Haiti& Inklusiv Video& Internationale Streitkräfte07 Feb 2010 10:46 am

Die UNO bezeichnete das Erdbeben in Haiti vom 12. Januar 2010 als grösste Katastrophe ihrer Geschichte. Die weitgehende Zerstörung der Hauptstadt, der politischen und zivilen Infrastrukturen inklusive der UN Mission MINUSTAH führt zu einem komplett hilflosen haitianischen Staat. Gemäss UNO waren rund zwei Millionen Haitianer auf Soforthilfe angewiesen, drei Millionen werden in den kommenden sechs Monaten Unterstützung brauchen. Eine solche Aufgabe überfordert nicht nur die UNO, sondern auch zivile Hilfsorganisationen. Militärische Organisationen verfügen über Manpower und schwere Geräte, welche personelle sowie materielle Lücken verkleinern können. Gemäss einem “Joint Communique of the Governments of the United States and Haiti” vom 17. Januar 2010 begrüsste der haitianische Präsident René Préval die amerikanische humanitäre Hilfe. Ohne militärische Katastrophenhilfe wäre der Flughafen von Port-au-Prince kaum so effektiv ausgelastet, kaum Teile des Hafens und der Strassen benutzbar, kaum ein umfassendes Bild der Lage durch Luftaufklärung erstellt, kaum so viele Verpflegungsrationen bzw. Wasserflachen verteilt und vielleicht auch kaum die jetzige ruhige Lage erreicht worden. Bei einer solch grossen Katastrophe nicht erstaunlich, ist auch das Militär nicht vor Kommunikationsproblemen, logistischem Chaos, mangelnder Koordination und sogar fehlgeleitetem Wohlwollen gefeit.

[...] the men and women on the ground in Haiti are doing an amazing job. Those men and women who train our Soldiers, Sailors, Airmen, Marines, and Guardians should take pride today because US citizens indeed take pride in their representation of us in Haiti. With that said the leaders of the operation need to do a better job organizing, cooperating, and coordinating the response to Haiti, because every problem that pops up can be specifically defined as a leadership issue where Command, Coordination, and Cooperation of operations can be improved – and need to be improved. Countries like France are exactly right to call US actions in Haiti as “occupation” even if it is not true, because in case you haven’t noticed, every US spokesman on TV and covered in press conferences involved in public diplomacy from the ground in Haiti wears combat boots. — Raymond Pritchett, Technologist, Entrepreneur, and Government IT Consultant with specialization in large public and private tech project strategy development and implementation in “Obama’s Public Diplomacy From Haiti Wears Combat Boots“, Blog des US Naval Institute, 19.01.10.

Im Rahmen der US-amerikanischen Operation Unified Response wurde eine Combined Task Force zusammengestellt, welche unter der zivilen Verantwortung von Rajiv Shah, Administrator der USAID und der Führung von Lieutenant General Ken Keen, Stellvertretender Kommandant US Southern Command liegt. Die US-amerikanische Küstenwache war eines der ersten Elemente in Port-au-Prince. Sie begann am 13. Januar 2010 mit der Schadensaufnahme des zerstörten Hafens. Die umfangreichsten Elemente der Task Force sind die 2. Brigade der 82. US-Luftlandedivision mit rund 3000 Soldaten, die 22. Marine Expeditionary Unit und die 24th Marine Expeditionary Unit mit je rund 2000 Marines. Bereits am 14. Januar 2010 konnte der Flughafen von Port-au-Prince unter der Kontrolle der US Airforce seinen Betrieb wieder aufnehmen. Bis Ende 19. Januar 2010 wurden insgesamt 10.000 Soldaten nach Haiti überführt, seit dem 25. Januar 2010 sind rund 20.000 Soldaten, 24 Schiffe und 120 Luftfahrzeuge eingesetzt. Die Task Force verfügt seit dem 21. Januar 2010 mit der USNS Comfort (T-AH-20) über ein Sanitätsschiff mit 1000 Betten (zweistöckig und nur beschränkt für Schwerverletzte geeignet), 12 Operationssäle, 80 Betten auf der Intensivstation und 956 Spitalpersonal im Katastrophengebiet. Nicht einmal 5 Tage später war die USNS Comfort bereits von Patienten mit gravierenden Verletzungen und Verbrennungen überfüllt und lief personell sowie materiell am Limit (vgl.: Robert Little, “Comfort’s ability to help stretched to limit“, Baltimore Sun, 25.01.20). Die USA verfügen noch über ein zweites Sanitätsschiff, die USNS Mercy, welches jedoch wegen Revisionsarbeiten noch bis anfangs März im Trockendock steht. Jetzt dringend benötigt, wurde vor ein paar Jahren noch über die Verschrottung beider Schiffe nachgedacht. Noch nie hatten die USA so viele Soldaten und militärisches Gerät für einen humanitären Einsatz mobilisiert. Das hat auch Konsequenzen auf die geplante Truppenaufstockung in Afghanistan: die 24th Marine Expeditionary Unit war ursprünglich als Reserveeinheit in Afghanistan vorgesehen und auch die Global Hawk, welche zur Erfassung der Erdbebenschäden auf Haiti eingesetzt wurde, wäre in Afghanistan erwartet worden. (Vgl.: Nathan Hodge, “Will Haiti Earthquake Response Slow Afghan Troop Surge?“, Danger Room, 25.02.10).

One of my logistics students did a quick estimate and came up with a requirement for 2,000 cargo trucks per day to supply ONE humanitarian ration to 3 million people per day….and rations are easy compared to water. — Todd H. Guggisberg, Assistant Professor, Department of Logistics and Resource Operations (DLRO) US Army Command and General Staff College zitiert in Raymond Pritchett, Technologist, “Obama’s Public Diplomacy From Haiti Wears Combat Boots“, Blog des US Naval Institute, 19.01.10. Zum Vergleich: ein C-17 Transportflugzeug kann ca. 30.000 Verpflegungsrationen transportieren, ein Frachtschiff der “Lewis and Clark”-Klasse transportiert den Umfang von mindestens 13 C-17 Transportflugzeugen.

Welche Interessen hat die USA Haiti zu helfen? Es mag vielleicht überraschen, doch auch in einem rationalen, berechnenden Weltbild könnte die Vorstellung, dass ohne Hilfe hunderttausende Menschen sterben und Millionen leiden, bereits einen ausreichenden Grund für diese militärische Katastrophenhilfe liefern. Ausserdem hat die USA kein Interesse an Flüchlingsstrom in Richtung USA. Glücklicherweise kommt ein Erdbeben diesen Ausmasses selten vor – zivile und militärische Organisationen können während des Einsatzes wertvolle Erfahrungen sammeln, um beispielsweise bei einem Erdbeben in San Francisco oder Los Angeles besser vorbereitet zu sein. Natürlich sieht sich die USA auch aus historischen und geografischen Gründen – quasi als Defakto-Schutzmacht – zur Hilfe verpflichtet. Schliesslich geht es auch um das Image der Obama-Administration bzw. um das Image der USA: Bilder wohltätiger US-Soldaten in Haiti sprechen die eigenen Wähler bzw. die Weltöffentlichkeit positiver an, als Bilder kämpfender Soldaten in Afghanistan.

In meinem Artikel “Identifizierung staatlicher oder nichtstaatlicher Scheinhilfe” versuchte ich “echte Hilfe” von einer Scheinhilfe durch Betrachtung der Prioritätenfestlegung zu unterscheiden. “Echte Hilfe” priorisiert die Bedürfnisse der Betroffenen vor Ort, Scheinhilfe priorisiert die Durchsetzung politischer Ziele mittels hilfsähnlichen Tätigkeiten. Ob die Hilfe durch zivile oder militärische bzw. staatliche oder nichtstaatliche Organisation erbracht wird, ist dabei unerheblich. Soweit die Theorie, doch in der Praxis zeigt sich, dass militärische Organisationen nur schon auf Grund ihrer Kernkompetenz “Management of Violence” (gemäs Samuel P. Huntington) andere Prioritäten als humanitäre Organisationen festlegen. Diese Fokussierung auf das Gewaltmanagement ist bei den US-amerikanischen Streitkräften besonders ausgeprägt, deshalb stand für das US-Militär das Einfliegen militärischen Personals zur Gewährleistung der Sicherheit an erster Stelle. Ganz unbegründet waren diese Sicherheitsbedenken nicht: Haiti schaut auf eine Geschichte zurück, die teilweise von gewalttätigen Banden und anarchischen Gewaltausbrüchen geprägt ist. Während des Erdbebens wurden Gefängnisse zerstört und damit rund 7000 Gefängnisinsassen auf freiem Fuss gesetzt. Zeitweise konnten gewalttätige Plünderungen beobachtet werden. Verzweifelte, durstende, hungernde und durch die schleppend anlaufenden Hilfe auch zornige Menschen verhalten sich verständlicherweise nicht immer rational. So mussten anfänglich Lebensmittelverteilungen aus Sicherheitsgründen mehrmals abgebrochen und in einem verbesserten Sicherheitsdispositiv wieder aufgenommen werden. Da den Ärzten ohne Grenzen allmählich wichtige medizinische Güter ausgingen, gehörte diese Organisation zu den schärfsten Kritiker der militärischen Priorisierungsliste.

