Judica-Cordiglia (siehe Foto oben rechts) abgefangene Signale auf der sowjetischen Raumfahrtfrequenz. Diese Signale wurden von ihnen so interpretiert, dass jemand während eines Raumflugs S-O-S Signale morsen würde und dass es sich bei einem Signal um die Herzschläge bzw. die Atemgeräusche eines sterbenden Kosmonauten handeln könnte. Recherchen von Dunning zeigen, dass die Gebrüder Judica-Cordiglia in die Geräusche vermutlich etwas hinein interpretiert hatten, was gar nicht da war. Im Mai 1961, 5 Wochen nachdem Juri Alexejewitsch Gagarin als erster Mensch im Weltall war, wurde ein gesprochenes Signal einer Frau namens Ludmila aufgenommen, welches vermuten lässt, dass sie in die Erdatmosphäre eindringt und dabei verglühen würde (alle Signale können hier abgehört werden). Da während dieser Zeit von der Sowjetunion keine Raumflüge gemeldet wurden, gehen die Verschwörungstheoretiker davon aus, dass die Sowjetunion diese vermeintlichen Fehlschläge vertuschen wollte. Fotos mit nachträglich wegretouchiert Kosmonauten scheinen diese These zu erhärten, doch Fotos mit wegretouchierten Personen waren in der Sowjetunion kein Einzelfall und meist politisch motiviert.

Das Ludmila-Signal neu übersetzt (Quelle: Brian Dunning)Das Ludmila-Signal ist ein Grundstein der Verschwörungstheorie, doch die richtige Interpretation des Ludmila-Signal ist zweifelhaft. Zum Zeitpunkt, als das Signal aufgefangen wurde, gab es noch keine Frauen im sowjetischen Raumfahrtprogramm. Frauen wurden erst ab Oktober 1961 zugelassen und schliesslich war Walentina Wladimirowna Tereschkowa im Juni 1963 (Wostok 6) die erste Frau im Weltall. Ausserdem war ein zusätzlicher konventioneller Raumflug zwischen Gagarin (Wostok 1) und German Stepanowitsch Titow (Wostok 2) ressourcenmässig nicht zu bewerkstelligen. Weiter ist es auffällig, dass der Westblock während der fraglichen Zeit keine Signale empfangen hatte. Als Dunning das Ludmila-Signal von jemandem übersetzen liess, der dem russischen mächtig ist, stellte sich heraus, dass der Inhalt entgegen den Angaben der Judica-Cordiglia unspektakulär war und dass es dabei genau so gut um eine Operatorin einer Bodenstation handeln könnte (siehe Bild oben rechts). Damit wird zwar noch nicht die ganze Verschwörungstheorie widerlegt, doch fällt damit ein Grundstein weg.

Eigentlich wollte ich noch den “Fnord-Jahresrückblick 2009” von Fefe und Frank Rieger anschauen, doch weil ich gesundheitlich heute nicht so ganz auf dem Damm war, entschied ich mich für eine frühzeitige Bettruhe. So war der 3.Tag für mich eher ein kurzer Tag :-( .

Pressereviews
26C3: Schutz gegen Flash-Sicherheitslücken“, Heise Online, 29.12.09.

Informatik29 Dec 2009 08:42 am

Kunstobjekt: Mr. SecurityAus Zeitgründen habe ich gestern einen Vortrag unterschlagen: “UNBILD – Pictures and Non-Pictures” von Christoph Faulhaber. Faulhaber ist ein Kunstschaffender, der sich nicht nur mit Sicherheit und Staatsmacht befasst, sondern den staatliche Machtapparat als Teil seiner Kunstobjekte versteht. Beispielsweise fotografierte er als Mitarbeiter der fiktiven Sicherheitsfirma “Mr. Security” die amerikanischen Konsulate in München und Hamburg sowie die amerikanischen Botschaften in Berlin und Warschau. Dabei dokumentierte er das Verhalten der anwesenden Sicherheitskräfte. Auch wenn in seinen Projekten keine Verbote übertreten wurden, landete er schliesslich auf der Terrorliste des FBI und wurde während eines Auslandsstipendiums der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur aus den USA ausgewiesen.

Obwohl so keineswegs beabsichtigt, stellen die Vorgänge in New York in gewisser Weise den realistischen Abschluss von Faulhabers ursprünglichem Kunstprojekt dar. Die Herausforderung des Sicherheitsapparates bringt die Kunst in so engen Kontakt mit der Wirklichkeit, dass das angespannte Verhältnis zwischen Freiheit und Überwachung umso klarer zu Tage tritt. — Till Briegleb, “Deutscher Künstler unter Terrorverdacht“, SZ, 30.12.08.

Wie bereits in den letzten beiden Jahren grase ich die Kurzvorträge an den Lightning Talks ab. Garbe stellte kurz die neue Linux-Distribution Stali vor. Das Ziel dieser Distribution ist, dass alle notwendigen Programmbibliotheken statisch verlinkt sind. Das soll Speicher sparen, sowie die Sicherheit und die Geschwindigkeit erhöhen. Mit der Distribution soll eine ausgewählte Kollektion mit den besten Tools für eine bestimmte Aufgabe mitgeliefert werden.
Ingo Bressler zeigte in seiner kurzen Präsentation, wie jedermann aus einfachen Materialien einen eigenen Buchscanner zusammenbauen kann. Das ganze Projekt ist jedoch noch in seiner Aufbauphase, so sollte das Buch während des Scanvorgangs möglichst nicht zerstört werden ;-) .
Die German Privacy Foundation stellte ihren “Crypto Stick” vor. Auf dem Stick ist der Inhalt einer Open PGP Chipkarte zur einfachen und hoch sicheren Verschlüsselung von Emails oder zur Authentisierung in Netzwerkumgebungen integriert. Der Vorteil liegt darin, dass der PGP Key auf dem UBS Stick verschlüsselt ist. Sowohl Soft- wie auch Hardware sind nicht-kommerzielle Open Source. Die Version 1 des Crypto Stick kann bei der German Privacy Foundation für 38 Euro gekauft werden, die Version 2 ist derzeit noch in der Entwicklung.
Auch das musste einmal kommen: Helgar beschäftigt sich mit dem Hacken von Hörgeräten. Mögliche Ziele wären der Einbau von Bluetooth-Support, Filtern und/oder Verstärkern.
Nicolas Brodu ist der Autor von Encours, einer Software welche Präsentationen (Slides und Audio) über schmalbandiges Internet übertragen kann. Ein weiteres interessantes Feature der Software ist, dass die gesamte Präsentation auch aufgezeichnet werden kann. Encours muss auf einem Server installiert werden, läuft auf den Clients jedoch in einer Browserumgebung.
Nachdem das iPhone die Anwendung eines Touchscreen auf ein ganz anderes Level gehoben hatte, denkt Fabian Hemmert nach, wie auch die Interaktion vom Mobilgerät zum Benutzer noch weiter verbessert werden kann. Er sieht dabei grundsätzlich drei Herangehensweisen: Mobilgeräte, welche ihr Aussehen, ihre Gewichtsverteilung (siehe Video unten) und/oder ihr Verhalten verändern können.

