Category Archives: Migration
Migration – eine globale Herausforderung
Vom Montag, 23. April bis zum Dienstag, 24. April 2012 fand im KKL Luzern das 22. Internationale Europa Forum Luzern statt. Es gliederte sich in zwei Teile: einer öffentlichen Veranstaltung am Montag Abend und dem eigentlichen, kostenpflichtigen Symposium während des … Continue reading
Buchtipp: Globales Rapa Nui? – Teil 2
Fortsetzung von Buchtipp: Globales Rapa Nui? – Teil 1. Mzee Enos (50, wohnhaft in Kenia) bringt sein Kalb in Sicherheit, nachdem heftige Niederschläge sein Haus weggeschwemmt haben (Foto: Homa Bay / Keystone / AP). In Folge des Klimawandels könnten Intensität … Continue reading
22. Internationalen Europa Forum Luzern: Streitpunkt Zuwanderung
Vor mehr als 100 Jahren verliessen mehr Schweizer ihr Heimatland als Ausländer in die Schweiz einwanderten. Die Gründe waren vielfältig: Zwischen 1400 und 1848 verdienten viele Schweizer ihren Lebensunterhalt als Söldner in fremden Armeen, zu Beginn des 16. Jahrhunderts flüchteten … Continue reading
Buchtipp: Globales Rapa Nui? – Teil 1
Mitte letztes Jahres sendete mir Sebastian K. Buciak (uns bereits bekannt vom Buch “Indien und Pakistan – Atommächte im Spannungsfeld regionaler und globaler Veränderungen”) den neu erschienen Sammelband “Globales Rapa Nui? Frieden und Sicherheit im Zeichen des Klimawandels“. Neben Buciak … Continue reading
Flüchtlingskrise in Südafrika – Interview mit Jan Herzog
Seit anfangs Jahr hat die Anzahl der festgestellten gewalttätigen und sexuellen Übergriffen auf simbabwische Flüchtlinge in der Grenzregion Musina zugenommen. Auf was ist dieser Zuwachs zurückzuführen?
Das wissen wir leider noch nicht so genau, aber eines ist auf jeden Fall sicher, unsere bisherige Erfahrung hat uns geholfen, mit den Opfern in Kontakt zu treten und ihnen Hilfe anzubieten. Andere NGOs haben angefangen, Opfer an uns zu verweisen, etc. Das allein reicht aber meiner Meinung nach nicht, um den Zuwachs zu erklären.
Welchen Hintergrund stehen hinter den gewalttätigen Übergriffen und den sexuellen Misshandlungen? Geht es dabei um das Ausleben persönlicher Gewalt und Macht, um die Abschreckung von Flüchtlingen, um Rassismus (beispielsweise abhängig von der Hautfarbe) oder um irgendwelchen Irrglauben in Verbindung mit AIDS?
Wir wissen es leider nicht genau, aber alle genannten Möglichkeiten zur Motivation der Täter werden in Erwägung gezogen. Meiner Meinung nach hat die Hautfarbe der Opfer nichts mit den Vergewaltigungen zu tun.
Wie ist es zu erklären, dass simbabwische Patienten in südafrikanischen Spitäler schlecht behandelt werden? Ist womöglich die medizinische Versorgung in den südafrikanischen Slums generell schlecht?
Generell ist die medizinische Versorgung in Südafrika meiner Meinung nach besser als in Simbabwe, aber die simbabwischen Flüchtlinge haben vor allem sprachliche Probleme und dann haben sie natürlich auch mit dem fehlenden legalen Status zu kämpfen. Darüber hinaus gibt es immer wieder Vorkommnisse von Xenophobie die sich wahrscheinlich auch in der Behandlung in den Krankenhäusern niederschlägt. Generell sind medizinische Behandlungen in Südafrika oft kostenpflichtig, was aber auch südafrikanische Bürger (insbesondere in den Townships) hart treffen kann. Ich spüre den Unterschied in meiner täglichen Arbeit in der HIV-Klinik im Krankenhaus, wo schon öfters simbabwische Bürger und Flüchtlinge nach mir fragen, da ich bei MSF bin und sie meinen, somit eine bessere Behandlung ohne Vorurteile zu bekommen.
Werden die von MSF aufgezeigten Missstände in den südafrikanischen Medien oder in der südafrikanischen Gesellschaft thematisiert?
Vor kurzem war ein Team von SABC vor Ort und hat bei uns Opfer interviewt und schliesslich einen Dokumentarfilm über die Missstände in Musina gedreht. Auf diesen Film hin haben sich einige südafrikanische Bürger mit Hilfeangeboten bei uns gemeldet.
Sind Sie der Ansicht, dass die Fussballweltmeisterschaft in Südafrika hilft diese Missstände in Südafrika oder sogar international umfangreicher thematisieren zu können?
Ich habe ehrlich gesagt keinen grossen Unterschied bemerkt, aber es kommen mehr internationale Journalisten zu Besuch.
Welchen Stellenwert besitzt die Ausübung von Gewalt in der südafrikanischen Gesellschaft? Weist Südafrika eine hohe Anzahl von Vergewaltigungen auf?
Mir sind die Zahlen leider nicht bekannt, aber generell ist die Anzahl von Vergewaltigungen in Südafrika sehr hoch. Mord und Totschlag ist bestimmt auch keine Seltenheit, vor einem Monat wurde beispielsweise bei uns in der Umgebung ein Mann erschossen, obwohl Musina alles andere als eine Grossstadt ist. Unsere Sicherheitsvorkehrungen beinhalten unter anderem, dass wir nach Einbruch der Dunkelheit uns nicht in den Townships aufhalten dürfen. Autotüren sollen immer abgeschlossen sein, man fährt nie alleine (insbesondere Frauen) und ist generell nie zu Fuss unterwegs.
In den Ausschreitungen vom Mai 2008 waren neben simbabwische Emigranten insbesondere auch solche aus Somalia und Mosambik betroffen. Ist Xenophobie nicht ein allgemeines Problem in südafrikanischen Staaten, welche in einem allgemeineren Ansatz bekämpft werden müsste? Wieso konzentriert sich MSF so stark auf die Übergriffe auf simbabwische Flüchtlinge?
Wir sind nicht nur für simbabwische Flüchtlinge da, wir helfen auch anderen Südafrikanern in Not. Es gibt sehr viele simbabwischen Flüchtlinge in Südafrika; somit macht es auch Sinn, dass wir ihnen helfen. Als das Projekt in Musina gestartet wurde, war der Flüchtlingsstrom aus Simbabwe noch viel grösser als heute. Nun wandelt sich das Projekt sich immer mehr in ein HIV/Tuberkulose-Projekt um, da wir in unseren mobilen Kliniken eine HIV-Prävalenz von bis zu 40% gefunden haben. Die nächste HIV-Klinik ist etwa 50km entfernt und der Transport alleine nimmt einen sehr grossen Teil des Einkommens in Anspruch, was die HIV-Medizin praktisch unerschwinglich für die Patienten macht.
Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.
Bildquelle
Die Bilder aus Musina stammen von Austin Andrews (Disposable Words) aus seiner Fotogallerie "Sanctuary in the Sunburned North". Ich danke für die Erlaubnis zur Benutzung der Bilder.
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