Der Vorwurf, es handle sich bei der militärischen Katastrophenhilfe der USA um eine Besetzung Haitis, kam vor allem aus zwei Richtungen. Ein Kritiker der ersten Stunde war der venezulanische Präsident Hugo Chavez, aus dessen Umfeld die USA bezichtigt wurde, das Erdbeben mit einer seismischen Waffe ausgelöst zu haben (Quelle: Valentina Lares Martiz, “Terremoto de Haití fue causado por un arma de E.U., dice prensa chavista en Venezuela“, Eltiempo). Auch Frankreich, das sich gerne selber als Koordinator der Hilfsmassnahmen gesehen hätte, sparte nicht mit Kritik. Als ehemalige Kolonialmacht Haitis, wegen der französischen Sprache der haitianischen Bevölkerung und auf Grund der rund 70.000 Haitianer in Frankreich, hätte die ehemalige “Grande Nation” gerne eine tragendere Rolle bei der Katastrophenhilfe in Haiti gespielt. Besonders erzürnt hatte Alain Joyandet, französischer Staatssekretär für Zusammenarbeit und Francophonie die Abweisung von Transportflugzeugen mit humanitärem Frachtgut beim Anflug auf den US-amerikanisch kontrollierten Flughafen in Port-au-Prince. Unter dem Frachtgut befand sich auch ein Feldspital der Franzosen, dessen Transportflugzeug erst auf diplomatischen Druck in Port-au-Prince landen konnte. Das US-Militär sorgte auf dem Flugplatz für Ordnung, ordnet sich selber jedoch auch die höchste Priorität ein und stiess so andere Nationen und Organisationen vor den Kopf. Erst nach der Überführung der US-Soldaten nach Haiti und der Evakuierung US-amerikanischer Bürger (bis 21.01.10 wurden insgesamt 10.500 Personen evakuiert, darunter 8.300 US-Bürger) konnte das Welternährungsprogramm den Flughafen von Port-au Prince wieder anfliegen. Andere Hilfsorganisationen, wie beispielsweise das Rote Kreuz oder die Ärzte ohne Grenzen wichen über die Dominikanische Republik aus, was jedoch die Hilfsgüter um bis zu drei Tag verzögerte.

There are 200 flights going in and out every day, which is an incredible amount for a country like Haiti. But most of those flights are for the United States military. Their priorities are to secure the country. Ours are to feed. We have got to get those priorities in sync. — Jarry Emmanuel, Logistikoffizier des Welternährungsprogramm zitiert in Ginger Thompson und Damien Cave, “Officials Strain to Distribute Aid to Haiti as Violence Rises“, The New York Times, 17.01.10.

Wie eingangs erwähnt unterliefen dem US-Militär auch einige Fehler. Beispielsweise wurde am Anfang des Einsatzes tonnenweise Güter mittels Lufttransport auf den Flughafen von Port-au Prince gebracht, ohne zu berücksichtigen, dass die Infrastruktur zum Entladen der Fracht zerstört war. Den Chinesen unterlief übrigens der gleiche Fehler: das komplette Frachtgut einer chinesischen A330 musste vom US-amerikanischen Bodenpersonal in Port-au-Prince während 8 Stunden von Hand ausgeladen werden. Auch die Verteilung von Versorgungsgütern mittels Abwurf aus dem Helikopter kam bei den haitianischen Behörden nicht gut an. Das Problem bei dieser unkontrollierten Verteilung ist, dass dies zu Streitigkeiten führt, bei denen die Schwächeren leer ausgehen. Auf drängen des haitianischen Botschafters in den USA wurde diese Verteilmethode wieder eingestellt. Der Abwurf von Versorgungsgüter aus Transportflugzeugen ist nur dann möglich, wenn Soldaten die Landezonen sichern, die Versorgung in Empfang nehmen und für eine geordnete Verteilung sorgen, wie es im Video rechts oben der Fall war.

Whatever you do, don’t do air drops – you are likely to kill more people than you help by crushing them with pallets or by starting riots. — Gary Anderson, “Some Advice for Military Humanitarians“, Small Wars Journal, 16.01.10.

Noch immer werden nicht alle zerstörten Ortschaften mit medizinischen Gütern, Verpflegungsrationen und Wasser versorgt. Es ist anzunehmen, dass sich die militärische Katastrophenhilfe noch über Monate erstrecken könnte. Der Abzug des Flugzeugträger USS Carl Vinson am 1. Februar 2010 scheint ein Zeichen zu sein, dass die Obama-Administration unnötige Militärpräsenz vermeiden möchte. Zur Zeit sieht es nicht so aus, dass die US-Regierung Haiti eine politische Agenda aufzwingen will. Genaueres werden wir jedoch erst in ein paar Monaten feststellen, wenn es darum geht, die Kontrolle ganz an zivile Organisationen abzugeben und die Truppen komplett aus Haiti abzuziehen.

 
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Armee& English only& Politik allgemein04 Feb 2010 12:09 am

This year, I will work with Congress and our military to finally repeal the law that denies gay Americans the right to serve the country they love because of who they are. — Barack Obama, “State of the Union Address“, 28.01.2010.

Politik allgemein31 Jan 2010 12:00 pm

Am 20. Januar 2009 trat Barack Obama sein Amt als US-Präsident an. Mit seinem Wahlkampfslogan “Change – we can believe in” bzw. “Yes we can” schürte er bei seinen Wählern die Hoffnung, dass es nach seiner Wahl zum US-Präsidenten zu drastischen Änderungen in der US-amerikanischen Politik kommen würde. Vor übersteigerte Hoffnungen warnte ich bereits in einem Artikel im Juni 2008. Erstens unterschieden sich Obamas Ziele erstaunlich wenig von den Zielen seines republikanischen Konkurrenten John McCain und zweitens formt das Amt des US-Präsidenten den Inhaber stärker, als der Präsident sein Amt formen kann.

In zwei Teilen will ich ein Fazit über das erste Amtsjahr von Barack Obama ziehen. Im ersten Teil richte ich den Fokus auf innenpolitische Projekte, welche der US-Präsidenten während des 2009 massgeblich angestossen hatte. Konnte er im ersten Amtsjahr ein Fundament legen auf dem er langfristig aufbauen kann oder wenden sich seine Wähler enttäuscht von ihm ab? Welche Herausforderungen erwarten ihn in seinem kommenden Amtsjahr? Im zweiten Teil werde ich die aussenpolitischen Korrekturen Barack Obamas näher betrachten. Hält er seine im Wahlkampf gemachten Versprechungen ein? Hebt sich seine Aussenpolitik wirklich von derjenigen seines Vorgänger George W. Bush ab?

Barack Obamas Amtsantritt stand unter einem schlechten Stern. Bereits im Vorfeld musste er sich mit der Finanzkrise befassen. Während des ganzen ersten Amtsjahres war dies das wichtigste Thema, mit dem sich der neuen US-Präsidenten befassen musste. Um die US-amerikanische Wirtschaft zu stützen und gleichzeitig einen Zusammenbruch der Weltwirtschaft zu verhindern, schnürte er unmittelbar nach seiner Amtseinführung ein 787 Milliarden US-Dollar umfassendes Konjunkturprogramm zusammen. Kein anderer US-Präsident investiert in so kurzer Zeit so viel Geld. Ende Januar unterstützten 52-59% der US-Amerikaner dieses Konjunkturprogramm. Trotzdem stieg die Arbeitslosenquote in den den USA von rund 8% bei Obamas Amtsantritt auf rund 10% Ende 2009. Erfahrungen aus früheren Rezessionen zeigen, dass die Arbeitslosenzahlen verzögert ansteigen und erst langfristig wieder fallen. In Zahlen heisst das: während des ersten Amtsjahres von Barack Obama gingen rund 4 Millionen US-amerikanische Jobs verloren. Mittlerweile sind insgesamt rund 15 Millionen US-Amerikaner arbeitslos. Auch wenn Obama wenig dafür kann, ist die Enttäuschung der Betroffenen verständlicherweise gross. Dies ist ein Grund, weshalb die Zustimmung zu Obamas Politik von 63% bei Amtsantritt mittlerweile auf rund 46% herabgesunken ist. Für 2010 werden trotz einem Wirtschaftswachstum von bis zu 3,7% eine nahezu unveränderte Arbeitslosenquote bei 10% erwartet sowie die Zwangsversteigerung von rund 3 Millionen Eigenheimen befürchtet.

Im August 2009 waren nur noch 41% der US-Amerikaner überzeugt, dass das anfangs Jahr gestartete Konjunkturprogramm einen positiven Effekt auf die US-Wirtschaft hat. Die Angst vor der unsicheren Wirtschaftslage und vor Arbeitslosigkeit führte zu einem schwindenden Vertrauen in den Präsidenten. Etwas populistisch gefärbt und mit einem schärferen Ton, welcher Barack Obama seit anfang 2010 gegen die Grossbanken auffährt, versucht er das Vertrauen der einfachen Bürger wiederzugewinnen. Mit Sonderabgaben bei Grossbanken will Obama bis 2020 mindestens 90 Millionen US-Dollar wieder in die Staatskasse hineinholen. Weiter will er den Banken ihren Eigenhandel unterbinden und über Eigenkapitalvorschriften, die proportional zur Grösse der Bank verschärft sein sollen, zukünftig die heutigen “too big to fail“-Monster verhindern.

Our most urgent task upon taking office was to shore up the same banks that helped cause this crisis. It was not easy to do. And if there’s one thing that has unified Democrats and Republicans, it’s that we all hated the bank bailout. I hated it. You hated it. It was about as popular as a root canal. But when I ran for President, I promised I wouldn’t just do what was popular – I would do what was necessary. And if we had allowed the meltdown of the financial system, unemployment might be double what it is today. More businesses would certainly have closed. More homes would have surely been lost. — Barack Obama, “State of the Union Address“, 28.01.2010.