Im Vortrag “Die Schlacht um die Vorratsdatenspeicherung” informierten Constanze Kurz und Frank Rieger über die Anhörung beim Bundesverfassungsgericht bei der Verfassungsbeschwerden gegen die Vorratsdatenspeicherung vom 15. Dezember 2009. Bei der Vorratsdatenspeicherung werden Telekommunikationsanbieter und Internetprovider verpflichtet, Verkehrsdaten jeglicher Telekommunikation für sechs Monate “auf Vorrat” zu speichern. Die Fragen des Bundesverfassungsgericht konzentrierte sich insbesondere auf das Thema, inwiefern die anfallenden Daten zur Auswertung und beispielsweise zur Erstellung von Persönlichkeitsprofilen herangezogen werden könnten. Die Lokalisierung einer Person mit einem GSM-Handy in einem Ballungszentrum kann heute mit einer Genauigkeit von rund 50m erfolgen. Die Ortung wird jedoch laufend verbessert. Ein grosser Teil der Handys übermitteln ihre GPS-Positionsdaten dem Telekommanbieter, was eine Ortung von rund 5m erlaubt. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgericht inwieweit die Speicherung der Verkehrsdaten auf Vorrat zulässig ist, wird für das Frühjahr 2010 erwartet. Es handelt sich dabei um eine Grundsatzentscheidung, welche als Richtschnur für weitere staatlichen Datenbegehrlichkeiten (beispielsweise Flugdaten) gilt.

Der Abschluss des Tages machte wieder ein von mir mit viel Spannung erwarteter Vortrag: “Exciting Tales of Journalists Getting Spied on, Arrested and Deported” von Bicyclemark. Nach der Einführung startet er direkt mit einem bekannteren Beispiel: die Journalistin Amy Goodman von Democracy Now wurde am 25.11.09 bei einer Einreise aus den USA nach Kanada festgehalten und ihre Unterlagen durchsucht. Sie beabsichtigte, in Vancouver ihr neustes Buch, “Breaking the Sound Barrier” vorzustellen. Nach ihrer Festnahme wurde sie über die Themen befragt, welche sie während Buchvorstellung ansprechen wolle. Insbesondere interessierten sich die Sicherheitskräfte, ob sie die Olympische Winterspiele 2010 in Vancouver ansprechen werde – auch wenn das gar nicht zu den Gesprächsthemen der Buchvorstellung gehörte. Schliesslich wurde Goodman zwar die Einreise nach Kanada gestattet, jedoch wurde verfügt, dass sie innerhalb 48h wieder ausreisen müsse. Leider werden Kritiker der Olympische Winterspiele 2010 in Vancouver vermehrt Ziel polizeilicher Zwangsmassnahmen:

[...] unfortunately, it is quite common to see police forces, security forces in Vancouver in Canada targeting activists [...] and the people who’ve been targeted here at least, have spoken out in public at City Hall, the media about the Olympic games. We have had Americans who are in town who are activists who have been arrested and taken to the border because they are associating with anti-Olympic activists here in Canada. And so. its not surprising for me to hear that the Canadian Border Service Agency, which is part of the larger integrated security unit providing security for the Olympics is interested in Olympic issues [...]. — David Eby, Geschäftsleiter der British Columbia Civil Liberties Association, zitiert auf Amy Goodman, “Amy Goodman Detained at Canadian Border, Questioned About Speech…and 2010 Olympics“, Democracy Now, 30.11.2009.

Ein weiterer bekannter Fall betraf die Journalistin Anna Lenzer, welche für Mother Jones über die Firma “Fiji Water” auf Fiji recherchierte. “Fiji Water” ist derzeit das beliebteste importierte Mineralwasser innerhalb der USA. Als Lenzer in einem Internet-Café auf Fiji Emails schrieb und darin über ihren Besuch in den Produktionshallen von “Fji Water” berichtete, wurde sie anschliessend von der Polizei festgenommen und befragt. Sie interessierten sich insbesondere welcher konkurrierenden Getränkefirma sie angeblich angehöre. Die Polizei drohte ihr sogar, dass sie in ein Männergefängnis gesteckt würde, sollte sie nicht mit alle Informationen herausrücken.
Eine weitere Story handelte von der Bloggerin Lilly Sussman, deren Laptop am 30. November beim Grenzübergang von Ägypten nach Israel von israelischen Grenzwächtern mittels drei Schüssen zerstört wurde. Naja, ehrlich gesagt handelte es sich dabei eher um die Angst, dass es beim Gepäckstück um einen Sprengsatz handeln könnte (sie liess es unbewacht bei den Grenzwächtern zur Kontrolle zurück). Ob die Sicherheitskräfte dabei auch wirklich die richtige Entschärfungsmethode für diesen vermeintlichen “Sprengsatz” auswählten, mag ich zwar bezweifeln, aber wenigstens wurde Sussman nachträglich finanziell entschädigt.

Am Ende seines Vortrags verwies Bicyclemark auf einige Ressourcen, mit deren Hilfe einem dieser Ärger (vielleicht) erspart bleibt:

Pressereviews

Informatik27 Dec 2009 11:15 am

26C3 LogoBereits am ersten Tag des 26. Chaos Communication Congress wurde klar, dass der Besucherandrang alle bisherigen Rekorde brechen würde. Bereits eine Stunde vor der Eröffnungsrede von Frank Rieger waren die Tickets ausverkauft. Als Konsequenz des letztjährigen Besucheraufkommens wurde sichergestellt, dass alle Vorträge als Stream im Internet mitverfolgt werden können. Ausserdem können Vorträge und Workshops auf über 35 verteilten Minikonferenzen – “Dragons everywhere” – zwischen Vancouver und Moskau mit anderen Interessierten zusammen mitverfolgt werden. Somit ist der 26C3 wohl der erste Chaos Communication Congress, bei dem deutlich mehr Besucher an den Vorträgen teilnehmen, als es tatsächlich Platz im Kongresszentrum hat.

Das Motto des Kongress “Here be dragons” kommt aus der Entdeckerzeit, als Landkarten noch unvollständig waren und Expeditionen ins Ungewisse führten. Frank Rieger glaubt, dass auch wir uns auf eine ungewisse Reise in die Zukunft befinden – sei es ökologisch (Klimaerwärmung usw), sei es sicherheitspolitisch (beispielsweise China als aufstrebende globale Macht) oder sei es technologisch (Bundestrojaner, Vorratsdatenspeicherung, Zugangserschwerungsgesetz usw.). Auch im nächsten Jahr ist es wichtig, dass sich die “Hackergemeinde” sich auf einige zentrale Themen konzentrieren muss. Die Zeit des staatlichen Broadcastens ist definitiv vorbei, denn jeder Einzelne kann heutzutage seine Sichtweise der Dinge im Internet publizieren. Dieses Recht zur freien Meinungsäusserung und das Recht zur freien Kommunikation generell muss auch in Zukunft geschützt werden. Darunter fällt auch das Recht zur Verschlüsselung seiner Kommunikation und auch seiner Daten. Erste Herausforderungen im Bereich der Cryptoregulierungen wurden bereits gewonnen (Versuch von Verschlüsselungsverboten, Zwang zur Schlüsselhinterlegung usw.), doch auch in Zukunft muss Verschlüsselung frei anwendbar sein.

Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen. — aus der Hackerethik.

Die Daten des Bürgers müssen noch intensiver geschützt werden. Ein definiertes Ziel des CCC ist die Einführung eines Datenbriefs, bei dem staatliche bzw. wirtschaftliche Datensammler verpflichtet werden, alljährliche den in ihren Datenbanken registrierten Personen mitzuteilen, welche Daten über sie gespeichert sind. Ausserdem sollen Verstösse gegen den Datenschutz mit saftigen Schadenersatzpflichten geahndet werden,

Dieser seltsame "Troll" taucht auf der Sperrseite der Vereinigten Arabischen Emiraten auf.Jens Kubieziel machte in seinem Vortrag “Eine Zensur findet statt” eine interessante Weltreise durch die verschiedenen staatlichen Zensurmassnahmen (Handout; Website zum Vortrag). In Deutschland beispielsweise stimmte der Bundestag am 18. Juni 2009 dem Zugangserschwerungsgesetz zu, welches den Zugangs zu kinderpornographischen Inhalten in Kommunikationsnetzen mit der Einblendung eines Stoppschilds erschweren bzw. verunmöglichen soll. Die Sperrliste wird durch das Bundeskriminalamt geführt und alle Zugangsprovider mit mehr als 10.000 Kunden werden gesetzlich verpflichtet, den Zugriff auf die in der Sperrliste indizierten Schriften mindestens auf der DNS-Ebene zu sperren, Zur Zeit ist das Gesetz jedoch noch nicht in Kraft, weil Bundespräsident Horst Köhler seine Unterschrift wegen Bedenken zur Vereinbarkeit des Gesetztes mit dem Grundgesetz verweigerte und die Bundesregierung um ergänzende Informationen gebeten hat (Quelle: “Köhler verweigert Unterschrift fürs Internetsperren-Gesetz“, Spiegel Online, 28.11.09). Wie schnell solche Gesetze gegen Kinderpornographie auf andere Bereiche ausgeweitet werden könnten, zeigte die Forderung des niedersächsischen Innenminister Uwe Schünemann, welcher forderte, dass die Sperren auch im Falle von Jugendpornographie eingesetzt werden sollen. Was kommt als Nächstes? Schutz der Benutzer vor “Killerspielen” oder vor islamistischen Webseiten (vgl.: “CDU-Bundestagsabgeordneter erwägt Internetsperren für Online-Gewaltspiele“, Heise online, 11.06.09)?

In Frankreich gilt eine “Three Strikes”-Regelung: wenn ein Benutzer 3 Mal auf eine gesperrte Website gelangt oder 3 Mal wegen Copyrightverletzungen verwarnt wurde, dem wird der Internetzugang für 3-12 Monaten gesperrt. In Bahrein ist es beispielsweise unstatthaft über den Emir oder seine Familie zu berichten. Ein Blogger, welcher ein Foto des Sohnes des Emirs beim “Aufsäbeln” einer Champagnerflasche bei der Formel 1 fotografiert und im Internet veröffentlicht hatte, wurde 15 Tage in Untersuchungshaft gesteckt. Vermutlich durch eine falsche Konfiguration der Filtersoftware sind innerhalb Bahrein neben schiitischer Webseiten auch rund 40% des restlichen Webs unzugänglich, insbesondere Werbung, Kochblogs, Google-Translate und technischer Seiten. Im Iran musste ein Blogger ursprünglich über eine Lizenz verfügen, um etwas im Internet zu veröffentlichen – dies ist heute nicht mehr der Fall. Derzeit sind jedoch innerhalb Irans rund 12 Mio. Webseiten gesperrt. In den Vereinigten Arabischen Emiraten sind alle .il – Seiten gesperrt – interessanterweise sind Porno-Seiten jedoch frei verfügbar. Spitzenreiter bei der Zensur ist jedoch China. Der gesamte Internetverkehr Chinas wird über ein grosses Firewall-System geleitet (Project Golden Shield). Geplant in den nächsten Jahren ist ein Wechsel vom Blacklisting zu einem Whitelisting – dann sollen nur noch diejenigen Seiten verfügbar sein, welche explizit staatlich freigeschaltet wurden. Zu den in China derzeit gesperrten Seiten gehören Google (ausser google.cn), Wikipedia, Youtube, Myspace, Facebook, BBC und andere. Sehr bedenklich ist, dass sich Benutzer bereits selber zensieren, um in keine Schwierigkeiten zu geraten. Für Firefox-Benutzer gibt es übrigens das Addon “China Channel“, um damit selber einmal das Gefühl eines (zensurierten) Internetbenutzers in China erleben zu können.