Als Kehrseite hat das Konjunkturprogramms eine immense Neuverschuldung verursacht. Mit 1.400 Milliarden US-Dollar hat die Obama-Administration 2009 das höchste US-Defizit seit dem Zweiten Weltkrieg eingefahren. Die zunehmende Staatsverschuldung lieferte den republikanischen Gegner genügend Munition um Obamas zweitwichtigstes innenpolitisches Projekt, die Gesundheitsreform trotz der demokratischen Supermehrheit im US-Senat abzubremsen und eine Verabschiedung des Gesetzes im Jahre 2009 zu verhindern. Schätzungen gehen davon aus, dass die Gesundheitsreform in den nächsten 10 Jahren rund 900 Milliarden US-Dollar kosten könnte. Am 7. November 2009 verabschiedete das Repräsentantenhaus bzw. am 24. Dezember 2009 der Senat ihre Versionen des Gesetzesentwurfs zur Gesundheitsreform. Die bestehenden Differenzen müssen noch bereinigt und das Gesetz als ganzes angenommen werden. Diese finale Abstimmung könnte jedoch zur Zitterpartie werden, denn mit dem Verlust der demokratischen Supermehrheit im Senat können die Republikaner die Diskussion in die Länge ziehen. Wenn die Demokraten sich an die Abstimmungsdisziplin halten, können die Republikaner die Gesundheitsreform zwar kaum ewig verhindern, womöglich aber weitere Kompromisse aushandeln, welche die Gesundheitsreform aushöhlt und dadurch das Vertrauen der Wähler in den Präsidenten vermindert. Die Zeit spielt gegen Obama: zunehmend haben die Bürger Angst vor einer weiteren riesigen Neuverschuldung des Staates und mittlerweile stehen nur noch knapp die Hälfte der US-Bürger hinter der Gesundheitsreform. Je näher die Mid-term Elections vom 2. November 2010 rücken, um so eher könnten sogar demokratische Politiker gegen die Gesundheitsreform stimmen.

[Health Care] is a complex issue, and the longer it was debated, the more skeptical people became. I take my share of the blame for not explaining it more clearly to the American people. And I know that with all the lobbying and horse-trading, this process left most Americans wondering what’s in it for them. — Barack Obama, “State of the Union Address“, 28.01.2010.

Von den anderen beiden innenpolitischen Themen überdeckt, stiess Barack Obama ebenfalls ein Klimaschutzgesetz an, welches in den USA die Einführung des Handels mit Emissionszertifikaten ermöglichen soll. Eigentlich war vorgesehen, dass dieses Gesetz bis zum Klimagipfel in Kopenhagen vom Kongress verabschiedet wäre. Dieser sportliche Zeitplan konnte nicht eingehalten werden, was ein Grund für Obamas Zurückhaltung am Klimagipfel war. Trotzdem hätten 55% der US-Amerikaner im Rahmen des Klimagipfels in Kopenhagen ein verbindliches Dokument zur Reduktion von Klimagasen unterstützt. Bei den Republikaner war dieses Gesetz von Anfang an unpopulär und nach dem Scheitern der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen wird man sich bei der Verabschiedung dieses Gesetzes Zeit lassen. Insbesondere auch weil nun 42% der US-Bürger überzeugt sind, dass die Verabschiedung eines Klimagesetzes der US-Wirtschaft schadet.

Barack Obama initiierte die wichtigsten innenpolitischen Projekte. Ausser dem Konjunkturprogramm schafften es die Gesetze jedoch noch nicht durch den Kongress. Zusätzlich wegen der Wirtschaftslage und der hohen Arbeitslosigkeit steht Obama nach einem Jahr auf einem sehr wackeligen politischen Fundament. Er hat dies erkannt und in seiner Rede zur Lage der Nation bekannt gegeben, die Schaffung neuer Arbeitsplätze werde in seinem zweiten Amtsjahres auf dem obersten Platz seiner politischen Agenda stehen. Das hat natürlich weniger mit “Hope” zu tun, sondern mehr mit politischem Pragmatismus, denn ohne bessere Wirtschaftslage und weniger Arbeitslosen wird es für Obama schwierig werden die Gesundheitsreform und das Klimaschutzgesetz durch den Kongress zu bringen. Gleichzeitig ist er unter Zeitdruck: er muss die Zeit bis zur Mid-term elections am 2. November 2010 optimal nutzen, weil sonst zu befürchten ist, dass die Demokraten noch weitere Sitze verlieren werden und es für Barack Obama noch schwieriger wird Reformen durch den Kongress zu bringen. Ein erfolgreiches 2010 kann auch für eine Wiederwahl Barack Obamas entscheidend sein, denn momentan sind wegen den schleppenden Reformen demokratische und unabhängige Wähler von ihm enttäuscht. In der US-amerikanischen Politik eher als Schwäche anzusehen, ist sein Streben nach Kompromissen. Angetreten um mit Demokraten aber auch Republikaner zusammenzuarbeiten, haben sich die Republikaner dieser Zusammenarbeit schroff verweigert, ein Drittel der Republikaner ist sogar der Meinung, dass Barack Obama kein US-Amerikaner sei. In diesem Umfeld nach Kompromissen zu suchen, kostet viel Zeit, bremst Reformen und lässt den Präsidenten schwach aussehen.

You know, folks ask me sometimes why I look so calm.” The audience laughed, and he continued, “They say, All this stuff coming at you, how come you just seem calm? And I have a confession to make here. There are times where I’m not so calm … There are times when progress seems too slow. There are times when the words that are spoken about me hurt. There are times when the barbs sting. There are times when it feels like all these efforts are for naught, and change is so painfully slow in coming, and I have to confront my own doubts. But let me tell you — during those times, it’s faith that keeps me calm. — Barack Obama in der Vermont Avenue Baptist Church in Washington am 19.01.10 zitiert in Joe Klein, “Starting Over: Can Obama Revive His Agenda? “, Time, 21.10.09..

Inklusiv Video& Kritisch betrachtet& Politik allgemein26 Jan 2010 01:05 am

Auf Change.org habe ich einen interessanten Artikel von Una Moore gelesen, in dem sie ansetzt “echte Hilfe” – beispielsweise materielle und logistische Bereitstellung und Verteilung von Hilfsmitteln zum Schutz von Menschen in einer humanitären Notlage (humanitäre Hilfe) oder Entwicklungszusammenarbeit über eine längere Zeitspanne mit dem Ziel die Armut zu verringern – von Scheinhilfe zu unterscheiden (gemäss Una wurde der Artikel vor dem Erdbeben in Haiti geschrieben, hat also keinen Bezug dazu). Bei “echter Hilfe” werden Tätigkeiten so priorisiert, dass sie der betroffenen Bevölkerung möglichst umfassend zugute kommen. Für die Priorisierung ist die Bedürftigkeit der Empfänger ausschlaggebend. Oft handelt es sich dabei um die Versorgung der Bevölkerung mit medizinischen Gütern, Trinkwasser, Nahrungsmittel, die Organisation von Notunterkünften und um Hilfe zur Selbsthilfe. Typische Organisationen, die sich der “echten Hilfe” verschrieben haben, sind beispielsweise in der Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung, der Médecins Sans Frontières und vielen anderen staatlichen oder nicht-staatlichen Hilfswerken zu finden. Bei ihren Grundsätzen spielt die Unparteilichkeit in der Regel eine zentrale Rolle.

Auch wenn “echte Hilfe” nicht rein altruistischer Natur sein muss, handelt es sich bei der Scheinhilfe um hilfsähnliche Tätigkeiten mit dem vorrangigen Ziel eine mehr oder weniger versteckte politische Agenda umzusetzen. Der Unterschied wird deutlich bei der Priorisierung der Tätigkeiten. Bei der Scheinhilfe werden die Mittel schwergewichtig dort eingesetzt, wo politische Ziele am erfolgreichsten umgesetzt werden können und nicht dort wo sie am notwendigsten sind. Ein Beispiel wäre, wenn Hilfsgüter absichtlich nicht dezentral, sondern nur zentral an strategisch wichtigen Punkten verteilt würden, um den guten Willen der Bevölkerung zu gewinnen. Natürlich gibt es auch bei der Unterscheidung zwischen “echter Hilfe” und der Scheinhilfe kein schwarz-weiss Muster. Die meisten staatlichen Programme der Entwicklungszusammenarbeit besitzen langfristig betrachtet eine mehr oder weniger stark ausgeprägte politische Agenda. Beispielsweise ordnet sich die Priorisierung der Hilfeleistung der USAID (wobei die Abkürzung zwar “Hilfe” suggeriert, jedoch für “Agency for International Development” steht) der aussenpolitischen Agenda der USA unter, was auch auf dem Diagramm rechts bei den wichtigsten Empfängerländer der USAID zur Geltung kommt. Es zeigt auf, wohin die Mittel in Millionen US-Dollar der USAID im Jahre 2008 hingeflossen sind (Quelle: USAID and State Department aufgeführt in Curt Tarnoff und Marian Leonardo Lawson, “Foreign Aid: An Introduction to U.S. Programs and Policy“, Congressional Research Service, 09.04.2009). Diese “unabhängige Behörde” der USA verfolgt mit Zielen der Terrorismuseindämmung, Demokratisierung, Drogenbekämpfung, Wirtschafts- und Gesundheitspolitik eine politische Agenda, welche langfristig der USA wieder zugute kommen soll. Unparteilichkeit kann für diese Organisation somit kein Grundsatz sein. Rund die Hälfte des Geldes der USAID in Afghanistan fliesst an 5 US-Firmen zurück: KBR, Louis Berger Group, Chemonics International, BearingPoint, und Dyncorp International. Ein Grossteil der Entwicklungshilfe für Afghanistan ist für politische und militärische Projekte vorgesehen anstatt zur Linderung der Armut der Bevölkerung (Quelle: Centre for Public Integrity zitiert in Richard Norton-Taylor, “40% of Afghan aid returns to donor countries, says report“, Guardian, 25.03.2008).