Jiang Zemin, Tiananmen, Sex (性), Tibet (西藏), Falun gong [verbotene religiöse Bewegung], Playboy (浪子), fuck (操), Mehrparteiensystem, Unabhängigkeit (自主) Taïwan (中华民国), Polizei (警察), Schlampe (母狗), Korruption (腐化), Folter (刑讯,拷问), Staatsfonds (?, „fonds publics“ im Original 公款), Anus (肛门), Jesus Christus (耶稣 基督), Aufruhr/Aufstände (动乱,变乱,叛乱,暴乱,反叛,暴动), Flugkatastrophe, 89, Tyrannei (专制,专制统治,专政), Nordkorea (朝鲜), Hoden (睾,睾丸,阴囊), Diktatur (专制,专政,独裁,独裁政治,独裁统治), Tauben (家鸽,聋子,鸽子), Timeshare, Strafanstalt (监狱,监牢), Voice of America, BH (乳罩,胸衣), Finanzen in Genf, Scheisse (屎,该死!,他妈的,大便,糞便) — eine Auswahl von Wörter, welche durch die Filtersoftware gelöscht werden; die gesamte Liste umfasst rund 1041 Wörter.

Positiv überrascht war ich vom Vortrag “Leyen-Rethorik” des Bamberger Linguistik-Professor Martin Haase. Anhand des (Negativ-)Beispiel von Ursula von der Leyen, die sich vehement für das Zugangserschwerungsgesetz einsetzte, zeigt er rhetorische Mittel von Politiker auf. Eigentlich wären handfeste Argumente das stärkste verfügbare rhetorische Mittel. Wenn jedoch schlagende Argumente fehlten, greifen Politiker gerne auf Übertreibungen, Verunglimpfungen Andersdenkender und Verdrehung von Tatsachen zurück. Bereits letztes Jahr hielt Haase einen interessanten Vortrag über “Neusprech im Überwachungsstaat” (Videomittschnitt), in dem er aufzeigte, wie Politiker sprachliche Mittel nutzen, um Massnahmen durchzusetzen: negativ besetzte Wörter werden durch positive ersetzt und rhetorische Muster werden verwendet, um negative Aspekte auszublenden.

Mit viel Spannung habe ich auf den Vortrag “WikiLeaks Release 1.0” gewartet. Ich habe mich insbesondere für die Neuerungen interessiert, welche mit dem Release 1.0 eingeführt werden sollen. Der Vortrag wurde wie letztes Jahr (Videomittschnitt) professionell durchgeführt, enthielt jedoch wenig von den bereits in der Chaosradio Sendung 149 angedeuteten Neuerungen. WikiLeaks fiel 2009 insbesondere durch folgende Veröffentlichungen auf:

Mit dem Release 1.0 will WikiLeaks einer Quelle zukünftig die Möglichkeit einräumen mit sog. Code Snipets auf der eigenen Website, direkter von den Veröffentlichungen auf WikiLeaks zu profitieren. Wenn erwünscht will WikiLeaks einer Quelle auch ein temporären Exklusivrecht zur Veröffentlichung einräumen, was besonders für Medienschaffende interessant sein könnte. Ausserdem ist WikiLeaks dran, in Island eine Art Offshore-Publishing-Center (vergleichbares Konzept wie beim Offshore-Banking) aufzubauen (siehe dazu Markus Beckedahl, “Island zum Datenfreihafen machen“, Netzpolitik, 28.12.09).

Pressereviews

Weitere Informationen

English only& Informatik& Inklusiv Video& Medien10 Oct 2009 06:06 pm

After last years release of “Did you know 3.0” has shown us how fast the information revolution rushes past us, there’s now a new version with some new data:

Informatik& Politik allgemein& Schweizer Armee28 Sep 2009 12:14 am

Kosovo Security Force (KSF)Die Herbstsession der eifgenössischen Räte ging am Freitag, 25.09.09 zu Ende. Schneller als gedacht, wurde durch zwei Nichteintretensentscheide die Teilnahme der Schweizer Armee an der Operation “ATALANTA” verunmöglicht. Die Fraktion der Schweizerischen Volkspartei wollte noch ein Schritt weiter gehen und mit einer Parlamentarischen Initiative die Auslandeinsätze der Schweizer Armee grad gänzlich abschaffen. Die Initianten vertraten die Meinung, dass der Entscheid Auslandeinsätze durchzuführen, nur durch ein Zufallsmehr zustande gekommen sei. Die Armee müsse sich jedoch insbesondere in Zeiten, in denen ihre Einsatzfähigkeit von verschiedener Seite infrage gestellt werde, auf die Kernaufgaben der Landesverteidigung konzentrieren. Weiter werde durch die Auslandseinsätze das Prinzip der Neutralität verletzt, denn der Uno-Sicherheitsrat sei ein Machtinstrument der Grossmächte. Bei der Beratung im Nationalrat war festzustellen, dass sich einige SVP-Politiker, beispielsweise Nationalrat Bortoluzzi Toni bereits gegen die Erneuerung des im Jahre 2011 auslaufende Kosovo-Mandat der Schweizer Armee einschiessen.

Ich bin überzeugt, dass die Leistung, die unsere Soldaten [im Kosovo] vollbringen, eine gute Leistung ist. Sie erfüllen Ihren Auftrag. Aber ich zweifle grundsätzlich daran, dass unsere Armeeangehörigen mit dem Gewehr in der Hand die humanitäre Tradition unseres Landes aufrecht erhalten können. [...] In Kosovo ist meines Erachtens keine Armee der Schweiz nötig, sondern es wären humanitäre Einheiten nötig, logistisch arbeitende Einheiten, die Hilfe leisten oder die sogar Hilfe leisten, eine Demokratie aufzubauen; das ist unsere Stärke. Nicht unsere Stärke aber ist, Soldaten mit dem Gewehr ins Ausland zu schicken. — Bortoluzzi Toni, Herbstsession 2009, 16.09.09.

Der Nationalrat als Erstrat beschloss mit 104 gegen 60 Stimmen der Parlamentarischen Initiative nicht Folge zu leisten. Alle Vertreter der Fraktion der Schweizerischen Volkspartei haben in der Abstimmung, die Parlamentarische Initiative unterstützt, ausser die Nationalräte Bignasca Attilio (Lega dei Ticinesi), Giezendanner Ulrich (SVP) und Hutter Jasmin (SVP), die mit ihrer Abwesenheit glänzten. Die anderen Fraktionen haben mehrheitlich gegen die Parlamentarische Initiative gestimmt.

Im Gegensatz dazu genehmigte der Ständerat als Zweitrat dem Nationalrat folgend die Botschaft des Bundesrate zum Bundesbeschluss über den Einsatz der Armee im Assistenzdienst zur Unterstützung des Kantons Graubünden bei den Sicherheitsmassnahmen im Rahmen der Jahrestreffen des World Economic Forum 2010–2012 in Davos und weitere Sicherheitsmassnahmen vom 06. März 2009 und bewilligte somit den Einsatz der Schweizer Armee zu Gunsten des WEF für die Jahre 2010-2012. In diesem Kontext ist interessant, dass die Stimmberechtigten von Davos anfangs 2009 einer Erweiterung und Sanierung des Kongresshauses deutlich zugestimmt haben. Das WEF beteiligt sich an den Sanierungskosten und verpflichtet sich vertraglich zur Durchführung der Jahrestagungen der nächsten zehn Jahre in diesem umgebauten Kongresshaus. Das WEF wird von der Armee seit 1997 unterstützt – angesichts dieses lang andauernden wiederkehrenden Einsatzes verwundert es, dass der Einsatz innerhalb der Armee nicht stärker standardisiert ist und beispielsweise das Material jedes Mal aus der ganzen Schweiz zusammengetragen werden muss. Der Grund liegt vermutlich in der fehlenden Gesamtkostenrechnung und dass der Einsatz der Armee am WEF gemäss Bundesrat Maurer Ueli eine gute Übung darstellt:

Für die Armee selbst ist [das WEF] eine gute Übung, das können wir auch sagen. Wir müssen während einer Woche immer mit den Flugzeugen in der Luft sein. Das testet die Durchhaltefähigkeit. Wir stellen bei extremen Wetterbedingungen die Verbindungen während Tagen sicher, und zwar 24 Stunden am Tag. Das sind alles Aufgaben, die als Übung für die Armee ausserordentlich wertvoll sind, weil wir sie unter Echtzeitverhältnissen und schwierigen Bedingungen erfüllen müssen. Das WEF ist also für die Armee insgesamt ein positiver Anlass, weil entsprechende Ausbildungssequenzen erfolgen und daraus auch Lehren gezogen werden können. — Maurer Ueli, Herbstsession 2009, 16.09.09.

Apropos Armeematerial, in der Schweizer Armee ist der Wehrmann für sein persönliches Armeematerial selber verantwortlich. Verliert er persönliches Armeematerial (beispielsweise ein Munitionsmagazin des Sturmgewehr 90), so muss er den Verlust aus der eigenen Tasche bezahlen. Eine Frage von Nationalrat Miesch Christian (SVP) zu den Verlusten persönlichen Materials in Schulen und Kursen zeigt in der Antwort des Bundesrates auf, wie hoch sich der Materialverlust beziffert, welcher durch die Wehrmänner beglichen werden muss: 2007 – 1,67 Millionen Franken; 2008 – 1,83 Millionen Franken; 2009 – 1,43 Millionen Franken (Stand am 16. September 2009).

Im Gegensatz zu den Auslandeinsätzen der Schweizer Armee, hat der Nationalrat nichts gegen ein ziviles humanitäres Engagement. Er bewilligte ein Postulat der Aussenpolitische Kommission des Nationalrates (APK-NR), welches den Bundesrat ersucht, die Zweckmässigkeit der Bereitstellung von qualifiziertem Personal und finanziellen Mitteln zur Unterstützung der Einsetzung einer unparteiischen internationalen Untersuchungskommission zu überprüfen, welche abklären soll, ob die verschiedenen Parteien des jüngsten gewaltsamen Konfliktes in Sri Lanka das humanitäre Völkerrecht einhielten oder ob bei diesem Konflikt Kriegsverbrechen begangen wurden.

Gedenktafel zur Anbauschlacht in Regensberg, Kanton ZürichIns 19. Jahrhundert zurückversetzt fühlt man sich bei der Parlamentarischen Initiative von Nationalrat Bourgeois Jacques (FDP). Mehr in der Funktion des Präsident des Schweizerischen Bauernverbands, als in der Funktion eines FDP-Nationalrates forderte er unter der Bezeichnung “Ernährungssouveränität”, dass der Bund den Bedarf an Nahrungsmittel der Bevölkerung vorwiegend durch eine qualitativ hochwertige, nachhaltige und diversifizierte einheimische Produktion decken soll. Dem Initianten sei nach eigenen Aussagen klar, dass eine 100% autarke Versorgung der Schweizer Bevölkerung nicht möglich sei. Er wolle keine Neuauflage des Plan Wahlen, es gehe ihm mehr um den Schutz der jetzigen schweizerischen Landwirtschaft und der landwirtschaftlicher Arbeitsplätze. Mit dem erklärten Ziel, die Bevölkerung vorwiegend mit einheimischen Produkten zu versorgen, wird jedoch ein Widerspruch zur Schweizer Handelspolitik im Rahmen der bilateralen Verträge, der WTO und jener im Hinblick auf ein allfälliges Freihandelsabkommen mit der EU geschaffen. Wie diese “Ernährungssouveränität” konkret erreicht werden soll, bleibt der Initiant der Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Nationalrates (WAK-NR) und dem Nationalrat schuldig.

In der Diskussion in der WAK konnte der Initiant auch keine Auskunft darüber geben, wie das umgesetzt werden soll. Auf die konkrete Frage, ob das bedeute, dass mehr Geld gesprochen werden solle, bekamen wir keine Antwort. Aber was dann? Sollen dazu wieder die Grenzen hochgezogen werden? Sollen Schweizer Produkte mit Staatshilfe verbilligt und so internationale Konkurrenz ausgeschaltet werden? Mit der Möglichkeit einer Verknappung der Lebensmittel zu drohen, kann nicht als ernsthaftes Argument für diese parlamentarische Initiative angesehen werden. — Fässler-Osterwalder Hildegard, Präsidentin der WAK-NR, Herbstsession 2009, 16.09.09

Vermutlich weil der Begriff “Ernährungssouveränität” in den Ohren der Nationalräte sexy klang, wurde die Parlamentarische Initiative trotz ihres schwammigen Inhaltes mit 108 zu 45 Stimmen angenommen, muss jedoch noch vom Ständerat angenommen werden. Interessanterweise stimmte ausgerechnet die FDP–Liberale Fraktion – der auch Nationalrat Bourgeois angehört – zusammen mit der Sozialdemokratische Fraktion gegen die Parlamentarische Initiative.