Ein anderes Beispiel stellt die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) der Schweiz dar. Die Entwicklungshilfe der DEZA ist ebenfalls ein Bereich der schweizerischen Aussenpolitik. Dies wird von der DEZA offen kommuniziert: “Durch die Förderung von Menschenrechten, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sowie nachhaltiger wirtschaftlicher Entwicklung trägt sie [(die Entwicklungszusammenarbeit)] zu Frieden und Stabilität bei und damit zur Erhöhung der weltweiten Sicherheit. So gesehen ist sie nicht nur eine Investition in eine lebenswerte Zukunft für alle, sondern erfolgt auch im Eigeninteresse der Schweiz”. Auch wenn die DEZA kein bedürftiges Land a priori ausschliesst, so ist eine der Faktoren (nebst anderen Faktoren) zur Festlegung der geografischen Schwerpunkte das politische Interessen der Schweiz. Die Schwerpunktprogramme konzentrierten sich 2008 auf Asien (42% der Mittel; mit Vietnam – 27,5 Mio SFr, Zentralasien – 21,3 Mio SFr, Nepal – 20,9 Mio SFr als Top-3 Empfänger), Afrika (39% der Mittel; mit Tansania – 20 Mio SFr, Mosambik – 15,9 Mio SFr, Ruanda/Grosse Seen – 12,7 Mio SFr als Top-3 Empfänger) und Lateinamerika (19% der Mittel; mit Nicaragua/Zentralamerika – 20,9 Mio SFr, Bolivien – 12,1 Mio SFr, Peru – 10,1 SFr als Top-3 Empfänger). Die Entwicklungszusammenarbeit in den Ländern richtet sich in erster Linie nicht nach einer politischen Agenda, sondern nach den Entwicklungszielen der Partnerländer (die Schweiz ist einer der Teilnehmerstaaten der Erklärung von Paris über die Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit). Die DEZA engagiert sich insbesondere in den Bereichen Trinkwasserversorgung, Aufbau einer nachhaltige Landwirtschaft und dezentralen Gesundheitsversorgung. Da die Schweiz eine Neutralitätspolitik verfolgt, die in ihrer Aussenpolitik zu tragen kommt, ist auch der DEZA ein hoher Grad der Unparteilichkeit zuzusprechen. Mit rund 60% des verfügbaren Geldes werden Güter und Dienstleistungen für die Partnerländer in der Schweiz eingekauft. Der Jahresbericht 2008 zeigt auf, dass trotz langfristigem Eigeninteresse “echte Hilfe” geleistet wird.

Ob es sich also um “echte Hilfe” oder um Scheinhilfe handelt, muss im Einzelfall durch die Priorisierung der Tätigkeiten festgestellt werden und ist nicht abhängig, ob es sich dabei um eine zivile oder militärische bzw. staatliche oder nichtstaatliche Organisation handelt. In der Schweiz sorgt die Subsidiarität und die zivile Einsatzverantwortung bei militärischer Katastrophenhilfe dafür, dass die Tätigkeiten der Schweizer Armee sich optimal auf die Bedürfnisse der Betroffene fokussieren. Beim Einsatz der Schweizer Armee im Kosovo verlagert sich jedoch bereits die Priorisierung. Im Kern hat die KFOR ein sicheres und stabiles Umfeld zu gewährleisten, in dem der soziale, politische und wirtschaftliche Wiederaufbau Kosovos erst möglich wird. Die Aufgabe der Schweizer Armee im Kosovo besteht darin den Bereichen Logistik, Infanterie, Militärpolizei und Lufttransport (Helikopter) Leistungen zu Gunsten des Einsatzbataillons DULJE bzw. der gesamten KFOR zu erbringen. (Vgl.: Samuel Schmidt, “Bericht 2008 über den Einsatz der Schweizer Kompanie (SWISSCOY) in der multinationalen Kosovo Force (KFOR)“, VBS, 02.12.2008). Es handelt sich weder um humanitäre Hilfe oder Entwicklungszusammenarbeit (“echte Hilfe”) noch um Scheinhilfe, sondern um Peacekeeping, also um die Erfüllung eines klaren militärischen Auftrags (vgl. auch Bruno Rösli, “Zivil-militärische Zusammenarbeit in Friedensoperationen”, ASMZ, 172:6, 2006, S. 17 und 18).

Die Militäreinsätze in Afghanistan als humanitäre Hilfe oder Entwicklungszusammenarbeit zu verkaufen, wäre absolute Augenwischerei, denn die Ziele der ISAF sind die Aufrechterhaltung eines sicheren Umfeldes in Afghanistan, die Etablierung demokratischer Strukturen und die Durchsetzungsfähigkeit der frei gewählten Zentralregierung. Würde in diesem Umfeld militärische Einheiten plötzlich beginnen Lebensmittel zu verteilen – beispielsweise um ihr Ansehen in der Bevölkerung zu steigern – dann würde dies bloss eine Scheinhilfe darstellen. Humanitäre Organisationen, beispielsweise das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) sind gegen solche Scheinhilfen, weil sie sowohl die Empfänger dieser Güter wie auch Hilfsorganisationen selber zu Zielscheiben der Gegenseite machen. Da das Verhalten aller Beteiligten bei humanitären, stabilisierenden oder erzwingenden militärischen Einsätzen verschieden ist, kann aus psychologischen Gründen weder der betroffene Soldat noch die damit konfrontierte Bevölkerung kurzfristig von einem Zustand zum anderen switchen: in einem Augenblick verteilt ein Soldat auf der Strasse einem lachenden Kind Süssigkeiten, im nächsten Moment wird er eine Häuserecke weiter von einem Extremist bedroht. Eine solche Vermischung gilt es zu verhindern. Diese Ansicht wurde unter anderem durch den ehemalige Generalinspektor der deutschen Bundeswehr, General Schneiderhan im Mai 2007 vertreten und bei der Frühjahrestagung der MILAK 2009 von Dr. Stefan Seiler, Leiter der Dozentur Menschenführung und Kommunikation an der MILAK kritisch unterstrichen.

 
Fazit
Hilfeleistungen werden oft aufgrund langfristiger Eigeninteressen durchgeführt. Deshalb handelt es sich aber noch nicht zwangsläufig um Scheinhilfe, denn “echte Hilfe” muss nicht altruistischer Natur sein. Der Unterschied zwischen “echter Hilfe” und Scheinhilfe wird durch die Prioritätenfestlegung definiert und nicht ob die Hilfe durch zivile oder militärische bzw. staatliche oder nichtstaatliche Organisation erbracht wird. “Echte Hilfe” priorisiert die Bedürfnisse der Betroffenen vor Ort, Scheinhilfe priorisiert die Durchsetzung politischer Ziele mittels hilfsähnlichen Tätigkeiten. Die Militärs sollten verschiedenen Einsatzbereichen (humanitäre Hilfe, stabilisierende bzw. erzwingende Operationen) bei einem Einsatz möglichst nicht vermischen.

Mit diesem Fazit im Kopf will ich nächste Woche den militärischen Hilfseinsatz der USA in Haiti etwas näher betrachten.

 
Bildverzeichnis
Oben links: Echte Hilfe: Rescuers from New York's police and fire departments bring a Haitian child out of the rubble, more than a week after the earthquake hit.
Mitte links: Der Unterschied zwischen "echter Hilfe" und Scheinhilfe wird durch die generelle Prioritätenfestlegung definiert und nicht ob die Hilfe durch zivile oder militärische bzw. staatliche oder nichtstaatliche Organisation erbracht werden. Zum Bild: Survivors of Tuesday's earthquake extend their arms as U.S. troops with the 82nd Airborne Division distribute water in Port-au-Prince, Sunday, Jan. 17, 2010. (AP Photo/Jae C. Hong).
Unten rechts: In Afghanistan geht es beim Militär in erster Priorität um die Durchsetzung einer politischen Agenda und nicht um humanitäre Hilfe bzw. Entwicklungszusammenarbeit. Eine Vermischung dieser Aufgaben sollte möglichst vermiden werden. Zum Bild: An Afghan girl watches as French soldiers along with unseen members of the Afghan National Police (ANP) search house-to-house in Jalokhel in Kapisa province just after a TIC (Troups in Contact) with insurgents on January 5, 2010.

 
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David Axe& English only22 Jan 2010 01:04 am

A C-17 bound for Haiti. Air Force photo.

by DAVID AXE

In November 2001 a small team of Marines traveled 400 miles over mountainous terrain to open up the main U.S-led war effort in Afghanistan, joining Special Forces and CIA paramilitaries already on the ground. For several months, U.S. forces in the country numbered only a few thousand. By the end of 2002, there were still just 10,000 coalition troops on the ground. They spread out, partnered with friendly Afghan forces and relied on communications and deft logistics to keep them all alive and connected.

Soon the Marines had a name for these spread-out tactics: “distributed operations.” The idea became a cornerstone of Marine Corps planning. Marine Commandant General Michael Hagee described distributed ops in 2005:

The essence … lies in the capacity for coordinated action by dispersed units, throughout the breadth and depth of the battlespace, ordered and connected within an operational design focused on a common aim. … Small, highly capable units spread across a large area of operations will provide the spatial advantage commonly sought in maneuver warfare, in that they will be able to sense an expanded battlespace.

Now, as U.S.-led relief efforts to earthquake-ravaged Haiti encounter severe logistical bottlenecks, some American leaders are proposing to adapt the distributed ops notion for humanitarian campaigns. Spreading out aid work could avoid delays incurred by ruined infrastructure.

Haiti has just two major ports of entry: the seaport in Port-au-Prince and the city’s international airport. Both were heavily damaged by the 7.0 earthquake that struck the country on January 12. In the hours following the quake, U.S. Air Force commandos from Hurlburt Field in Florida assaulted into Port-au-Prince in order to re-open the airport. They brought along radios and airport lighting — the basic tools necessary to guide aircraft in to a landing.

That represented a new capability for the Air Force. “We can go in and basically set up an airfield ops so we can resume operations on that specific field that may have been crippled,” explained Colonel Sid Banks from the Air Force Office of Logistics.

While impressive, focusing solely on Port-au-Prince’s airport in fact represented a risky solution to Haiti’s logistical needs. There was no real back-up. “If something happens to that airfield, we’re in trouble,” said Colonel John Romero from the Air Force’s 612th Air Operations Center, which handled some of the air-traffic management as hundreds of planes from all over the world lined up to land at Port-Au-Prince.

“At one point today had 44 aircraft on the ground in various stages of off-loading equipment and onloading,” Lieutenant Colonel Brent Nelson, from the 1st Special Operations Wings, said on January 13. Before the earthquake, the airport handled just a few flights per day, and had a commensurate amount of ramp space and support equipment. Nelson’s airmen worked around the clock to keep aircraft moving and supplies off-loading, but they did so on the razor’s edge of failure.