Red Bull Air Race in Interlaken 2007 (Photo: Oliver Sterchi)Ebenfalls in den Bereich der Wirtschaftsregulierungen gehen die Bestrebungen zum Verbot von Glühbirnen als Energiesparmassnahme und aus Klimaschutzgründen. Die Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Nationalrates (UREK-NR) beauftragt den Bundesrat mit einer Motion, ab 1. Januar 2012 den Vertrieb von Glühbirnen zu verbieten, die gemäss der Einstufung 2009 eine Energieeffizienz der Klassen C bis G aufweisen. Bereits seit 1. Januar 2009 ist der Vertrieb von Glühbirnen der Energieeffizienzklassen F und G (rund 25 Prozent aller Glühbirnen) verboten. Mit der weiteren Verschärfung des Verbots wird die Schweiz für klare Lampen über schärfere Vorschriften verfügen, als das bei der EU der Fall sein wird. Da eine herkömmliche Glühbirne in der Regel eine Energieeffizienz der Klassen C oder höher aufweist, wird dies faktisch zu einem Verschwinden herkömmlicher Glühbirnen führen. Eine andere Motion von Nationalrat Neirynck Jacques (CVP), welche ab 2010 nur noch den Verkauf von Lampen der Klasse A, also einen kompletten Ersatz von Glühlampen durch Stromsparlampen forderte, wurde durch den Nationalrat jedoch abgelehnt. Wenn wir grad bei den Motionen für den Klimaschutz sind: eine Motion, welche aus Gründen des Klimaschutzes ein Moratorium für Flugshows in der Schweiz forderte, wurde ebenfalls abgelehnt. Nur grad die Grüne Fraktion und die Sozialdemokratische Fraktion stimmten mehrheitlich für diese Motion.

Ein anderer Bereich, bei denen Politiker gerne einen Regulierungsbedarf erkennen wollen, ist das Internet. Oft werden dazu zwei Totschlagsargumente hervorgebracht: Kampf gegen Terrorismus und Kampf gegen Kinderpornographie. Reisserisch nennt Nationalrat Büchler Jakob (CVP) seine Motion schon im Titel “Kampf dem Terrorismus” und fordert die notwendigen Ressourcen für das Bundesamt für Polizei, um den Dienst für Analyse und Prävention (DAP) zu befähigen, im Internet Informationen zu beschaffen, die auf Verbrechen wie Terrorismus, Menschenhandel, Proliferation, organisierte Kriminalität und Spionage hindeuten. Ein besonderer Fokus sei dabei auf dschihadistische bzw. gewaltextremistische Seiten zu legen. Sollten solche Seiten auf Schweizer Servern liegen, seien diese sofort vom Netz zu nehmen. Da der DAP seit anfangs Jahr im Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) umgeteilt wurde und voraussichtlich mit dem Strategischen Nachrichtendienst (SND) ab anfangs 2010 in ein neues Bundesamt zusammengeführt wird, könnte das VBS direkt von der Aufstockung der Ressourcen profitieren. Gestützt auf das Bundesgesetz über die Zuständigkeiten im Bereich des zivilen Nachrichtendienstes (ZNDG) wird der DAP jedoch nur die Bedrohungsbeurteilung erstellen, aber nicht selber aufgrund dieser Beurteilungen die notwendigen Massnahmen verfügen. Eine Sperrung von Webseiten erfolgt durch das Bundesamt für Polizei auf Antrag des Nachrichtendienstes. Der Ständerat hat die Motion als Zweitrat dem Nationalrat folgend angenommen.

Frau Nationalrat Viola Amherd (CVP, Mitglied in der Stiftung Kinderschutz Schweiz) will mit ihrer Motion einen neuen Strafbestand schaffen: virtueller Kindsmissbrauch im Internet. Darunter versteht sie die “Anbahnung eines eindeutigen sexuellen Dialogs zwischen einem Kind und einer offensichtlich erwachsenen Person”. Sie schreibt in ihrer Motion: “In virtuellen Parallelwelten wie z. B. ‘Second Life’ missbrauchen und vergewaltigen Mitspieler virtuelle Kinder. Auf gesetzlicher Stufe ist klarzustellen, dass es sich dabei um ein kinderpornographisches Angebot handelt, welches unter Strafe steht.” Dabei ist dieser Strafbestand bereits durch Strafgesetzbuch Art 197 abgedeckt, der Bundesrat schlägt jedoch in seiner Stellungnahme vor, die Strafbarkeit der “Anbahnung eindeutig sexueller Dialoge mit Kindern” im Kontext der Prüfung eines Beitritts der Schweiz zur Europaratskonvention zum Schutze von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch zu überprüfen.

Das waren meiner Ansicht nach einige interessante Beschlüsse der eidgenössischen Räte während der Herbstsession 2009. Die Wintersession wird vom 23.11.09 – 11.12.09 durchgeführt.

Bildverzeichnis
Oben links: Kosovo Security Force (KSF, 2500 Aktive, 800 Reservisten) bei einer Inspektion durch den kosovarischen Präsidenten Fatmir Sejdiu am 18.09.09. Gemäss Angaben der KFOR vom 15.09.09 hat die KSF die angestrebte operationelle Kapazität erreicht. Zeichnet sich damit langsam ein Ende des militärischen Einsatzes internationaler Truppen im Kosovo ab?
Oben rechts: Sdt Rudy Gaffuri patrouilliert in der speziellen Winterausrüstung der Armee am WEF 09 (Photo: Sdt Jacek Pulawski, stammt aus Newsflash Nr 9 vom 27.01.09, Truppenzeitung des Einsatzverbandes Boden).
Mitte links: Gedenktafel zur Anbauschlacht in Regensberg, Kanton Zürich
Mitte rechts: Wäre die Motion zum Moratorium für Flugshows in der Schweiz angenommen worden, hätte man zukünftig auf Flugshows, wie beispielsweise dem gut besuchten Red Bull Air Race in Interlaken 2007 verzichten müssen. (Photo: Oliver Sterchi)

David Axe& English only& Informatik31 Jul 2009 10:05 pm

size0-armymil-41370-2009-06-17-070634.jpg

by DAVID AXE

A fight could be brewing between the office of U.S. Defense Secretary Robert Gates and U.S. Strategic Command, over the military’s use of “social-networking” Websites such as Facebook, Twitter, Myspace and Youtube. Just a few weeks ago, Gates hired a new Principal Deputy Assistant Secretary of Defense for Public Affairs, tasked with bringing the Department of Defense “into the 21st-century of communication,” according to a spokesperson. Price Floyd’s (pictured) first act as the new social-media czar, was to launch an official Pentagon Twitter account, for instantly communication short text messages to subscribers.