The Air Force needed more points of entry for supplies. A week after the quake, the air service began dabbling in its own version of the Marines’ distributed ops. “We’re going to put things directly out of the air onto the ground and open up another distribution point north of the airfield,” said U.S. Air Force Lt. Col. Leon Strickland.

On January 18, a C-17 airlifter flying from Pope Air Force Base in North Carolina dropped 3,700 gallons of water and 14,000 emergency meals over a secure drop zone that U.S. troops established in Port-au-Prince. Secretary of Defense Robert Gates and others had worried that airdrops involving tons of supplies might endanger civilians below or even spark riots. “Whatever you do, don’t do air drops — you are likely to kill more people than you help,” retired Marine Colonel Gary Anderson warned military humanitarians.

But the first drop went off without a hitch. One official mulled introducing the satellite-guided Joint Precision Airdrop System in order to help steer falling pallets away from crowds.

Airdrops helped spread out Air Force operations, but finding alternative airstrips would have been even more helpful. On January 19, the Canadian military began flying C-130s into a small airstrip in Jacmel, on Haiti’s southern coast. “The ramp is pretty small,” mused Captain Mitchell Nurse, a helicopter pilot. “It gets pretty full with about four or five small aircraft. There is no air-traffic control. It’s quite the wild one.” The U.S. Air Force said it hadn’t decided whether to risk sending its own C-130s into the strip.

The search for airfields continued. On January 21, Air Force General Douglas Fraser, the head of the U.S. Southern Command, announced the opening of three more airfields for American military planes. But Haiti actually has six airfields with civil airport codes, and many smaller strips. The U.S. Air Force was expanding its operations, but perhaps not aggressively enough.

Part of the problem is the nature of the Air Force’s airlifters. For more than a decade, the air branch has emphasized large transports — requiring long, smooth airfields — over smaller planes that can land on dirt strips. The Air Force’s smallest regular airlifter, the C-130, requires a 3,000-foot runway. In the 1990s, the Air Force flew smaller C-27s that could land in half the distance. The air service retired the C-27s, which had been assigned to Latin America, in 1999. This year the Pentagon will begin fielding a new version of the C-27, but probably not in time to help in Haiti.

The Navy grapples with the same problem. A week after the Haiti quake, the Navy had three large vessels — an aircraft carrier, an amphibious assault ship and a hospital ship — all sitting in Port-au-Prince harbor, mostly idle. The city’s piers were too shaky for docking, but even undamaged, it’s not clear the facilities could have accepted the warships, all of which exceeded 40,000 tons displacement. “I don’t believe there is pier in Haiti even before the earthquake that was capable of handling our ship,” admitted Commander Mark Marino, from the hospital ship Comfort.

The assault ship Bataan partially solved the pier problem by sending its Marines ashore in a D-Day-style amphibious operation that turned a stretch of Haitian beach into an impromptu American port. An even better solution would equip the Navy with ships that don’t require huge ports.

Unfortunately, the Navy long ago abandoned most of its small vessels in favor of a smaller number of large ships. In 2008, the U.S. Navy possessed more than 200 large warships together totaling some 3.1 million tons displacement. The next 20 largest navies, with more than 700 warships combined, together weighed in at just 3.6 million tons displacement. In other words, the U.S. Navy’s ships were three times as big as anyone else’s.

Pursuing its own distributed ops means buying more, smaller ships and spreading them out. The key to that plan is the 3,000-ton Littoral Combat Ship, a hybrid fighter-transport. Today the Navy owns just two of them, from a planned total of 55. Navy Admiral Gary Roughead, the chief of naval operations, said these smaller ships would have been useful getting closer to the Haitian shoreline. Roughead said he would have deployed the LCS to Haiti like a “swarm of bees.”

One Navy study recommended an even more distributed approach in the future. “The New Navy Fighting Machine” study, by retired Captain Wayne Hughes, recommended expanding the fleet from today’s 280 combat ships to nearly 700, by buying large numbers of smaller vessels that could operate in pairs over a huge swath of ocean.

But that proposal has fallen on deaf ears. The Navy League estimated the U.S. fleet would decline to 240 (increasingly enormous) vessels “within a few short years” — this despite Haiti’s ongoing lesson in distributed humanitarian ops.

Militärtechnologie19 Jan 2010 12:00 pm

Die US-Air Force verfügte 2009 über rund 20 Global Hawk RQ-4, 200 Predator MQ-1 und 30 Reaper MQ-9 (ehemals Predator B). Für dieses Jahr hat die US-Air Force die Anschaffung von weiteren 5 Global Hawks (für 554 Millionen US-Dollar), 24 Reapers (für 489 Millionen US-Dollar) und für die US-Army zusätzliche 24 verbesserten Predator-Drohnen des Typs Sky Warrior MQ-1C (481 Millionen US-Dollar) vorgesehen. (Quelle: Mike Freeman, “Global Hawks fully funded“, The San Diego Union-Tribune, 24.12.2009).

Ausserdem ist General Atomics Aeronautical Systems – die Erbauer der Predator- und Reaper-Serie bereits seit Monaten an der Entwicklung eines Reaper-Nachfolgers: den Avenger (ehemals Predator C). Der Avenger wird neu Stealth-Eigenschaften aufweisen und dazu die mitgeführten Waffen im Innern verstauen. Wie bereits der Reaper soll der Avenger mit 500-Pfund JDAM Bomben bestückt werden können (beispielsweise mit GBU-12 Paveway II bzw. GBU-38). Mit einem Ladegewicht von 1,360 kg (gleich wie beim Reaper) könnte der Avenger bis zu 6 dieser Bomben aufnehmen. Der Avenger soll jedoch auch für Aufklärungsflüge eingesetzt werden. Dazu können die Verschlussklappen des Waffenschachts entfernt und in seinem Innern Sensoren eingebaut werden.

Der Avenger wird nicht mehr mit einem Propeller, sondern mit einem Turbofan-Triebwerk von Pratt & Whitney (PW545B) angetrieben. Damit will General Atomics Aeronautical Systems auch die US Navy als möglicher Käufer anvisieren. Dieses Unterfangen scheiterte bisher, weil die US Navy auf ihren Flugzeugträgerdecks keine Fluggeräte mit vertikalen Propellern einsetzen will. Auch der bereits montierte Fanghaken am Avenger zeigt, dass General Atomics Aeronautical Systems dieses Ziel hartnäckig weiterverfolgen will. Ausserdem wird der Avenger für Transport und Lagerung weniger Platz benötigen, weil die Flügel zusammenklappbar sind. Der Jungfernflug fand im April 2009 statt, um 2015 herum soll die neue Drohne im Einsatz stehen.

 
Und hier die Daten einiger Drohnen im Vergleich:

Kenngrösse
Global Hawk
RQ-4B
Predator
MQ-1B
Reaper
MQ-9
Avenger
Andere Bezeichnung: - Predator A Predator B Predator C
Typ: 
Langstrecken-
aufklärer
Aufklärungs- und Kampf-
drohne
Kampfdrohne Aufklärungs- und Kampf-
drohne
Jungfernflug:
Februar 1998
April 1995 Februar 2001 April 2009
Indienststellung: Juni 2006 Sommer 1995 November 2006 voraussichtlich
ab 2015
Länge:    14,5 m [2] 8,22 m [3] 11 m [4] 4,3 m
Spannweite:   
39,8 m [2]
16,8 m [3] 20,1 m [4] 20,1 m (zusammen-
klappbar)
Höhe:   
4,7 m [2]
2,1 m [3] 3,8 m [4] nicht bekannt
Leergewicht: 
6.781 kg [2]
512 kg [3] 2.223 kg [4] nicht bekannt
Max. Abflugmasse: 
14.628 kg [2]
1.020 kg [3] 4.760 kg [4] nicht bekannt
Treibstofftank:
7.847 l
380 l [3] rund 2.288 l [4] nicht bekannt
Max.
Geschwindigkeit: 
574 km/h [2]
ca. 222 km/h [1] ca. 445 km/h [1] über 744 km/h
Max. Flugzeit 28 h [1] 22 h [1] 18 [1] rund 20 Stunden
Reichweite: 
16.112 km [2]
rund 730 km [3] rund 5.924 km [4] nicht bekannt
Max. Flughöhe 18.288 [2] 7.625 m [1] 15.250 m [1] 18.288 m
Bewaffnung / Ladegewicht:
Keine Bewaff-
nung, 1.360 kg Ladegewicht
für Sensoren.
2 AGM-114 Hellfire-Raketen; max. 135 kg [1]. 14 AGM-114 Hellfire-Raketen an 7 Aufhängun-
gen oder in Kombination mit 500 Pfund Bom-
ben (GBU-12 Paveway II bzw. GBU-38) [1,4].
Vermutlich ähnlich wie beim Reaper, jedoch intern bis max. 1.360 kg.
Triebwerk:  Rotax 914F [3] Honeywell TPE331-10GD [4] Pratt & Whitney PW545B
Stückpreis: 
rund 110 Millionen US-Dollar mit Ausrüstung
rund 4,5 Millionen US-Dollar rund 20 Millionen US-Dollar nicht bekannt
         
[1] Unmanned Aircraft Systems Flight Plan 2009-2047, US Air Force, 18.05.09.
[2] Factsheet: RQ-4 Global Hawk, US Air Force, November 2009.
[3] Factsheet: MQ-1 Predator, US Air Force, November 2009.
[4] Factsheet: MQ-9 Reaper, US Air Force, November 2009.

 
 
Quelle
David A. Fulghum und Bill Sweetman, “New Predator C Hints At Stealth, Weaponry“, Aviation Week, 15.04.2009.

Inklusiv Video& Militärtechnologie17 Jan 2010 04:00 pm

ADS System 1Das Active Denial System (ADS) habe ich bereits in zwei Artikeln 2005 und 2007 besprochen. Im Zuge der Löschung älterer Artikel aus dem Jahre 2005, habe ich beide Artikel hier zusammengefasst und auf den neusten Stand gebracht.

Das Ziel des ADS ist, mittels Mikrowellen Personenansammlungen aufzulösen. Die Entwicklung des ADS begann 1992 unter Geheimhaltung und Aufsicht des Air Force Research Laboratory bzw. ab 1997 zusätzlich unter Leitung des Joint Non-Lethal Weapons Directorate. Nachdem die Wirkungsweise des ADS an Tieren ausgetestet wurde, trat im Jahre 2000 bei den anstehenden Feldversuchen ein Problem auf. Seit den 1940er bis Mitte in die 1970er wurden an US-amerikanischen Universitäten, Spitäler und Militärbasen an 16.000 Männer, Frauen und Kinder Strahlenexperimente durchgeführt. Die vom frühere US-Präsident Bill Clinton gegründete Advisory Committee on Human Radiation Experiments veröffentlichte 1995 die Existenz dieser Strahlenexperimente, welche teilweise ethische Kriterien verletzten oder sogar ohne Wissen der Testpersonen durchgeführt wurden.

[...] Energy Secretary Hazel O’Leary and I received a report from my Advisory Committee on Human Radiation Experiments detailing thousands of experiments done on humans at universities, hospitals, and military bases during the Cold War. Most of them were ethical, but a few were not: in one experiment scientists injected plutonium into eighteen patients without their knowledge; in another, doctors exposed indigent cancer patients to excessive radiation, knowing they would not benefit from it. — Bill Clinton, “My Life”, 2004, S.554.

Als Konsequenz verschärfte Clinton die Auflagen zur Bewilligung von Strahlenexperimente an Menschen. Das ADS konnte diese Auflagen unter Wahrung der Geheimhaltung zwei Mal nicht erfüllen, was im Dezember 2000 zur Aufhebung der Geheimhaltung des Projekts führte. Der erste Prototyp (ADS System 0) wurde in einem Container zusammengebaut. 2004 wurde von Raytheon eine weiterentwickelte, mobile Variante in einen HMMWV eingebaut (siehe Bild oben links). Die notwendige Energie wird durch einen Stromgenerator produziert, der vom Dieselmotor des HMMWV angetrieben wird. Davon wurden insgesamt zwei Stück gebaut. Ursprünglich war ab 2005 der Einsatz dieser mobilen Variante im Irak geplant, was jedoch nach dem Abu-Ghuraib-Folterskandal für das Image der USA als zu riskant betrachtet wurde. So kamen bis heute keine solche Systeme zum Einsatz – eine magere Bilanz bei einem über 10 Jahre andauernden Projekts in welches bis 2005 51 Millionen US-Dollar investiert wurde. Es ist jedoch zu befürchten, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis das ADS in den USA gegen Demonstranten eingesetzt wird (ähnlich wie beim Long Range Acoustic Device).

If we’re not willing to use it here against our fellow citizens, then we should not be willing to use it in a wartime situation. [Because] if I hit somebody with a nonlethal weapon and they claim that it injured them in a way that was not intended, I think that I would be vilified in the world press. — Michael Wynne, Secretary of the Air Force zitiert in Lolita C. Baldor, “Official: Test nonlethal weapons in U.S“, The Seattle Times, 13.09.06.

Es gab jedoch noch andere Gründe, die gegen einen Einsatz im Irak sprachen: die auf dem HMMWV montierte Variante war wegen fehlender Kühlung bei heissen Umgebungstemperaturen nicht verlässlich einsetzbar. Die letzte verbesserte Variante mit Kühlung (siehe Bild unten rechts) weist wieder einen Umfang von 9 Tonnen auf, was für die Montage auf einem HMMWV zu viel ist. Ausserdem muss mit der Kühlung rund 16 Stunden vor dem Einsatz begonnen werden. (Vgl.: David Hambling, “Reports Slams Pentagon’s ‘Non-Lethal’ Arms Shop: $387 Million Spent, No Weapons“, Danger Room, 27.04.2009). Mit dem Ersatz des Gyrotron durch eine auf Galliumnitrid basierende Strahlenquelle hofft das US Militär das System deutlich verkleinern zu können. Die Forschungen sind klassifiziert, so dass leider nicht mehr bekannt darüber ist.

Das ADS funktioniert wie ein Mikrowellengerät, jedoch mit dem Unterschied, dass der Frequenzbereich nicht bei 2,45 GHz sondern bei 95 GHz liegt. Mit dieser Frequenz kann die elektromagnetische Strahlung nur ca. 0,4 mm in die Haut eindringen. Dort werden die Wassermoleküle zur Schwingung gebracht, was innerhalb von Sekunden eine Temperatur bis zu 55°C erzeugen vermag. Dies ist nicht ganz ohne Risiko, denn bei einer Hauttemperatur von 60°C während 5 Sekunden sind Verbrennungen zweiten und dritten Grades unausweichlich. In der Regel flüchten die betroffenen Personen innerhalb von 3 Sekunden und bei den Tests blieb keine Person länger als 5 Sekunden im Strahlungsbereich (Quelle: David Hambling, “Say Hello to the Goodbye Weapon“, Wired, 12,05.06). Bei einem echten Einsatz muss jedoch damit gerechnet werden, dass beispielsweise bei einer Massendemonstration eine betroffene Person sich nicht schnell genug wegbewegen kann oder dass Personen auch mehrmals von dem Mikrowellenstrahl getroffen werden könnten. Ausserdem besteht die Gefahr, dass die Augen der Betroffenen Schaden nehmen könnten. Unter Hitzeeinwirkung dehnt sich das Kammerwasser und der Glaskörper des Auges aus. Der erhöhte Innendruck presst die Blutgefässe des Auges weg, schädigt den Sehnerv und kann zur Erblindung führen. Die Symptome entsprechen dem Grünen Star. Die Air Force meldete, dass einige ihrer freiwilligen Testkandidaten Hautrötungen aufwiesen, und dass bei 6 auf 600 Testpersonen (bei total 10,000 Bestrahlungen) die Bildung kleiner Blasen festgestellt wurden. Bei einem Unfall wegen zu hoher Energieeinstellung wurde in einem Laborversuch bei einem Testkandidat in einem ca. 2cm grossen Bereich Verbrennungen 2. Grades festgestellt (Quelle: David Hambling, “Details of US microwave-weapon tests revealed“, New Scientist, 22.07.05). Im April 2007 holte sich eine weitere Testperson während eines Tests Verbrennungen 2. Grades an beiden Beinen. Der Unfallbericht zeigt auf, wie wenig notwendig ist, um jemandem ernsthafte Verbrennungen zuzufügen. Die Problematik bei dieser Waffe liegt darin, dass zwischen der ungefährlichen Anwendung, welche das Flüchten der betreffenden Person bewirkt und der Verbrennungen zweiten bis dritten Grades eine Sekunde Bestrahlzeit liegen kann. Diese Verantwortung ist technisch nicht abgesichert, sondern wird dem Operateur abgeschoben.

Die Reichweite der militärischen Variante soll gemäss Angaben des Joint Non-Lethal Weapons Directorate bei über 500m liegen. Feldversuche wurden bis zu Distanzen von über 700m durchgeführt. Gemäss des ehemaligen Brigadiers Bruce A. Carlson, Kommandant des Air Force Materiel Command ist ein Einsatz über 1000m auf drei bis vier zusammenstehende Personen möglich (Quelle: Stew Magnuson, “Non-lethal Weapon Readied for Battlefield“, National Defense, Januar 2006). Unter dem Namen “Silent Guardian” bietet Raytheon seit 2006 eine kleinere kommerzielle Variante zum Preis von unter 10 Millionen US-Dollar (Stand 2008) an. Gemäss Raytheon soll bei der kleineren Variante ein Einsatz über 250m möglich sein. Es gibt bis jetzt keine Anzeichen, dass Raytheon auch tatsächlich Systeme verkauft hat. Derzeit laufen Versuche, um das ADS auch von Flugzeugen (beispielsweise von einer Lockheed C-130 Hercules) aus zum Einsatz bringen zu können. Soll dies gelingen, müssten Reichweiten von über 3000m angestrebt werden. Auf der anderen Seite des Spektrums sind Tests an tragbaren Varianten mit Einsatzdistanzen um 15m im Gange. Gegen Mikrowellen schützen übrigens elektrisch leitende Stoffe. Die Eindringtiefe der elektromagnetischen Strahlung in Aluminium bei 95 GHz beträgt nur 0,27 Mikrometer. Das bedeutet, dass eine handelsübliche Aluminiumfolie den Körper vor der Mikrowellenstrahlung des ADS schützen könnte und dass folglich die betroffene Person keinen Schmerzreiz erfahren würde.

Quellen

Kritisch betrachtet& Terrorismus15 Jan 2010 05:46 pm

Die Politik will es einfach nicht begreifen: 100%ige Sicherheit gibt es nicht. Nach dem die Flüssigkeitsmenge (gilt auch für Gels und Cremes) im Handgepäck schon seit längerem auf 100ml beschränkt wurde, ist der neuste Schrei die Installation von Körperscannern in Flughäfen. Was die Beschränkung der Flüssigkeitsmenge angeht, haben wir schon vor 2 Jahren bei Quarks&Co gesehen (ab Minute 11:00), dass diese Massnahme keine Anschläge verhindern kann. In einer Talksendung von Markus Lanz beim ZDF führte der Physiker Werner Gruber den deutschen CDU-Politiker Wolfgang Bosbach dem Publikum vor. Bosbach fordert die Einführung der Körperscanner, ist ein Verfechter von Videoüberwachung, eines Killerspiele- und Paintballverbotes. Gruber schmuggelte durch den Körperscanner im Studio einen Zünder, Thermit, eine kleines Reagenzglas und ein Feuerzeug. Anschliessend zeigte er, wie mit den vorhandenen Materialien eine Teflonpfanne durchgebrannt werden kann. Damit konfrontiert, wurde Bosbach gegen Schluss der Sendung recht schnippisch. Da kann ich nur gratulieren: grosses Kino!

Gefunden auf Felix von Leitner’s Blog – Danke!