But Floyd’s mission could run counter to recommendations last week by Strategic Command, which is broadly responsible for so-called “cyber-defense” — that is, defending military computer networks from hackers. According to Noah Shachtman at Danger Room, Strategic Command is quietly calling for a total ban on accessing social networking sites from military networks. “They make it way too easy for people with bad intentions to push malicious code to unsuspecting users,” a Stratcom source said of networking sites.

“What we can’t do is let security concerns trump doing business,” Floyd said on Wednesday. I spoke to Floyd to understand his vision for military social-networking:

Floyd on his goals:

When I was interviewed for the job, the Secretary said in the interview that the person who comes in here, he doesn’t want them be a spokesmen, caught up in the day-to-day back and forth with media. He wants someone doing two things: using the technology — both the Websites and software out there now — that enable him to engage and hear from people in a way and manner that wasn’t possible before. The example he gave was when he was president of [Texas] A&M [University], he gave out his email address to anyone … [and] he would respond to them all. The entire pool of people was 75,000 … [N]ow the pool is the 3 million people that make up the civilians and military personnel at DoD, plus the general public in the U.S. and around the world. Giving out your email … you just can’t do that anymore. With that in mind, what I did when I first started here [around a month ago], I started using Twitter site on Dod.gov, so I can put out my thoughts. …

We’re also going to launch a new site in August that will have links to Facebook and Twitter. And at the right [of the site], people can vote on questions they’d like answered by the Secretary — and they can do same thing [voting] on policy. The idea is that the software out there … it’s not that I pick questions and people vote on them, it [the site] can aggregate … If people are saying [in comments] that we should pull out of Iraq sooner, the top five questions will come out [reflecting] whatever they are saying. We’ll have things there that are not DoD policy. The Secretary’s answer to is, that he can’t image why that would be problem. He really gets it.

It’s not so much that the DoD is finally getting into this area: lots of DoD components have been there for quite some time. European Command … I think those guys do a great job. [EUCOM commander] Adm. [James] Stavridis … has been doing a fantastic job. He’s had his blog for what seems like forever. We’re not new to this game, but we’re trying to raise our profile and trying to be more proactive, instead of reactive. …

In old school public affairs, you wouldn’t even want [people] questioning in your space. … Things don’t work that way any more. For example, Don’t Ask, Don’t Tell — there’s no problem with that question being on the Website. If indeed that becomes one of the top five questions, the Secretary will answer it. He believes that gives the DoD more credibility, when we’re willing to answer whatever questions there are. He wants to reach people inside the building [the Pentagon] and outside the building. We might be surprised what questions make it into the top five. Maybe it’s a question about health benefits [for DoD personnel].

On getting blogs into the Pentagon’s widely read “Early Bird” memo:

One of first things I did when I started [was get blogs into the "Early Bird"]. They’ve been there now for over a month. My thinking behind that was twofold: one, that’s where a lot of people get their news; and two, often stories begin there before [in blogs] before making it to the mainstream media. ‘By the way, pretty soon we’ll have to stop saying “mainstream media,” because we’re reaching a tipping point [where blogs are mainstream].

On Internet security:

[Internet] security is important. Opsec ["operational security"] is paramount. We will have procedures in place to deal with that. The DoD is, in that sense, no different than any big company in America. What we can’t do is let security concerns trump doing business. We have to do business. … Companies in the private sector that have policies like us, don’t dare shut down their Websites. They have to sell their products and ideas — and this is how it’s done.

On the DoD-wide ban on Myspace and Youtube:

I don’t know about all those particular sites. But on our Website now is links to Twitter and Facebook and Flickr. One of things I’m really excited about is the content we’ve got at DoD … it’s just not packaged right. We need to be everywhere men and women in uniform are and the public is. If that’s Myspace and Youtube, that’s where we need to be, too. … I don’t want to minimize security [concerns]. But this is not a DoD-only issue. It’s not a question of total security or total access to everything. There is a place we need to find [in the middle] where we’re able to go where we need to go and people can come in and see us, and yet we’re also protecting the network.

Most of the troops in the field already access this stuff [Myspace and Youtube] from their personal devices, partly because in this day and age, everyone has own device — also … there are Internet cafes on bases, for folks who are deployed. You have to sign up and you only have half an hour, so lots of people just use own devices. For those folks, [Website bans] aren’t a problem.

On whether troops should be allowed to blog and Tweet without restrictions:

I’ve gone through a personal transformation as a public affairs person. … At my last job, I was the last stop before something got published [by a DoD employee]. My response was no, if you asked me permission to publish something. Since then, I’ve gone through a transformation and realized that trying control that kind of message is unrealistic and doesn’t get you what you want. As opposed to trying to control information, we need to be more [involved in] coordinating it. In a big sense, we need to be comfortable with people saying things that are not [DoD] language-approved. In doing that, it gives us more credibility. … What we need to do is push on opsec. Opsec needs to catch up with this stuff. This is the modern equivalent of sending a letter home from the front lines. Opsec needs to be considered on this stuff, but the more our troops do this stuff, the better off we are.

(Photo: U.S. Army)

Related:
Axe Helps Name Army’s “Virtual Front Porch”; Army Wants Your Input
Army’s “virtual front porch”
How the Army is winning the military’s Internet “civil war”
Army wants World of Warcraft-style training game
Army’s “first-person thinker” game

David Axe& English only& Informatik02 May 2009 01:18 pm

Army CDX team

Wars were once fought only on the land, in the air and at sea. Now they’re fought in cyberspace, as well. When Russia and Georgia squared off over the breakaway province of South Ossetia last year, both sides’ hackers attacked the other’s electronic infrastructure. In 2007, Israeli cyber-warriors disabled Syrian air defenses to clear the way for an air strike on a suspected nuclear site.

China represents one of the biggest electronic threats to U.S. interests, according to experts. The Wall Street Journal recently reported that Chinese hackers gained access to sensitive on-line data on the U.S.-designed F-35 fighter jet.

Despite the threat, the U.S. military has been slow to organize cyber-defenses. Last year the Pentagon canceled plans to stand up a Cyber Command, run by the Air Force.

The U.S. military still needs hundreds of military-minded cyber experts, however. To help train up this new generation of on-line warriors, the U.S. military academies and military graduate schools participate in an annual Cyber Defense Exercise, or CDX.

The CDX pits expert hackers employed by the National Security Agency against cadets at the Army’s West Point in New York, the Naval Academy in Maryland, the Coast Guard Academy in Connecticut, the Air Force Academy in Colorado and other institutions. The players must build and defend a network, including an email server, from NSA infiltration over a four-day period.

In April last year, the Army cadets soundly defeated all rivals, for the second year in a row, by building a robust Linux-based network with a wide range of “manual” — as opposed to automatic — software tools that, while time- and labor-intensive, allowed for a nimble response to incoming worms.

The Army came out on top in this year’s CDX, too — an “unprecedented success,” according to Colonel Joe Adams, an instructor who helped oversee the cadets’ preparations. “It is tribute to the cadets’ hard work,” Adams said.

This year was “tighter than last year’s blow-out win,” Adams said. “[O]ur cadets made it through the week without suffering a compromise or losing points for service outage … A single compromise or blown service would have changed the outcome.”

“This year’s exercise included new technologies, such as IPv6 and Windows Vista, so the time spent learning and hardening those systems helped make the difference,” Adams added. “This year’s [West Point] team chose to use a combination of Access Control Lists (ACLs) and IPsec to protect the network. At the infrastructure level, we used Windows 2008 server. This worked well with the Vista clients that we were given by the NSA to represent notional users.”

“The biggest change, in terms of operations, was in our email service. All emails in the exercise need to be signed and encrypted. In years past, we had used MS Exchange, but it proved to be difficult to harden and manage for the cadets. This year, we used Postfix and Dovecot on FreeBSD. This shift not only allowed us to use FreeBSD, which we’re comfortable with, but Postfix and Dovecot are well documented and proved easier to implement.”

The “enemy” attacks were more sophisticated than in previous years, Adams reported. “We saw more embedded malware on the notional workstations we received from NSA. Additionally, the NSA used a lot of automated attacks from tools like Nikto and Metasploit.”

Adams chalks up his team’s success to “preparation and teamwork.”

If only the entire U.S. cyber-defense community were so effective.

(Photo: Army)

Armee& David Axe& English only& Führung& Informatik08 Apr 2009 01:55 am

Army sim

The U.S. Army has led the American military — and the world — in the development of realistic computer simulations to enhance training and recruiting. These sims have drawn heavily on popular video games. In 2002 the Army published America’s Army, a free 3D “shooter” game that has been downloaded millions of times and has helped draw tens of thousands of recruits into the service, according to studies.

America’s Army was just the beginning. A wide range of training games are in development, ranging from simulated engagements interfaced via personal computer, to “immersive” simulations the require extensive, stand-along installations.

Tactical Iraqi is one of the former. This PC sim, using computerized avatars in highly restricted scenarios, requires a soldier to engage a simulated Iraqi civilian in conversation.

The Army is also developing a PC trainer similar to the popular Massive Multiplayer Online Game World of Warcraft, that would expand Tactical Iraqi to the scale of an entire conflict. “Potentially an MMOG could be created which adheres to the physical and behavioral reality of the world and provides an ‘always on’ environment in which to execute training, something like World of Warcraft, but focused on the military training customer,” said Army scientist Dr. Roger Smith.

Soldiers would log in with their units for periods of training. They would create avatars and roam a realistic battlefield alongside their squad-mates, interacting with a simulated local populace and engaging in combat with a smart, adaptive, simulated enemy.

The Army wants to go one step further, adapting this PC trainer to the needs of senior commanders. This so-called “first-person thinker” — a play on the “first-person shooter” game genre — would be closer to the daily life simulator Second Life than to the combat- and exploration-oriented World of Warcraft. “The collaborative element [of Second Life] is useful – you’ve got chat and avatars –- but the actual content and setting aren’t what we’d like for having role-players have committee meetings with the State Department,” Major Kyle Burley said.

In the first-person thinker, officers would roam a digital command post during a simulated conflict, meeting and interacting with other players representing military and civilian officials, in an effort to shape U.S. intervention in the conflict. Meanwhile, a game moderator might change the conditions of the conflict to force the players to adapt.

Parallel to these PC sims, the Army is working on simulations that are more physically interactive. The land service contracted the Institute for Creative Technologies, at the University of Southern California, to demonstrate the “FlatWorld Wide-Area Mixed Reality” trainer, pictured, which surrounds a room with giant computer screens and projects a high-fidelity computer simulation onto the screens, so that soldiers inside the room appear to be immersed in an unfolding conflict.

“You can imagine walking into an apartment room that looks like it’s in Baghdad, and looking out a synthetic window in that room, that physical room, and doing their call for fire in an urban environment,” said ICT’s Dr. Randall Hill. “Think of this as [a] cognitive training because it’s training them how to make decisions under stress, and how to perform their tasks and … use the skills that they have under stress.

“There’s been a huge emphasis here … on the development of cultural awareness and developing applications that will enable soldiers and leaders to be more effective in cultural situations, through negotiation or just even in meetings that they have or conduct with people in other cultures,” Hill added.

The key to making the cultural aspect realistic and useful is programming believable behaviors into the computerized players, Hill said. “We … work with experts. … Say you’re doing a scenario in Iraq or Afghanistan. You would want to work with people who … are from that culture … so that you can come to an understanding of what those patterns of behavior are, so that you can implement them.

“And finally, you know, I think this is where Hollywood comes in. We work with people who are writers, Hollywood story-writers who understand — you know, they understand human nature and they understand … what looks right, feels real, and they add that element to it, too.”

(Photo: Army)

Informatik& Inklusiv Video31 Jan 2009 12:00 pm

Das Internet wird zum Raum für politschen Protest: Ob Scientology-Sekte oder die FARC-Rebellen in Kolumbien – schon manch eine mächtige Organisation hat die Wucht von Online-Aktivisten zu spüren bekommen. Aber wie funktioniert politisches Engagement in Digitalien und wie wirkungsvoll ist es?

Das Netz bietet für den politisch aktiven Menschen eine Fülle von Kommunikations- und Aktionsmöglichkeiten. Dabei braucht es weder eine Führungsspitze noch Mitgliederlisten, wie das Beispiel der Gruppe “Anonymous” und ihr Kampf gegen die Scientology-Sekte zeigt. Protest im Web entsteht spontan, ist scheinbar chaotisch – und kann dennoch wirkungsvoll sein. Fest steht: Die digitalen Medien verändern das politische Leben. Politik wird entkoppelt von den Institutionen und kehrt zurück in den Alltag der Bürger. Und wenn dort ausreichend Wut über die herrschenden Umstände vorhanden ist, müssen die Mächtigen mit Attacken aus völlig unerwarteten Richtungen rechnen.

(Weil der Beitrag so gut ist, habe ich ihn 100%ig von hier übernommen – Danke Elektronischer Reporter).

Next Page »