 
Update vom 31.01.10
Bei den Körperscanner geht es nicht um Sicherheit, sondern ums Geschäft. Es gibt drei US-amerikanische (American Science and Engineering, L-3 Communications, Rapiscan Systems), zwei britische (Smiths Group, ThruVision) und einen französischen (Brijot) Hersteller. An US-amerikanischen Flughäfen wurden Körperscanner unter der Bush-Administration vom ehemaligen US-Heimatschutzminister, Michael Chertoff eingeführt. Nach dem Ende der Bush-Ära gründete Chertoff eine Beratungsfirma (Chertoff-Group), welche die Interessen einiger Sicherheitskonzerne in Washington vertritt. Einer seiner Klienten ist die Firma Rapiscan Systems. Wen überrascht es da, dass Chertoff als “Sicherheitsexperte” nach dem vereitelten Terroranschlag auf den Northwest-Airlines-Flug 253 ausgerechnet Körperscanner als das Allheilmittel gegen solche Selbstmordattentäter propagierte (Beispiele: Washington Post, New York Times). Übrigens ist nebst dem früheren CIA-Direktor Michael Hayden ein ganzes Team ehemaliger hoher Militär- und Regierungsangestellter im Namen der Chertoff-Group aktiv.

Derzeit sind 40 Körperscanner an 19 US-Flughäfen im Einsatz. Die jetzige US-Heimatschutzministerin Janet Napolitano gab am 21.01.10 bekannt, dass innerhalb 12 Monaten mindestens 450 Geräte innerhalb der USA im Einsatz stehen sollen. Die ersten 150 Geräte wurden bei Rapiscan Systems in Auftrag gegeben, die restlichen wurden noch nicht vergeben. (Quelle: Marc Pitzke, “Gutes Geschäft mit der Angst“, Spiegel, 21.01.10). Sind die Körperscanner in den USA etabliert, werden Flughäfen weltweit ebenfalls aufrüsten. Das Marktvolumen könnte weltweit bei bis zu 50.000 Geräten liegen.

Inklusiv Video& Jemen& Terrorismus10 Jan 2010 11:18 pm

Der Kommentar von “fan“, dass die politischen Einschätzungen zu Konfliktgebieten in letzter Zeit etwas zu kurz gekommen seien, blieb bei mir nicht ungehört. Diese Art von Artikeln gehören zu den zeitaufwendigsten, weil Quellensuche, -auswahl und -auswertung mehr Zeit beanspruchen als bei eher technischen Artikeln. Beispielsweise beschäftigte mich der vorliegende Artikel über den Jemen etwas mehr als eine Woche. Trotzdem werde ich versuchen bis zur nächsten arbeitsbedingten Pause pro Monat mindestens ein Artikel zu einem Konfliktgebieten zu veröffentlichen.

Der vereinte Staat Jemen ist ein Produkt des Zerfalls des Ostblocks. 1990 schlossen sich der nationalistische, bevölkerungsreiche Nordjemen und der sozialistische, verarmte Südjemen zusammen. Dies führte zu einem schwachen, ökonomisch fragilen Staat, in dem sich schon vor seiner Gründung militante islamistische Gruppierungen eingenistet hatten. Bereits vor den Terroranschläge am 11. September 2001 wurde die USS Cole im Oktober 2000 im Hafen von Aden Ziel zweier Selbstmordattentäter, die mit einem Boot gefüllt mit Sprengstoff ein rund neun mal zwölf Meter grosses Loch in den Rumpf des Schiffs gerissen hatten. Bei diesem Anschlag starben 17 US Marines, 39 wurden verletzt – die al-Qaida bekannte sich als Drahtzieher. Für die Untersuchung wurde ein Team von FBI-Agenten nach Aden entsandt. Der Leiter dieses Teams, Ali H. Soufan kritisierte die anfänglich fehlende Kooperationsbereitschaft der jemenitischen Regierung (Vgl.: Ali H. Soufan, “Coddling Terrorists In Yemen“, The Washington Post, 17.05.08). Die Zusammenarbeit zwischen der USA und Jemen zur Bekämpfung des Terrorismus wurde nach den Terroranschläge am 11. September 2001 besser. Auf Grund der Kooperationsbereitschaft des jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Salih gehörte Jemen nicht zu den Zielgebieten der Operation Enduring Freedom, sondern erhielt von den USA Militärhilfe, um den terroristischen Zellen im Innern des Landes Herr zu werden. Seit Frühling 2002 befinden sich zusätzlich zu den bereits verdeckt operierenden CIA-Agenten militärische Special Forces in Jemen, schwergewichtig um jemenitische Sicherheitskräfte auszubilden. Am 3. November 2002 feuerte die CIA mittels einer Predator-Drohne eine AGM-114 Hellfire über jemenitischem Territorium ab und töteten dabei sechs al-Qaida Terrorverdächtige in einem Fahrzeug, darunter Abu Ali al-Harithi, ein Planer des Anschlags auf die USS Cole (Quelle: Walter Pincus, “US missiles kill al Qaeda suspects“, The Age, 06.11.2002). Es war der erste Einsatz einer Predator-Drohne ausserhalb Afghanistans. Zur gleichen Zeit patrouillierten regelmässig US-amerikanische Kampfflugzeuge an der jemenitisch-saudiarabischen Grenze. Nach anfänglicher öffentlicher Kritik an der US-amerikanischen Aktion, gab die jemenitische Regierung zwei Wochen später ihre volle Kooperation mit der US-amerikanischen Aktion zu. (“Yemen: Coping With Terrorism and Violence in a Fragile State“, Middle East Report N°8, ICG, Januar 2003, S.23f und 25). Die Kritik der jemenitischen Regierung an der US-amerikanischen Aktion hatte innenpolitische Gründe, um sich der weit verbreiteten feindseligen Stimmung gegenüber der USA unter der jemenitischen Bevölkerung nicht stellen zu müssen. Dieses Verhalten der verdeckten Kooperation mit den USA ist bis zur heutigen Zeit präsent, was die zum Teil widersprüchlichen Aussagen der jemenitischen Regierung betüglich der US-amerikanischen Zusammenarbeit erklärt. Der durch die Medien teilweise verbreitete Eindruck, der Jemen sei erste seit dem vereitelten Terroranschlag auf den Northwest-Airlines-Flug 253 am 25. Dezember 2009 ins Visier militärischer Anti-Terrormassnahmen ist also nicht richtig.

Look at the Somalis — [a few] million people, and they are creating problems for the world. Yemenis are 24 million and [they are] tough warriors. And they’ve nothing to lose, like the Somalis. — Abdulkarim Al-Arhabi, stellvertretender Wirtschaftsminister und Minister für Planung und internationale Kooperation in Jemen zitiert in “Another Somalia? Threats to Yemen abound“, AFP, 13.03.09.

Trotz der Zusammenarbeit drückte sich 2006 der frühere US-Präsident George W. Bush enttäuscht über die Anstrengungen der jemenitischen Regierung im Kampf gegen den Terrorismus aus. Salih weigerte sich vorgängig den einflussreichen Akademiker und Politiker Abdul Majeed al-Zindani festzunehmen (Quelle: Andrew McGregor, “Stand-Off in Yemen: The al-Zindani Case“, Terrorism Focus 3:9, 07.03.06). Al-Zinadin gilt als spiritueller Berater von Osama bin Laden. Er ist Gründer und Vorsitzender der Iman Universität in Jemen, an der mutmasslich auch John Walker Lindh – der als US-Staatsbürger in der Armee der Taliban diente – studierte (Quelle: Gregory D. Johnsen, “Profile of Sheikh Abd al-Majid al-Zindani“, Terrorism Monitor, 4:7, 06.04.2006). Im Dienste der Iman Universität stand auch Anwar al-Awlaki, Imam von drei 9/11-Terroristen und von Nidal Malik Hasan, einem Major der US-Armee, welcher bei einem Amoklauf in Fort Hood 13 Menschen erschossen und 30 verletzt hatte (Quelle: David Johnston und Scott Shane, “U.S. Knew of Suspect’s Tie to Radical Cleric“, The New York Times, 09.11.09). Auch zu Umar Farouk Abdulmutallab,welcher den versuchten Terroranschlag auf den Flug 253 ausführte, werden Kontakte vermutet. Gemäss US-Behörden soll Al-Awlaki letzten Jahres von der al-Qaida zum regionalen Kommandanten ernannt worden sein. Dies zeigt, dass die jemenitische Regierung zu wenig Einfluss hat, um mit eigener Kraft eine Reorganisation der al-Qaida innerhalb Jemen verhindern zu können.

U.S. special operations forces and intelligence agencies, and their Yemeni counterparts, are working to identify potential al Qaeda targets in Yemen, one of the officials said. This is part of a new classified agreement with the Yemeni government that the two countries will work together and that the U.S. will remain publicly silent on its role in providing intelligence and weapons to conduct strikes. [...] By all accounts, the agreement would allow the U.S. to fly cruise missiles, fighter jets or unmanned armed drones against targets in Yemen with the consent of that government. — Barbara Starr, “Officials: U.S., Yemen reviewing targets for possible strike“, CNN, 29.12.09.

Der Kampf der jemenitischen Regierung gegen die al-Qaida im südlichen Teil des Landes wird zusätzlich durch zwei weitere Konflikte behindert. Ebenfalls im südlichen Teil des Landes gibt es seit 2007 Unruhen, die ihren Ursprung in der politisch und ökonomisch Benachteiligung der südjemenitischen Bevölkerung haben. Es ist zu befürchten, dass einerseits die ebenfalls im Süden operierenden al-Qaida-Gruppen südjemenitische Separatistenbewegungen für ihre Zwecke instrumentalisieren könnten und andererseits, dass es bei einer Schwächung der Zentralregierung in Sanaa zu einer Spaltung des Staates kommen könnte (Vgl.: Dr. Lawrence E. Cline, “Yemen’s Strategic Boxes“, Small Wars Journal, 02.01.10, S. 10). Im ehemaligen Südjemen befindet sich ein Drittel der Bevölkerung, jedoch ebenso die Ressourcen des Landes – eine Sezession könnte in Hinblick auf zunehmende Ressourcenknappheit lukrativ erscheinen, auch wenn ein totaler Bürgerkrieg zu erwarten wäre. (Vgl.: Michael Horton, “Why southern Yemen is pushing for secession“, The Christian Science Monitor, 15.12.09). Ein weiterer Konflikt wütet seit August 2004 im nordwestlichen Gouvernement Sa’da gegen schiitische Houthis, der bis dahin auf wenig internationales Interessen gestossen ist. Die jemenitische Regierung bezichtigt den Iran, die Houthi mit Geld und Waffen zu unterstützen – dafür gibt es aber keine stichhaltige Beweise (“Yemen: Defusing the Saada Time Bomb“, ICG, Crisis Group Middle East Report N°86, 27.05.09, S. 3). Saudi Arabien unterstützt bei diesem Konflikt die jemenitische Regierung, aus Angst der schiitische Einfluss könnte auch Unruhen im Süden Saudi Arabien erzeugen. Gemäss eigenen Angaben hält sie das US-Militär aus diesem Konflikt heraus und betrachtet die Houthis nicht als terroristische Organisation (vgl.: Ali Al-Jaradi, “Stance of U.S. administration on Houthi movement; Houthis and Al Qaeda mixed cards between Washington and Yemen“, Yemen Post, 28.12.09). Bis jetzt gibt es keine stichhaltigen Beweise, die auf eine Verbindung der Houthis mit der al-Qaida schliessen lassen. Die Houthis bezichtigten die USA Mitte Dezember 2009 bei 28 Luftangriffen 120 Zivilisten getötet und 44 verletzt zu haben. Die jemenitische Regierung gab an, diese Luftschläge selber durchgeführt zu haben und die USA stritten jegliche Involvierung ab. Da diese Story insbesondere über den iranischen Fernsehnachrichtensender Press TV verbreitet wurde, ist dahinter iranische Medienpropaganda gegen die USA zu vermuten. Anders sieht dies jedoch bei US-amerikanischen Raketenangriffen am 17. Dezember 2009 in den Gouvernementen Abyan, Arhab und Sanaa sowie am 24. Dezember 2009 in Rafd, im Gouvernement Shabwa gegen Stützpunkte der al-Qaida aus (vgl.: Kimberly Dozier , “U.S. Leading Assaults on al Qaeda in Yemen“, CBS, 02.01.10). Je nach Quellen schwanken die dabei getöteten Personen zwischen 10-35 al-Qaida Mitglieder bis zu 64 zivile Opfer (vgl.: “U.S. fired on al-Qaida targets in Yemen“, NBC, 18.12.09). Mit diesen “gezielten Tötungen” wollten die USA auch al-Awlaki ausschalten, welcher jedoch vermutlich unverletzt blieb (Quelle: Sudarsan Raghavan und Michael D. Shear, “U.S.-aided attack in Yemen thought to have killed Aulaqi, 2 al-Qaeda leaders“, The Washington Post, 25.12.09). Ich hoffe, die Ziele wurden nicht mittels US-amerikanischen Drohnen aufgeklärt. Dieser verwirrender Mix verschiedenster Akteuren, die ihre eigenen Ziele verfolgen, könnte die USA in Jemen langfristig zwischen die Fronten treiben.

Sieht man von den Staaten ab, in denen das US-Militär bereits präsent ist, gehört Jemen nebst Somalia und Algerien gemäss “Strategic Survey 2009” zu den drei Staaten, in denen die al-Qaida das Potential besitzt eine Gefahr strategischen Ausmasses zu erreichen. In einer Anhörung vor dem Komitee “Homeland Security and Governmental Affairs” des US-Senats warnte Michael Leiter, Direktor des National Counter Terrorism Center am 30. September 2009, dass die al-Qaida in the Arabian Peninsula (AQAP) an Stärke zugenommen habe, führende al-Qaida Mitglieder sich in Jemen ungehindert im Landesinnern bewegen könnten und lokale Operationsbasen betreiben würden, von denen aus Terroranschläge geplant sowie Rekruten trainiert würden. Die AQAP setzt sich aus führende al-Qaida Mitglieder zusammen, welche zwischen 2003-2006 aus Saudi Arabien geflohen sind, gestärkt durch einfach al-Qaida-Fussoldaten, welche vorher in Pakistan aktiv waren. (Quelle: Strategic Survey 2009, International Institut for Strategic Studies, S. 51). Gemäss Generalmajor Jahja Abdullah, Mitglied des jemenitischen Generalstabs dringen zusätzlich militante Somalis über den Seeweg in den Süden des Landes ein. Die USA können also die Bedrohung der AQAP innerhalb Jemen nicht ignorieren, sonst riskieren sie den Aufbau einer neuen al-Qaeda Hochburg. Es gibt jedoch noch weitere Gründe weshalb sich die USA zukünftig stärker mit dem Jemen befassen werden:

  • Der Golf von Aden als eine wichtige Handelsroute wird von Somalia im Süden und Jemen im Norden eingefasst. Von dort aus ist auch das Bab al-Mandab kontrollierbar und somit der Eingang zum Roten Meer, durch das täglich rund drei Millionen Barrel Rohöl Richtung Westen verschifft werden. Jemen ist also in einer wichtigen geostrategischen Lage zur Sicherung der Handelsschiffahrt und der Bekämpfung der Piraterie im Golf von Aden.
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  • Bereits im August 2009 versuchte ein Mitglied der AQAP mit einem Selbstmordanschlag den saudischen Prinz Muhammad bin Nayef, stellvertretender Inneminister und Zuständiger für Terrorismusabwehr zu töten. Interessanterweise war die Technik sowie Art und Weise des Anschlags ähnlich wie diejenige beim Northwest-Airlines-Flug 253. In beiden Fällen wurde Nitropenta als Basis verwendet, in der Unterhose mitgeführt und versucht in Verbindung mit anderen Chemikalien eine Detonation zu erwirken. Ausserdem hat die AQAP sich zu beiden Anschlägen bekannt. Es ist anzunehmen, dass Saudi Arabien auf die USA Druck ausübt, sich um das jemenitische Problem stärker zu kümmern, denn das saudische Königshaus betrachtet die AQAP als eine direkte Bedrohung (vgl.: “Saudis fear al-Qaida threat from Yemen“, United Press International, 02.12.09). Nach dem versuchten Anschlag auf Muhammad bin Nayef reiste in der selben Woche John O. Brennan, stellvertretender National Security Adviser für Homeland Security und Counterterrorism nach Saudi Arabien um Muhammad bin Nayef zu treffen und das weitere Vorgehen zu besprechen. (Quelle: “The August Attempt on Saudi Prince Mohammed – and the Link to Flight 253“, ABC News, 03.01.10).
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  • Es würde mich nicht verwundern, wenn die US-amerikanische Waffenindustrie ein Interesse an jemenitischen Waffenkäufe hätte. Derzeit bezieht die jemenitische Regierung ihre Waffen aus Russland (zwischen 2000-2008 für rund eine Milliarde US-Dollar), Ukraine (zwischen 2000-2008 für rund 260 Millionen US-Dollar) und anderen osteuropäischen Staaten. Die jemenitische Armee initiierte für die nächsten Jahre ein 4 Milliarden US-Dollar umfassenden Modernisierungsprogramm, wobei die Waffensysteme voraussichtlich schwergewichtig aus Russland, Ukraine, anderen osteuropäischen Staaten und China stammen werden. Finanziert werden die Käufe grösstenteils von Saudi Arabien. (Vgl.: Thalif Deen, “Russia, China keep toehold in Yemen“, Asia Times, 07.01.20).

     

    We have, it’s well known, about 70 million dollars in security assistance last year. That will more than double this coming year. — David H. Petraeus zitiert auf Charles Fromm, “YEMEN: U.S. Poised to Increase Aid“, IPS, 06.01.10.

Weitere Informationen

David Axe& English only08 Jan 2010 05:07 am

by DAVID AXE

On July 14, 2006, Hezbollah fighters fired two anti-ship missiles at the Israeli navy’s INS Hanit, a Sa’ar 5-class corvette, while Hanit was patrolling 10 miles off the Lebanese coast in support of Israeli attacks on the Iranian-supported extremist group. The first of the missiles — reportedly an Iranian-made C-802 — missed Hanit and struck an Egyptian freighter 37 miles out to sea. The second missile, this one possibly a smaller, electro-optically guided C-701, exploded over Hanit’s flight deck, killing four sailors and setting the 1,200-ton vessel on fire.

The attack was a major propaganda coup for Iran and Hezbollah and a wake-up call for the Israeli navy. Hezbollah leader Hassan Nasrallah monitored and commented on the missile strike in real time, while conducting a phone interview with a Lebanese television station. “You don’t know who you are dealing with,” he said as Hanit burned.

The then 11-year-old corvette, built by Northrop Grumman in the U.S., managed to limp home to Ashdod naval base under her own power and has since been repaired. But the attack underscored shortfalls in Israeli tactics, equipment and preparedness that the 5,500-strong sea service has worked hard to correct.

Subsequent naval operations, particularly those targeting Iranian-backed Hamas in Gaza in January, revealed a better trained and equipped Israeli navy. Today the navy is optimizing to take on so-called “hybrid” threats, such as Hezbollah and Hamas, that combine high technology with insurgent methods — while Israel also boosts its high-end strategic capabilities, in order to deter Iran from overt attacks. The latter has grown more urgent, as Iran continues to pursue a nuclear capability, in defiance of world opinion.

The post-Lebanon Israeli navy represents an important case study for other navies. To understand how the Israelis work to maintain regional naval dominance and strategic deterrence in a dangerous, dynamic environment, we visited Israeli Defense Force facilities and spoke to a range of experts on IDF operations.

Improvements since Lebanon include: refined tactics and procedures; expanded use of unmanned vehicles; plans to procure a new class of large corvettes to bolster the surface fleet; and the planned addition of two diesel-electric submarines, nearly doubling the current fleet. (more…)

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